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Mesut Özil erzielte in Freiburg ein Tor, bereitete drei vor und holte einen Elfmeter raus © getty

Beim 6:0 in Freiburg wirbelt die Bremer Offensive und bringt sogar Manager Klaus Allofs dazu, von der Meisterschaft zu sprechen.

Von Christian Stüwe

München/Freiburg - Werder-Trainer Thomas Schaaf und Vorstandschef Klaus Allofs sind nicht gerade dafür bekannt, schnell in Euphorie zu verfallen.

Doch nach dem 6:0-Kantersieg beim SC Freiburg und dem Sprung an die Tabellenspitze begann selbst der sonst eher tiefstapelnde Allofs zu träumen.

"Es wäre schön, nach dem 34. Spieltag auf dem ersten Platz zu stehen", erklärte Allofs:

"Wir gehören zu den acht Mannschaften, die Meister werden können."

Auch Schaaf zufrieden

Auch Trainer Schaaf hatte nach dem Offensivfeuerwerk nichts zu meckern: "Wir haben eine großartige Partie abgeliefert. Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen."

Noch beeindruckender wurde das bloße Ergebnis und die Serie von 20 Pflichtspielen ohne Niederlage dadurch, dass die Bremer den Erfolg quasi mit einer B-Elf herausschossen.

Schaaf musste auf die Leistungsträger Torsten Frings, Claudio Pizarro und Tim Borowski verzichten.

Vor allem die Offensive um den überragenden Mesut Özil, Aaron Hunt, Marko Marin und Hugo Almeida sorgte aber dafür, dass der bisher torgefährlichste Stürmer Pizarro nicht vermisst wurde.

"Magisches Dreieck" in der Offensive

Während vor der Saison darüber spekuliert wurde, ob Werder den Abgang von Spielermacher Diego kompensieren würden könne, wirbelt Bremen nun mit dem "magischen Dreieck" Özil, Hunt und Marin wie in den besten Zeiten.

"Wenn ich auf dem Platz bin, genieße ich das einfach", erklärte Özil, der an fünf Treffern beteiligt war, lapidar.

Der Spaß scheint momentan im Vordergrund zu stehen, die Bremer siegen mit Leichtigkeit.

"Die Mannschaft bringt sich selber ins Spiel und hat Freude daran. Sie hat begeistert gespielt", freute sich Schaaf.

Und offenbar sind die Bremer und Özil noch nicht an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angekommen.

"Mesut kann noch besser spielen"

"Ich habe vielleicht hohe Ansprüche, aber Mesut kann noch besser spielen - das gilt übrigens für viele Spieler in der Mannschaft", erklärte Allofs.

Dazu kommt, dass die verletzten Leistungsträger vor der Rückkehr stehen.

"Es ist gut für uns, dass wir unter der Woche kein Spiel haben. Dann können vielleicht die verletzten Spieler schneller zurückkommen. Das wäre noch besser für uns", sagte Allofs.

Die Konkurrenz dürfte es nicht gerne hören. Spätestens durch den Kantersieg im Breisgau hat Werder ein Ausrufezeichen im Kreis der Titelanwärter gesetzt.

Allerdings war die sportliche Leitung der Bremer dann doch bemüht, ein wenig die Euphorie zu bremsen.

Schwere Gegner bis zur Winterpause

"Wir können natürlich stolz auf die Leistung sein. Aber das macht uns nicht automatisch zum Favoriten", sagte Allofs.

Schaaf war vor allem darauf bedacht, auf das schwere Restprogramm bis zur Winterpause hinzuweisen und wollte von einer möglichen Herbstmeisterschaft noch nichts wissen.

Es warten noch Wolfsburg, Köln, Schalke und der HSV auf die Bremer. "Wir packen jedes Spiel einzeln an. Wir haben noch ein ordentliches Programm bis zur Pause", sagte der Coach.

Freiburger Deja-vu

Die Freiburger erlebten hingegen ein Deja-vu. Am 4. Dezember 2004 verloren sie ebenfalls zu Hause mit 0:6 gegen Werder.

Immerhin hielten die Breisgauer bis zur 33 Minute ein 0:0, dann wurde ihnen ihre eigene offensive Ausrichtung und die entfesselten Bremer zum Verhängnis.

"In der ersten Viertelstunde waren wir sehr aggressiv. Wenn wir da ein Tor machen, läuft es vielleicht anders", meinte Trainer Robin Dutt.

"Dann haben wir die Bremer durch Ballverluste zu Kontern eingeladen. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass Bremen eine Nummer zu groß für uns ist", so Dutt weiter.

Dutt will weiter offensiv spielen

An der offensiven Ausrichtung seiner Mannschaft will Dutt aber nichts ändern:

"Auch wenn wir 0:2 hinten liegen, wollen wir die restliche Spielzeit nutzen, um Fußball zu spielen, um Fußball zu entwickeln."

Allerdings könnte beim Klassenerhalt auch die Tordifferenz eine wichtige Rolle spielen. Doch noch sieht Dutt die Situation in Freiburg entspannt:

"So ein Ergebnis ist nicht schön, aber es wird uns nicht umwerfen. So lange der Punkteschnitt so ist, dass wir Abstand nach unten haben, werden wir weiter versuchen, spielerisch zu gewinnen."

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