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Nicht im Bilde: Neven Subotic lässt Herthas Marko Pantelic enteilen, der trifft per Heber © imago

Sieg im Pokal, aber hinten bekommt Dortmund einfach keine Ruhe rein. Der kränkelnde Abwehr-"Kinderriegel" steckt alle an.

Von Christian Paschwitz

München - Weiter Jugend forscht oder etwa doch wieder den Alten eine Chance?

Im Vorjahr war es noch die so genannte Opa-Abwehr um Robert Kovac (34/Bank) und den inzwischen ganz zum Fußball-Rentner geratenen Christian Wörns (36.), die Borussia Dortmund schwer zusetzte und 62 Gegentreffer zuließ - mehr als die Absteiger Nürnberg, Rostock und Duisburg kassierten.

Weil Alter nicht vor Torheit schützte, ging Jürgen Klopp den komplett anderen Weg. Der Neu-Trainer verjüngte seine Riege radikal und warf die erst 19-jährigen Mats Hummels und Neven Subotic ins kalte Bundesliga-Wasser. Geboren war der "Kinderriegel" für Dortmunds Defensive.

Der wird inzwischen allerdings immer bröckeliger. Das schmeichelhafte 2:1 (1:1, 1:1)) nach Verlängerung gegen Hertha BSC im DFB-Pokal zeigte erneut: Bei den in der Liga auf Rang zehn abgestürzten Westfalen geht es jetzt wohl erst richtig los mit den Kinderkrankheiten.

Patzer gegen Chahed

Denn trotz der 1:0-Führung bekam das Heimteam hinten nie Ruhe rein. Subotic patzte bei einem langen Ball von Berlins Sofian Chahed, ließ Marko Pantelic davonlaufen. Der glich per Heber die Dortmunder Führung aus der siebten Minute aus.

Besonders Subotic gerät zusehends in Bedrängnis. Der Youngster dillettierte auch bei einem Lattenschuss von Andrej Voronin.

Wenngleich Klopp hinterher das Positive aus dem 120-Minuten-Fight zog, den Joker Diego Klimowicz glücklich enden ließ (119.): "Ich habe viele meiner Spieler leidenschaftlich kämpfen sehen. Jeder hat auch in der Defensive mitgearbeitet."

Subotic verunsichert

Nach zuvor bereits neun Gegentoren in drei Spielen ist die BVB-Achse vor dem diesmal guten Keeper Roman Weidenfeller aber wie im Vorjahr das ganz große Sorgenkind.

Und ohne sein Innenverteidiger-Pendant Mats Hummels (Teilriss des Syndesmosebands) wirkt Subotic, nach seinen starken ersten Saisonspielen schon in die Nähe der Nationalmannschaft gerückt, momentan immer mehr überfordert.

Vogelwild gegen Udinese

Hatte das Duo zuletzt beim vogelwilden Uefa-Cup-Auftritt gegen Udinese (0:2) und auch in der 0:3-Halbzeit gegen Schalke bereits zusammen gewackelt, verströmt Subotic mit neuen Nebenleuten nun nur noch Anfälligkeit.

Möglicherweise jedoch eine zwangsläufige Entwicklung. Schließlich ist ein Einspielen wegen des dauernd wechselnden Abwehrpersonals kaum möglich.

Schon beim 1:4-Debakel in Hoffenheim hatte Coach Klopp gegenüber Udinese - auch durch die Ausfälle von Dede (Kreuzbandriss) und Patrick Owomoyela (Muskelfaserriss) - auf sechs Positionen rotieren müssen. Mit Antonio Rukavina (24), Felipe Santana (22), Marc Schmelzer (20) und eben Hummels in der Viererkette.

Ein halbes Dutzend Umstellungen

Gegen Hertha nun war es wieder das halbe Dutzend - und der erneut völlig indisponierte Musterschüler Subotic bekam neben Schmelzer nun den fast doppelt so alten Kovac und den südkoreanischen Nationalspieler Young-Pyo Lee (31) zur Seite gestellt. Bemerkenswert: Mehr Stabilität ergab sich dabei ausgerechnet und allein duch Oldie Kovac, der sein Saisondebüt feierte und für Klopp wieder zu einer Alternative wird.

"Wir haben einen neuen Trainer, neue Spieler und ein neues Konzept, das braucht Zeit. Zu Saisonbeginn haben wir auch ein bisschen Glück gehabt", bittet Kapitän Sebastian Kehl um Verständnis für die Anti-Souveränität, wie kürzlich auch schon BVB-Boss Hans-Joachim Watzke:

"Wir haben uns vor der Saison für eine radikale Änderung der Mannschaft entschieden und einkalkuliert, dass das schwierige Phasen mit sich bringt. Doch wir lassen uns dadurch nicht vom Weg abbringen", erklärte der.

Und jetzt kommt Stuttgart

Dass sich die Verunsicherung am Samstag - mit welchem Personal auch immer - ausgerechnet gegen den immer selbstbewussteren VfB Stuttgart in Wohlgefallen auflöst, scheint unwahrscheinlich.

"Morbus Kinderriegel" ist noch immer ansteckend.

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