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Mark van Bommel (l.) und Andreas Ottl kämpfen um den Platz im Mittelfeld © imago

Er ist sein Kapitän, der Aggressiv-Leader, Wortführer und Antreiber. Gegen Nürnberg saß Mark van Bommel nur auf der Bank.

Von Daniel Rathjen

München - Die Stimmung war eigentlich gut. Mit einem 2:0-Sieg zog der FC Bayern ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein und lieferte damit die passende Trotzreaktion auf das 2:5-Desaster gegen Werder Bremen.

Doch Mark van Bommel war angefressen. Trainer Jürgen Klinsmann verbannte ausgerechnet ihn, seinen Kapitän, vom defensiven Mittelfeld auf die Bank - der Niederländer musste sich zwangsläufig als Sündenbock fühlen.

Für ihn lief Andreas Ottl auf - und überzeugte auch noch auf ganzer Linie.

Die Maßnahme könnte eine Art Denkpause für den zuletzt tatsächlich schwachen van Bommel gewesen sein. Seine Leistung inklusive der Fehlpass-Quote gegen Bremen war indiskutabel.

Ottl, zwar wenig spektakulär, aber dennoch dynamisch wird zunehmend selbstbewusster und verlieh den Bayern gegen den Club mit seinen Pässen Sicherheit.

Die Zukunft vor sich

Der 23-Jährige ist der Mann der Stunde in München, hat die Zukunft vor sich und momentan die besseren Karten im Vergleich mit seinem acht Jahre älteren Konkurrenten.

"Der Trainer hat mich am Tag vor dem Nürnberg-Spiel darüber informiert, dass ich spiele und nicht Mark van Bommel. Es freut mich, dass er mir das Vertrauen entgegengebracht hat", sagt Ottl gegenüber Sport1.de.

Die Gründe dafür lagen ohnehin auf der Hand. Auch für den Blondschopf: "Jürgen Klinsmann hat mir attestiert, dass ich in den vergangenen Partien eine gute Leistung gezeigt habe."

One-Touch als Leitmotiv

Dem Coach gefällt vor allem, dass der ballsichere Ottl die neue Bayern-Philosophie schon verinnerlicht hat: "Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten. Aber ich glaube, wenn wir es weiter schaffen, mit ein, zwei Kontakten zu spielen, können wir auch gegen defensiv eingestellte Teams zum Erfolg kommen", erklärt das Münchner Eigengewächs.

Es sind Worte, die Klinsmann gerne hört und hören will. Zur Erinnerung: Mark van Bommel rauschte nach dem Spiel gegen Nürnberg kommentarlos an den wartenden Journalisten vorbei.

Aber ist es nicht ein Frevel, erst den Kapitän zu bestimmen und ihn dann auf die Bank zu setzen?

Hoeneß stützt Klinsmann

Unterstützung erhält Klinsmann von Manager Uli Hoeneß: "Bei diesem Kader muss man rotieren, um alle Spieler bei Laune zu halten. Da ist es egal, ob das der Kapitän ist", behauptet Hoeneß. Eine Strafversetzung wegen schwacher Leistungen wolle er nicht erkennen.

Doch warum ruft Klinsmann trotzdem einen offenen Fight um die Sechserposition aus? "Für Mark van Bommel kommt es zum Duell mit Andi Ottl. Wir werden da in nächster Zeit sicherlich öfter wechseln", kündigte er an.

Ottl jedenfalls schmeckt das Rotationsprinzip: "Wir haben viele Spieler, wir haben einen ausgeglichenen Kader. Das funktioniert recht gut."

"Ich bin Herausforderer"

Noch stellt er keine Ansprüche, sondern backt kleine Brötchen. "Ich sehe mich als Herausforderer. Wenn ich die Chance bekomme, so wie gegen den Club, dann will ich sie nutzen - alles weitere liegt am Trainer."

Vor allem die Laune von van Bommel wird jedoch davon abhängen, für wen von beiden sich Klinsmann am Samstag gegen Hannover 96 entscheidet. Der Kampf um die Vorherrschaft tobt.

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