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Piotr Trochowski (r.) erzielte in dieser Saison bisher drei Tore für den HSV © getty

Der HSV kann die Heimpleite gegen Bochum kaum begreifen. Labbadia ist ratlos. VfL-Trainer Herrlich feiert seinen ersten Sieg.

Hamburg - Der Kapitän fassungslos, der Trainer ratlos, der Schiedsrichter gnadenlos:

Das letzte Aufgebot des Hamburger SV hat mit einer weiteren Heimpleite gegen einen Abstiegskandidaten den Anschluss an die Spitze verloren.

"Es ist unfassbar", sagte HSV-Kapitän David Jarolim nach dem 0:1 (0:0) gegen den VfL Bochum: "Wir haben Chancen genug gehabt. Dann haben wir hinten einen Riesenfehler gemacht, da darf man sich nicht wundern, wenn man verliert."

Ohne acht Stammspieler kassierte der HSV in der 78. Minute das entscheidende Tor durch Dennis Grote, der die zweite Hamburger Heimniederlage drei Wochen nach dem 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach perfektmachte.

Nach dem fünften Spiel in Folge ohne Sieg und dem Abrutschen auf Platz fünf wollte Jarolim die Personalmisere nicht als Erklärung gelten lassen: "Das kann kein Alibi sein."

Perl als Sündenbock

Für Frust sorgte bei den 53.838 Zuschauern neben dem Gegentor vor allem der "Tor-Klau" durch Schiedsrichter Günter Perl.

Der Unparteiische erkannte in der 32. Minute einen Kopfballtreffer von Joris Mathijsen nach einem Eckball nicht an, weil er eine Behinderung von VfL-Torhüter Philipp Heerwagen durch Eljero Elia im Strafraum beobachtet haben wollte.

"Die Bilder sagen alles", meinte HSV-Trainer Bruno Labbadia nach Ansicht der Fernsehbilder.

Herrlich sieht das anders

VfL-Coach Heiko Herrlich, der im dritten Anlauf seinen ersten Sieg feierte, sah die vielleicht entscheidende Szene des Spiels anders:.

"Der Spieler steht nur da, um unseren Torwart zu behindern. Das war zu Recht kein Tor, die Entscheidung war völlig richtig", sagte der Bochumer Coach, der mit dem Auftreten seines Teams hochzufrieden war:

"Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Besonders glücklich bin ich mit der Art und Weise, wie wir die Partie angegangen sind. Die Mannschaft war absolut leidenschaftlich und hat um jeden Ball und Grashalm gekämpft."

Labbadia sucht die Durschlagskraft

Während die Bochumer nach zuletzt vier Niederlagen in Folge zwar Vorletzter blieben, aber immerhin nach Punkten zum Tabellen-16. VfB Stuttgart aufschlossen, wirkte Labbadia ratlos.

"Zu den Problemen, die wir momentan haben, fehlt auch noch das Glück", sagte Labbadia, der seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen wollte:

"Wir haben 60, 70 Minuten lang alles richtig gemacht, aber es fehlte die Durchschlagskraft, das war das Manko."

"Wir werden nicht jammern"

Neben den sechs Langzeitverletzten um die Torjäger Mladen Petric und Paolo Guerrero fiel beim HSV auch noch Nationalspieler Jerome Boateng mit einer Grippe aus, und Regisseur Ze Roberto fehlte mit einem Bänderriss.

Der Schwede Marcus Berg konnte nach gerade überstandener Magen-Darm-Erkrankung erst in der Schlussphase eingreifen. Elia hatte sich nach grippalem Infekt praktisch im letzten Moment fit gemeldet.

"Wir werden weiterhin nicht jammern", sagte Labbadia, "wir müssen versuchen, bis zur Winterpause oben dranzubleiben. Danach können wir hoffentlich mal wieder aus dem Vollen schöpfen."

Hamburg lässt Chancen aus

Die Hanseaten spielten sich eine klare Feldüberlegenheit und ein deutliches Chancenplus heraus, vergaben aber reihenweise beste Einschussgelegenheiten.

Erst ab der 25. Minute wagte sich der VfL ab und an nach vorne, ohne aber wirklich gefährlich zu sein.

VfL immer mutiger

Im zweiten Durchgang mischten die Gäste etwas mutiger mit und hätten mit etwas Glück schon durch den eingewechselten Roman Prokoph (61.) in Führung gehen können. Auf der anderen Seite ließ Elia zwei gute Gelegenheiten (56., 63.) aus.

Der Schwung des ersten Durchgangs war nun aber dahin, mit zunehmender Spielzeit machte sich so etwas wie Resignation bei den Hamburgern breit.

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