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Zusammen mit Manager Uli Hoeneß bildet Beckenbauer über Jahre ein höchst erfolgreiches Gespann beim Rekordmeister
Uli Hoeneß (r.) soll Ende November Franz Beckenbauer als FCB-Präsident ablösen © getty

Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer wollen Louis van Gaal helfen, Vertrauen in den Bayern Trainer drücken sie so allerdings nicht aus.

Von Mathias Frohnapfel

München - Jeden Freitag vor einem Bundesliga-Wochenende lernt Uli Hoeneß Bayern-Trainer Louis van Gaal besser kennen.

Nach 22.30 Uhr setzen sich der Manager und sein Trainer zusammen - bei einem Glas Rotwein aus Spanien. Keine knallharte Analysestunde ist das dann, sondern ein geselliger Plausch unter Männern.

"Das ist total unterhaltsam", berichtet Hoeneß. Doch ob er und van Gaal noch lange Zeit haben werden, über ein Glas Rioja zu echten Männerfreunden zu werden, ist fraglich.

Denn: Hoeneß und FCB-Präsident Franz Beckenbauer erteilen nun van Gaal via "Bild" Ratschläge en masse. Es sind Hinweise, die alles andere sind als eine Jobgarantie und dem Niederländer weh tun dürften.

Mittelmaß schmerzt

"Sachlich, kritisch und ehrlich" nennt Hoeneß den Umgang von Vorstand und Trainer, schließlich bekennt er: "Ich kann nicht immer sagen: Es ist alles super, wenn wir Achter sind."

Es schmerzt die Bayern im tristen Mittelmaß der Tabelle zu stecken, erheben sie doch ansonsten wie selbstverständlich Anspruch auf die Pole Position.

Und dass in der Champions League zudem das Aus droht, macht die Situation vorm Bundesliga-Topspiel gegen Bayer Leverkusen (So., ab 15 Uhr LIVE) nicht einfacher.

Keine Spielerkäufe im Winter

Dennoch: Die Münchner wollen im Winter nicht mit neuen Spielereinkäufen den Umschwung um jeden Preis erzwingen.

"Wir werden mit Sicherheit keinen Spieler kaufen. Eher den einen oder anderen unzufriedenen Spieler abgeben, wenn er gehen will", stellt Hoeneß fest.

Der Aufstieg in Richtung Bundesliga-Gipfel soll stattdessen mit dem vorhandenen Kader gelingen und am besten ab sofort beginnen.

Beckenbauer: "Er muss Verantwortung delegieren"

"Van Gaal muss lernen Vertrauen und Verantwortung zu delegieren", fordert daher Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Und Hoeneß macht van Gaal darauf aufmerksam, dass der zu viele Dinge auf eigene Faust lösen möchte.

Bestes Beispiel: die Auseinandersetzung um Luca Toni: "Die will er allein führen. Aber alles schafft ein einzelner nicht."

174775(DIASHOW: FC Hollywood, die Zweite!)

Hoeneß spricht offen von einer "gewissen Problematik zwischen Trainer und Spieler". Und nimmt den Italiener in die Pflicht, dessen Aussagen "nicht in Ordnung waren".

Zwar kritisieren weder Hoeneß noch Beckenbauer van Gaal direkt. Doch wer auf die Zwischentöne achtet, merkt, dass der Niederländer nun auch öffentlich Gegenwind bekommt.

Hoeneß: "Wir wollen 4-4-2 spielen"

Dessen Lieblingssytem 4-3-3 gehört demnach nicht unbedingt zu den Favoriten der Klubführung.

"Wir haben mit van Gaal vor dem Robben-Transfer klar besprochen, dass man mit diesen Spielern auch 4-4-2 spielen kann. Wir wollen 4-4-2 spielen!", erklärt Hoeneß.

So deutlich hat Hoeneß in den vergangenen Monaten nicht in den Kompetenzbereich des Niederländers eingegriffen.

Dabei wollten die Chefs beim Rekordmeister alles besser machen als in der Vorsaison.

Die Bayern-Bosse holten im Sommer nicht nur van Gaal, sondern kauften auch neue Spieler für mehr als 70 Millionen Euro ein.

Der Plan ging allerdings bislang nicht auf. Im Moment stehen die Münchner sogar hinter dem Aufsteiger aus Mainz.

Kein Alleinherrscher gefragt

"Ich zermartere mir den Kopf, warum das bei uns so schwierig ist mit den Trainern", gesteht Hoeneß.

Seine Erkenntnis bisher: "So ein großes Unternehmen, wie es der FC Bayern geworden ist, lässt sich nicht mehr allein von einer Person führen. Louis van Gaal ist der Meinung, dass er alles selbst regeln muss."

Die Bayern-Chefs wollen aus diesem Grund den Niederländer nun mit "unserem Wissen und unserer Erfahrung" unterstützen.

Kann Ribery wieder trainieren?

Für den Fußballfachmann van Gaal, der zumindest öffentlich nach Belieben schalten und walten konnte, klingt das wie eine Drohung.

Immerhin kann der Trainer wieder auf Superstar Franck Ribery hoffen.

Der Franzose soll laut Hoeneß in der kommenden Woche ins Training zurückkehren.

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