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Lukas Podolski wechselte 2009 von Bayern München zurück zu seinem ehemaligen Klub Köln © getty

In Köln sind die Fans nach der Blamage gegen die "Ballzauberer" aus Hoffenheim stinksauer. 1899-Mäzen Hopp wird erneut beschimpft.

Köln - Lustlose Stars, pfeifende Fans und ein ratloser Trainer:

Als die Grusel-Vorstellung des 1. FC Köln mit der höchsten Heimpleite seit über acht Jahren ihr trauriges Ende gefunden hatte, verkroch sich ein grimmig dreinschauender Präsident Wolfgang Overath ganz tief in seinem roten Polstersessel.

Die frustrierten Kölner Fans - sofern sie es noch bis zum Schluss ausgehalten hatten - pfiffen sich indes den Frust von der Seele.

Nach einer erneut erbärmlichen Vorstellung und einer in der Höhe noch glücklichen 0:4 (0:2)-Heimpleite gegen 1899 Hoffenheim geht der dreimalige Deutsche Meister wieder einmal stürmischen Zeiten entgegen.

Enttäuschter Soldo entschuldigt sich

"Ich muss mich für diese desolate Leistung entschuldigen. Ich bin enttäuscht", sagte ein ratlos wirkender Trainer Zvonimir Soldo.

"Wir waren keine Einheit auf dem Platz und haben uns nicht gegenseitig unterstützt. Wir sind nicht gefestigt genug."

Angst um seinen Arbeitsplatz muss er sich noch nicht machen.

Auf die Frage, ob der Kroate am nächsten Freitag im Spiel beim VfL Bochum noch auf der Bank sitzt, meinte Manager Michael Meier:

"Das ist doch selbstverständlich. Haben Sie etwas anderes erwartet?"

Köln trotz Overaths Mahnung erneut schwach

Etwas anderes hatte aber Overath erwartet.

Keine fünf Tage war es her, als der Klub-Boss bei seiner fast schon triumphalen Wiederwahl auf der Mitgliederversammlung gefordert hatte, Auftritte wie beim 0:1 gegen Hannover dürfe es nicht mehr geben.

Doch gegen Hoffenheim kam es noch viel schlimmer, die Geißböcke erlebten die höchste Heimpleite seit dem 14. Oktober 2001 (0:4 gegen Wolfsburg) und wurden von den Ballzauberern aus dem Kraichgau nach allen Regeln der Kunst vorgeführt.

Pezzoni übt Kritik an Teamkollegen

Grund genug, für Youngster Kevin Pezzoni auf die Führungsspieler loszugehen:

"Es muss auch mal was von den erfahrenen und etablierten Spieler kommen, nicht von mir", kritisierte der 20 Jahre alte Defensivspieler

"Sie müssen sich in die Pflicht nehmen. Wir sind eine Einheit, aber trotzdem müssen sie vorangehen. Ich bin immer einer, der redet."

Dafür bekam er dann postwendend einen Seitenhieb von Meier: "Vielleicht ist er zu unerfahren. Große Spieler sagen sich nach so einem Spiel 'Ich halte lieber die Klappe'."

Was Podolski und Co. auch taten. Publikumsliebling Lukas Podolski flüchtete wie die meisten seiner Kollegen wortlos aus der Arena.

Podolski seit 791 Minuten ohne FC-Tor

Zumindest in Köln läuft der Nationalspieler, der am Mittwoch noch zwei Treffer beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste erzielt hatte, seiner Form hinterher.

Bereits seit 791 Minuten ist er im FC-Dress ohne Tor.

Zu allem Überfluss holte sich der Stürmerstar in seinem 100. Pflichtspiel für Köln auch noch die fünfte Gelbe Karte ab, womit er gegen Bochum zusehen muss.

Novakovic katastrophal

Bleibt für den FC nur die Hoffnung, dass "Enfant terrible" Milivoje Novakovic dann wieder zu alter Form findet.

Zwei Tage nach dem Eklat um seine Rückreise vom WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien kam seine Leistung wie die seines Nationalmannschaftskollegen Miso Brecko einer Arbeitsverweigerung gleich.

Brecko wurde dementsprechend nach 29, Novakovic nach 45 Minuten ausgewechselt.

Nach der perfekten WM-Qualifikation mit Slowenien unter der Woche hatte das Duo noch an einem Staatsempfang teilnehmen und erst am Freitag zurück nach Köln kommen wollen.

Dem machte der FC einen Strich durch die Rechnung und holte die beiden per Charterflug zurück, was Novakovic als "respektlos" bezeichnete.

Die Quittung bekamen er und Brecko in Form einer "materiellen Bestrafung" (Meier).

Fans frustriert

Eine Bestrafung für die Fans war indes die lustlose Vorstellung des FC.

Nachdem die Hoffenheimer durch zwei frühe Treffer von Carlos Eduardo (5.) und Chinedu Obasi (11.) auf die Siegerstraße gelangten, gab es bereits nach 20 Minuten ein gellendes Pfeifkonzert der 45.000 Zuschauer.

Demba Ba (46.) und Vedad Ibisevic (90.) machten schließlich die Kölner Heimpleite perfekt.

Ein Szenario, an das sich der Kölner Anhang nur allzu oft in vergangener Zeit gewöhnen musste. Nur 2 der letzten 18 Heimauftritte konnte der FC gewinnen.

Hoffenheim zufrieden trotz Häme gegen Hopp

Bei Hoffenheim herrschte dagegen eitel Sonnenschein.

Insbesondere der Brasilianer Carlos Eduardo, der jüngst beim 1:0 gegen England sein Debüt in der Selecao gegeben hatte, machte ein überragendes Spiel.

Unschön allerdings waren die erneuten Anfeindungen von FC-Fans gegen 1899-Mäzen Dietmar Hopp.

Nach Sprechchören, die weit unter die Gürtellinie gingen, zeigte sich Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick erbost:

"Das sollte man am besten ignorieren. Ich habe nach dem 0:2 keine Unterstützung mehr für die Kölner Mannschaft gehört. Stattdessen gab es Diffamierungen gegen eine Person, die gar nicht im Stadion war."

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