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Das Münchner Team steht permanent im Fokus der Öffentlichkeit © imago

Im dritten Teil der Sport1.de-Serie geht es um das Umfeld der Bayern und dessen Einfluss auf Klub und Mannschaft.

Von Daniel Rathjen

München - Jeder Trainer möchte Zeit.

Doch beim FC Bayern gibt es die nicht.

In München müssen die Männer an der Seitenlinie sofort funktionieren.

Für denjenigen, der einen Prozess vorantreiben will, wie es unter anderem Jürgen Klinsmann versuchte, kann es sehr schnell heiß werden.

Auch der aktuelle Coach Louis van Gaal versteht sich als jemand, der die Führung einer Mannschaft als "ganzheitliches Prinzip" kennzeichnet.

Was passiert, wenn die Ergebnisse ausbleiben, wird momentan deutlich.

(Hier geht es zum ersten Teil der Serie: Die Bayern-Trainer)

Die Fans pfeifen, die Bosse werden nervös, Kritiker melden sich zu Wort.

Diverse Medien saugen jedes Detail auf, decken Unstimmigkeiten auf und bauschen diese nicht selten auf.

"Ah, Bayern hat wieder verloren", schmunzelt van Gaal, wenn er den Presseraum an der Säbener Straße betritt und dieser vor Journalisten überquillt.

Dem Niederländer fällt es deshalb auf, weil in guten Zeiten ungefähr nur die Hälfte der Plätze besetzt ist.

Er hat das ganzheitliche Prinzip, das bereits vor ihm existierte, mittlerweile durchschaut.

Die Popularität und das zuweilen skurrile Interesse am deutschen Rekordmeister ist ein Vorteil.

Durch die Massentauglichkeit erschließt der Verein jährlich neue Einnahmequellen und braucht sich finanziell keine Sorgen zu machen.

Andererseits wird das System in schlechten Zeiten zum Bumerang, da eigentlich nie Ruhe herrscht.

Das Umfeld ist ein einziger Schwelbrand, der jederzeit auflodern kann. Es setzt sich zusammen aus drei Teilen:

Die Fans

Das Münchner Publikum ist Erfolg gewöhnt. Meister zu werden, ist für die Fans normal. Aber gleichzeitig sehnen sie sich nach Spektakel.

Wenn es läuft und die Ergebnisse stimmen, können sich die Profis auf lautstarke Unterstützung verlassen.

Oft sind die Zuschauer aber auch ungeduldig und vor allem in der Einzelkritik sehr kritisch.

Wenn das nicht allzu viele Lieder umfassende Repertoire an Gesängen aufgrund von Sicherheitsfußball verklingt, können vereinzelte leise Pfiffe ein ganzes Konzert zur Halbzeit zur Folge haben.

Das Stadion ist immer ausverkauft, die Zuschauer haben eine gehörige Portion Macht. Die setzen sie gekonnt ein.

Die Medien

Auch Sport1.de ist fester Bestandteil der Münchner Medienlandschaft. Nahezu täglich berichtet ein Redakteur von der Säbener Straße.

Hinzu kommen vier lokale Zeitungen, Fernsehsender Nachrichtenagenturen, überregionale Medien, Vertreter aus dem Ausland.

Das Interesse ist so groß wie bei keinem Klub der Bundesliga. Das Gemisch erzeugt zusätzlichen Druck, auch, weil jede Kleinigkeit schwer wiegt.

174775(Diashow: FC Hollywood, die Zweite!)

Felix Magath kann ein Lied davon singen, aber auch Otto Rehhagel und nicht zuletzt Klinsmann, dem auch die für sportliche Belange völlig belanglosen Buddhas zum Verhängnis wurden.

Auch van Gaal sagt, so etwas habe er noch nie erlebt.

Für Manager Uli Hoeneß sind vor allem die neuen Medien ein Dorn im Auge.

Er kritisierte in einem Interview die Schnelllebigkeit und nahm damit auch konkret Bezug auf Sport1.de, wohlwissend dass auch der Großteil der Bayern-Profis täglich im Netz surft.

"98 Prozent der Leute schauen den ganzen Tag in ihre Blackberrys, in ihre Computer und werden befeuert und aufgefordert: Bitte machen Sie diese oder jene Umfrage: Hat Lahm recht oder nicht? Würden Sie van der Vaart kaufen oder nicht? Da werden die Leute doch kirre."

Aufsichtsrat, Beirat und Chefkritiker

Sie wissen viel und reden gerne. Egal ob Helmut Markwort oder Edmund Stoiber, Stefan Effenberg, Lothar Matthäus oder Oliver Kahn.

Mit Insider-Wissen über den FC Bayern kann man sich profilieren und das eigene Profil stärken.

Und deshalb sickert aus irgendeiner Quelle immer etwas durch. Oft gehen auch Präsident Franz Beckenbauer und Hoeneß oder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nicht konform.

Während der FC Bayern den Profis Klauseln in die Verträge integriert, die ihnen untersagen, sich kritisch über den Verein in der Öffentlichkeit zu äußern, geht das bei Ehemaligen nicht.

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