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Jupp Heynckes trainierte unter anderem Schalke, Gladbach und Real Madrid © getty

Der Leverkusener Trainer freut sich auf die Rückkehr nach München. Mit Sport1.de spricht er über seine neue Aufgabe.

Von Mathias Frohnapfel und Matthias Becker

München - Was wäre wenn?

Wenn Jupp Heynckes noch heute Trainer des FC Bayern wäre und genauso viel Erfolg in München hätte wie aktuell mit Tabellenführer Leverkusen?

Unterhaltsame Gedankenspiele sind das vorm Topspiel Bayern - Leverkusen (ab 15 Uhr LIVE).

Heynckes will sich dennoch darauf nicht einlassen.

Ende April holten die Bayern den 64-Jährigen als Nothelfer, um das Experiment mit Trainer Jürgen Klinsmann zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu bringen.

"Meine Mission war", schildert Heynckes im Gespräch mit Sport1.de "die Saison noch mit dem zweiten Platz abzuschließen, um die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen, und das ist mir mit der Mannschaft gelungen."

Und ganz nebenbei hat der Fußball-Weltmeister von 1974 in dieser Zeit den Bayern seinen eigenen Nachfolger empfohlen: Fußball-Lehrer Louis van Gaal.

Die verschlungenen Wege des Fußballs wollen es, dass Heynckes und van Gaal sich heute in der Allianz Arena als Rivalen begegnen.

Und man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass Heynckes mit einem Sieg in München seinen eigenen Nachfolger selbst in den Ruhestand schicken könnte. (DATENCENTER: Bundesliga)

Keine Sentimentalität bei Heynckes

Dabei, so könnte man aus heutiger Sicht philosophieren, wäre Heynckes gerne selbst auf der Kommandobrücke beim FC Bayern geblieben, den Klub, den er wie Gladbach und Bilbao besonders ins Herz geschlossen hat.

Heynckes lässt sich bei der Rückschau auf den Mai 2009 nicht zu großer Sentimentalität hinreißen - trotz der Freundschaft zu FCB-Manager Uli Hoeneß.

"Es hat allen Spaß gemacht, aber etwas anderes stand zu der Zeit nicht zur Diskussion. Außerdem hatte ich keine Pläne in diese Richtung", sagt er.

Spaß am Fußball wiederentdeckt

Man könnte das jetzt für ein politisches Statement halten. Doch Heynckes hat in München Journalisten mehr als einmal erzählt, dass er seine Familie am Niederrhein und auch Schäferhund Cando vermisst.

Konzentriert auf Fußball wohnte der einstige Torjäger in den Wochen in München im Teamhotel der Bayern vor den Toren Münchens. Eine auf die Schnelle gefundene Übergangslösung.

Und doch merkte er, wie viel Spaß ihm der Fußball noch machte. Die wenig erfolgreichen Stationen bei Schalke und Gladbach hatten ihn das mitunter ein wenig vergessen lassen.

Auch deshalb sagte Heynckes auf das überraschende Angebot von Bayer Leverkusen im Sommer zu.

Heynckes schwärmt

"Ich habe hier alles so angetroffen, wie ich es vorher vermutet hatte: eine junge, sehr talentierte und entwicklungsfähige Mannschaft mit guten Charakteren", schwärmt er jetzt.

Und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: "Der Faktor 'Freude am Arbeiten' spielt schon eine Rolle, wenn man schon in einem etwas höheren Alter ist."

Schon in München hat Heynckes gerne mit diesen Gegenpolen jongliert - ein erfahrener Trainer und junge, lernbegierige Spieler. In Leverkusen scheint er die ideale Kombination gefunden zu haben.

Den Aufgeregtheiten des Profigeschäfts versucht er nun mit Gelassenheit zu begegnen.

Mehr Freiheit und Verantwortung für die Spieler

"Wenn man erfahrener wird und auch persönlich einige Dinge gesundheitlicher Natur durchgemacht hat, dann sieht man den Sport und auch den Job ein bisschen anders."

Die Spieler bekommen dadurch mehr Freiheit und Eigenverantwortung. Heynckes berichtet davon, dass er auch mal "Fünfe grade sein lässt". Oder er unaufgeregt reagiert, wenn einer einen "Fehltritt begeht, der nicht so gravierend ist".

Im Moment ist es schwer, sich einen ähnlichen Stil bei Bayern-Coach van Gaal vorzustellen. Der wacht nicht nur über jeden Pass beim Training mit Arguswachen, sondern auch über die Kleiderordnung und die Tischsitten im Trainingslager.

Kießling: "Wir sind gut drauf"

Die Werkself klettert derweil scheinbar mühelos auf der Erfolgsleiter. Nationalspieler Stefan Kießling meint denn auch ohne jede falsche Bescheidenheit: "Wir sind gut drauf, das sieht jeder."

Und erklärt: "In dieser Saison gewinnen wir Spiele, die wir in der letzten Saison nicht gewonnen hätten. Die Euphorie und Spielfreude, die wir im Moment ausstrahlen, müssen wir mit nach München nehmen."

Heynckes selbst verweist bewusst darauf, dass sein Team an Stabilität gewonnen habe und auch Rückstände umbiegen kann.

"Das muss eine Freundschaft aushalten können"

Eine was-wäre-wenn-Frage beantwortet Heynckes dann doch.

Nämlich, ob der gute Draht zu Uli Hoeneß bei einem Sieg in München leiden würde.

"Das muss eine Freundschaft eigentlich aushalten können." Der Leverkusener Trainer bleibt also auch vorm Bundesliga-Gipfel gelassen.

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