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Louis van Gaals (r.) bislang kürzester Trainer- job endete 2003 nach sieben Monaten © getty

Die Bosse wollen zwei Stürmer, der Trainer nicht so gerne. Vor dem Leverkusen-Spiel ist die Debatte um Bayerns Taktik entbrannt.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Er ist noch auf der Suche.

Nach viereinhalb Monaten hat Louis van Gaal es immer noch nicht gefunden. Der Trainer des FC Bayern möchte gerne ein 4-3-3-System spielen lassen.

Die Bosse, Präsident Franz Beckenbauer und Manager Uli Hoeneß, wollen wiederum ein 4-2-2.

"Mit zwei Außen, einem etwas defensiveren Mittelfeld und zwei Stürmern. Bayern kann doch in einem Heimspiel mit zwei Angreifern spielen!", polterte Hoeneß via "Bild".

"Wir haben mit van Gaal vor dem Robben-Transfer klar besprochen, dass man mit diesen Spielern auch 4-4-2 spielen kann. Wir wollen 4-4-2 spielen", sagte Hoeneß.

Der 25-Millionen-Euro-Transfer von Robben sei auch nur abgewickelt worden, weil der Niederländer im Gespräch mit van Gaal versichert habe, auch im rechten Mittelfeld zu spielen.

Vor dem richtungsweisenden Spiel gegen Bayer Leverkusen (So., ab 15 Uhr LIVE) ist auch die Debatte um die Taktik wieder voll entbrannt. Der Coach steckt in der Systemfalle. Und es ist durchaus möglich, dass er noch im November gehen muss. 174775(DIASHOW: FC Hollywood, die Zweite!)

Nachfolgersuche schwierig

Allein die Nachfolger-Suche könnte das verhindern, denn abgesehen vom derzeit arbeitslosen Bernd Schuster ist kein Star-Trainer verfügbar. Vielleicht denken die Verantwortlichen auch über Guus Hiddink nach, der mit Russland gerade die WM-Qualifikation verpasst hat.

"Sie kennen ja unsere Freunde...", hatte van Gaal noch am Tag nach der bitteren Pleite gegen Girondins Bordeaux gesagt und dabei müde gelächelt.

Er nahm dabei auf die Vereinsoberen Bezug, die ihm zuvor in aller Deutlichkeit mitgeteilt hatten, dass ihnen die sportliche Situation ganz und gar nicht gefalle.

Van Gaal weiß um seine Situation

Der Niederländer weiß mittlerweile, wie ernst die Lage ist.

Genauso ist ihm bewusst, dass seine Zeit beim deutschen Rekordmeister ganz schnell vorbei sein könnte, wenn er gegen Bayer verliert und am darauffolgenden Mittwoch gegen Haifa aus der Champions League fliegt.

Ein Sieg über Leverkusen ist Pflicht, das hat auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "tz" verdeutlicht. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen einen Befreiungsschlag erringen!"

Leverkusen-Spiel enorm wichtig

"Es ist enorm wichtig. Daraus brauchen wir keinen Hehl zu machen", beschreibt Miroslav Klose die Bedeutung des Spiels gegen den Spitzenreiter.

Der Nationalstürmer ist nach seiner Schweinegrippe-Quarantäne, während der er für sich alleine Läufe absolvierte, wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und könnte bis Sonntag fit werden.

Einen Riss in der Mannschaft sieht Klose nicht. "Absolut nicht. Und wenn es so wäre, würde ich es Ihnen auch nicht sagen", sagte der Profi am Donnerstag den Journalisten an der Säbener Straße.

System ist Klose egal

"Der Trainer richtet sich ja auch nach dem Gegner. Wir haben die Spieler und die Qualität, um alle Systeme zu spielen", fügte Klose an. "Wir müssen jetzt die Antwort auf dem Platz geben, um neben dem Platz Ruhe zu bekommen", forderte indes Torhüter Jörg Butt.

"Wir als Mannschaft sind in der Pflicht. Am Sonntag können wir einen Riesenschritt machen." Mit dem Wind, der van Gaal und der Mannschaft allerdings ins Gesicht weht, scheint das aber eine große Herausforderung zu werden.

Die Uhr tickt. Der Coach muss punkten, punkten, punkten, um Argumente zu sammeln. Bis zur Winterpause stehen noch sieben Pflichtspiele an.

Van Gaal als Diplomat gefordert

Van Gaal muss derzeit aufpassen, dass er sich nicht noch weiter isoliert. Mit seiner direkten Art kommt er nicht bei jedem Spieler gut an. Auch bei den Bossen nicht.

"Louis van Gaal ist der Meinung, dass er alles selbst regeln muss. Die Auseinandersetzung zum Beispiel mit Luca Toni will er allein führen. Aber alles schafft ein einzelner nicht", merkt Hoeneß an.

"Louis ist auch immer noch überrascht über die Wucht, die hinter dem FC Bayern steckt..." Womöglich ist sie für den Niederländer zu groß.

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