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Louis van Gaal gewann 2008/2009 mit Alkmaar den Titel in den Niederlanden © imago

Die Unruhe beim FCB ist zuletzt gewachsen. Sport1.de nimmt die Querelen zum Anlass zu einer Serie zu den Münchner Brennpunkten.

Von Martin Volkmar

München - Die Wahrnehmung, ausgerechnet beim FC Bayern könne man über Jahre als Trainer arbeiten, hängt eigentlich nur mit zwei Namen zusammen: Udo Lattek und Ottmar Hitzfeld 76803(Diashow: Wenn die Trainer fliegen...).

Die beiden erfolgreichsten Bundesliga-Trainer aller Zeiten fungierten jeweils zweimal höchst erfolgreich bei den Münchnern.

Lattek gewann in insgesamt neun Jahren einmal den Europacup der Landesmeister, sechsmal die Meisterschaft und dreimal den DFB-Pokal. Hitzfeld holte in siebeneinhalb Jahren einmal die Champions League, fünfmal die Meisterschaft und viermal den Pokal.

Rückkehr des "FC Hollywood"

Nur den beiden Routiniers gelang also dauerhafter Erfolg beim deutschen Rekordmeister, während nach Latteks zweiter Amtszeit ab 1987 bis zur ersten Hitzfeld-Ära 1998 der Begriff des "FC Hollywood" entstand.

Nun kehrt dieser zurück, weil auch unter Louis van Gaal wenig von der früheren Dominanz zu erkennen ist 174775(Diashow: FC Hollywood: Klappe, die zweite).

Nachdem in der Champions League das Vorrunden-Aus droht und das Team in der Liga als Achter weit hinter den Erwartungen zurückliegt, steht der Niederländer vor dem Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen am Sonntag mächtig unter Druck (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle).

"Der Trainer steht immer unter Erfolgsdruck"

"Bei Bayern steht der Trainer immer unter Erfolgsdruck", sagte Ex-Kapitän Lothar Matthäus dem DSF.

"Wenn die Ergebnisse bei Bayern nicht stimmen, kann auch ein Trainervertrag nicht eingehalten werden."

Dieser Macht des Faktischen beugte sich die Vereinsführung in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger: Fünf Trainer hatte der FCB in den letzten fünf Jahren.

Experiment mit Klinsmann scheitert

Dabei wirkt es derzeit, als habe der Verein seinen Kompass verloren: Erst wurde Jürgen Klinsmann 2008 öffentlich als Visionär und großer Erneuerer angekündigt.

Zehn Monate später stellte Uli Hoeneß dann ernüchtert fest, dass man eher einen richtigen Fußball-Lehrer an der Säbener Straße benötige.

Also kam als kompletter Gegenentwurf van Gaal. Der hat nach knapp fünf Monaten aber noch immer nicht die Wende zum Besseren geschafft.

Und so zeigen sich erste Absatzbewegungen vom Chefcoach. "Wir werden sehen, ob das am Ende funktioniert", erklärte Hoeneß der "Zeit".

Selbstkritik Fehlanzeige. Dabei ist es vor allem das Problem des Klubs, dass er sich immer wieder von außen zu Aktionismus drängen lässt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

Keine Geduld mit Heynckes

Den Anfang machte Jupp Heynckes, der 1987 Lattek nachfolgte. Zunächst ließ ihn Hoeneß gewähren, obwohl er im ersten Jahr ohne Titel blieb.

Dann folgten zwei Meisterschaften, doch der ersehnte internationale Triumph blieb aus, so dass nach einem Fehlstart in Heynckes' vierte Saison die Geduld am Ende war - im Nachhinein aber bezeichnete Hoeneß den Rauswurf als "größten Fehler meines Lebens".

Für den neuen Mann Sören Lerby war aber schon nach wenigen Wochen Schluss und "Retter" Erich Ribbeck musste in der Winterpause 1993 als Tabellendritter vorzeitig gehen.

Rehhagel war überfordert

Auch bei Giovanni Trapattoni, der 1994/95 fast die UEFA-Cup-Teilnahme verpasste und den kaum einer verstand, und bei dem nach der "Oase" Bremen beim "FC Hollywood" medial total überforderten Otto Rehhagel erfolgte nach nur einem Jahr die Trennung.

Zur Erinnerung: "König Otto" stand damals auf Platz zwei und im UEFA-Cup-Finale - Nachfolger wurde ausgerechnet Trapattoni.

Der Italiener gewann immerhin 1997 endlich wieder eine Meisterschaft, spielte aber wenig ansehnlichen Fußball und legte sich mit fast allen Stars an - nach der zweiten Saison, als der Titel von Aufsteiger Kaiserslautern mit Trainer Rehhagel weggeschnappt wurde, folgte das erneute Aus.

Erst danach setzte unter Hitzfeld eine Erfolgsphase ein, die auch unter Felix Magath fortgeführt werden konnte, der in zwei Jahren zweimal das Double gewann. Doch trotzdem überwog wegen des frühzeitigen Scheiterns in der Champions League die Unzufriedenheit.

Erfolge schützten Magath nicht

"Schon in der zweiten Saison spürte ich, dass etwas nicht stimmt. Damals hatten wir wieder praktisch zwei Titel in der Tasche, und die Stimmung war trotzdem schlecht", erinnerte sich Magath, der dann Anfang 2007 kurzfristig gefeuert wurde. Nachfolger: Hitzfeld.

Auch nach Klinsmanns Scheitern fragten die Bayern-Bosse zuerst den "General", doch der winkte ab, nachdem man ihn 2008 trotz des Doubles nicht mehr gewollte hatte.

Also kam es zum Comeback von Heynckes, der den Klub in die Champions League führte, aber Magath mit Underdog Wolfsburg die Meisterschaft überlassen musste. Heynckes zog weiter nach Leverkusen - und kommt jetzt als strahlender Tabellenführer zurück.

Es zeigt sich also, dass etwas mehr Geduld gerade mit den Erfolgstrainern vielleicht der bessere Weg gewesen wäre. Doch davon will man beim FC Bayern nichts wissen.

"Lahms Vorwürfe sind lächerlich"

So wurde die Kritik von Philipp Lahm abgeschmettert, dass dem Verein eine Philosophie fehle wie etwa dem FC Arsenal, der seit 1996 ununterbrochen an Trainer Arsene Wenger festhält und sich mit seinem Offensiv-Fußball Millionen Fans erobert hat.

"Arsene Wenger hat, soviel ich weiß, noch nie einen internationalen Titel gewonnen. Tolles Beispiel", meinte Hoeneß lapidar.

"Lahms Vorwürfe sind lächerlich. Die Spielphilosophie bestimmt der Trainer."

Dazu muss man aber erstmal einen Trainer haben, der nicht nur einen großen Namen mitbringt, sondern auch eine Spielphilosophie. Oder dem man die Zeit gibt, eine zu entwickeln.

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