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Louis van Gaal (r.) trainierte vor dem Bayern-Engagement AZ Alkmaar © imago

Gellende Pfiffe, fassungslose Gesichter - die Krise bei Bayern München wird nach dem Remis gegen Leverkusen immer schlimmer.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Staatsmännisch schritt die Führungstroika in die Kabine.

Die Dreifaltigkeit der Macht beim FC Bayern, bestehend aus Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner war ganz mies gelaunt.

Der erhoffte Befreiungsschlag gegen Bayer Leverkusen war ausgeblieben. Es hatte nur zu einem 1:1 (1:1) gereicht.

Statt drei Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter sind es sechs. Und das Ziel, bis Weihnachten noch Platz eins zu ergattern, erscheint aufgrund der Verfassung des Teams utopisch. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Verantwortlich ist dafür der Trainer Louis van Gaal. Ihm droht der Rausschmiss. Sein Job hängt am seidenen Faden.

"Kann das nicht entscheiden"

Auf die Frage nach seiner Zukunft in München, antwortete der 58-Jährige: "Ich kann das nicht entscheiden. Ich werde das Team auch noch auf das Spiel am Mittwoch gegen Haifa vorbereiten."

Gegen die israelische Mannschaft ist ein Sieg Pflicht, gleichzeitig darf Juventus nicht gegen Bordeaux gewinnen. Ansonsten ist der Rekordmeister auch noch raus aus der Champions League.

"Gegen Leverkusen waren wir ohne Selbstvertrauen, in der zweiten Hälfte haben wir wenigstens den Druck erhöht", resümierte van Gaal.

Allerdings fügte er auch mit sorgenvoller Miene an: "Aber ich sage das jede Woche..."

Bayern-Bosse gehen auf Distanz

Die Lage ist bedrohlich und rein gar nicht das, was sich die Verantwortlichen erhoffen. Ein Treuebekenntnis kam Rummenigge deshalb auch nicht über die Lippen.

"Wir tun gut daran, nicht emotional, sondern rational zu bewerten. Ich bin nach dem Spiel zur Mannschaft gegangen, nicht zum Trainer", stellte er klar.

"Es war nicht der von uns erhoffte Befreiungsschlag, keiner ist mit Platz sieben zufrieden."

Auf DSF-Nachfrage ergänzte der Vorstandsboss: "Wir müssen jetzt alle zusammen versuchen, irgendwie die Kurve zu kriegen. Wenn uns das nicht gelingt, sehen wir weiter."

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"Sind vollkommen verunsichert

Verteidiger Philipp Lahm wurde deutlicher: "Bis Weihnachten müssen wir jedes Spiel gewinnen", formulierte er ganz klar.

Er brachte auch die deutlichen sichtbaren Mängel beim FC Bayern klar zur Sprache: "Wir spielen schlecht nach vorne und sind vollkommen verunsichert."

Die gellenden Pfiffe der Fans klangen ihm dabei sicherlich noch in den Ohren. "Man hat ja gesehen, dass unser Spiel krankt. Aber die Pfiffe helfen keinem Spieler, aber wir müssen das akzeptieren", sah Lahm ein.

Traumstart hilft nicht

Grund genug zum Bekunden des Unmuts hatten die Zuschauer angesichts der phasenweise desolaten Bayern-Leistung.

Gerade in der ersten Halbzeit hatten sich die Gastgeber in der Allianz Arena von den agilen Leverkusenern oftmals vorführen lassen.

Dabei hatten die Bayern mit einem sehenswerten Treffer von Mario Gomez nach Vorarbeit von Miroslav Klose einen Traumstart erwischt. Sein Außenrist-Schlenzer landete zum 1:0 im Netz (8.).

Nach einer Viertelstunde war es allerdings schon wieder vorbei mit dem Elan, die Münchner verfielen in ihren alten, ideenlosen Trott - und Bayer schlug eiskalt zu.

Die Gäste spielten dabei so, wie es die Bayern eigentlich wollen: schnell, direkt und zielstrebig.

Van Buyten zu behäbig

Nach langem Pass von Arturo Vidal tanzte Kießling den Münchner Abwehrchef Daniel van Buyten aus und schloss zum 1:1 ab (14.).

Leverkusen reicht das Ergebnis. Bei der "Werkself" herrschte Zufriedenheit.

Lob von Heynckes

"Wir haben sehr guten Fußball gespielt", lobte Trainer Jupp Heynckes. "Wir waren immer wieder vorne, aber was derzeit fehlt, ist, dass wir besser im Abschluss sind."

Den vergebenen Möglichkeiten trauere er schon hinterher. "Gegen diese Bayern war mehr drin, das war nicht mehr die Mannschaft, die ich noch in der vergangenen Saison trainiert habe", merkte er an.

Keeper Rene Adler, der mit einigen spektakulären Paraden glänzte, erklärte: "Wir können mit dem Punkt gut leben."

Kroos-Entscheidung weiter offen

Bayer ist damit seit 13 Spielen ungeschlagen und rangiert weiter an der Tabellenspitze, die Bayern stagnieren auf dem siebten Platz.

Auffällig agierte auch Toni Kroos. In vielen Aktionen zeigte der ausgeliehene U-21- Nationalspieler, warum die Bayern ihn zum Saisonende zurückhaben wollen.

Ob er 2010 dann tatsächlich wieder an der Isar kickt, ist allerdings noch offen. "Ich weiß, dass darüber definitiv noch keine Entscheidung gefallen ist", sagte er.

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