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Das Ergebnis der Haaranalyse bringt Daums Kokainkonsum ans Licht und beweist die Vorwürfe von Hoeneß. Für Daum ist es der Tiefpunkt
Glorreiche Erinnerungen: 1989 und 1990 wurde Christoph Daum mit Köln Vizemeister © getty

In Köln ist die Aufstiegseuphorie dahin. Und nun kommt Tabellenführer Schalke. Trainer Christoph Daum haut vorher auf den Tisch.

Von Martin Hoffmann

München - Die gute Nachricht für den 1. FC Köln vorab: "Die Mannschaft lebt", meint Christoph Daum.

Dass der Trainer das allerdings schon extra erwähnen muss, sagt einiges aus über die Lage bei den "Geißböcken".

Drei Pflichtspielpleiten in Folge, das Pokal-Aus bei Zweitligist Mainz, nur einen Punkt Abstand zum Relegationsplatz - das Wasser steht den Kölnern zwar noch nicht bis zum Hals, aber der Pegel steigt.

Und ausgerechnet jetzt gastiert Tabellenführer Schalke am Rhein (ab 20 Uhr LIVE) - nicht direkt der beste Aufbaugegner.

Kein gewöhnlicher Aufsteiger

Nun ist es an sich nichts Außergewöhnliches, dass ein Aufsteiger Probleme hat, sich in der Liga zu etablieren - doch Köln ist eben ein außergewöhnlicher Aufsteiger.

In der Rhein-Metropole herrscht eine Erwartungshaltung, die Daum einerseits beklagt, andererseits auch selbst genährt hat.

Vom Abstiegskampf wollte er vor der Saison explizit nicht wissen, ließ Millionen in Neuzugänge wie Petit und den verletzten Manasseh Ishiaku investieren und gab als Ziel aus, sich direkt im Mittelfeld zu etablieren.

"Diesen Anspruch müssen wir hier haben", stellte Daum fest.

"Knallharte" Standpauke

Nun holt dieser Anspruch Daum ein - auch wenn er darauf meint: "Ich war mir bewusst, dass eine Durststrecke kommt, und bin überhaupt nicht überrascht."

Doch nach der Qualität der Auftritte zuletzt, kann Daum nicht mehr nach dem Motto "Business as usual" verfahren. Am Tag nach der Niederlage in Mainz gab es daher für die Spieler ein Donnerwetter, das sich nach Daums eigenen Angaben gewaschen hatte.

"Ich habe deutliche, knallharte Worte gefunden, auch im persönlichen Bereich", ließ der Coach wissen.

"Ernst der Lage erkannt"

Nach Informationen des "Express" bekam besonders Youssef Mohamad aufs Dach, der in Mainz den Elfmeter zum 0:2 verursachte und das 1:3 mitverschuldete.

Bei ihm und auch bei seinen Teamkollegen ist laut Daum die Botschaft angekommen: "Sie haben den Ernst der Lage erkannt."

Daum schöpft vor allem daraus Zuversicht, dass es auch Mut zum Widerspruch gab: "Die Spieler haben nicht einfach da gesessen und alles über sich ergehen lassen."

Aufstiegsheld Antar chronisch formschwach

Daum bleibt nicht viel anderes übrig, als auf die Kraft seiner rhetorischen Mittel zu vertrauen, denn viele Alternativen zu den Versagern der vergangenen Spiele hat er nicht.

"Wir sind nicht in der Lage, jede Position doppelt zu besetzen", sagte der Coach.

Bestes Beispiel für das Dilemma ist die Spielmacher-Position, auf der Aufstiegsheld Roda Antar chronisch seiner Form hinterher läuft. Daum setzt aber unbeirrt auf "Alibi-Antar", wie er vom Kölner Boulevard nur noch genannt wird - in der Hoffnung, sein derzeit verschüttetes Potenzial "irgendwie freizusetzen".

Albert Streit im Visier

Für den Winter denken die Kölner aber schon daran, personell nachzulegen - und ein Objekt der Begierde spielt beim nächsten Gegner.

Die "Geißböcke" sollen Interesse daran haben, den wechselwilligen Albert Streit auszuleihen, der bei S04 noch keinen Saisoneinsatz auf dem Konto hat.

Der hat das Interesse erwidert, dafür aber gleich von Schalke-Manager Andreas Müller auf den Deckel bekommen.

"Er ist hier unter Vertrag, und ich verlange von ihm, dass er sich hundertprozentig mit dem Verein identifiziert", machte Müller klar.

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