vergrößernverkleinern
Miroslav Klose steht am Samstag vor seinem 241. Bundesliga-Spiel © imago

Miroslav Klose ist nach seinem Traumtor gegen Nürnberg keineswegs zufrieden. Das Bayern-Team müsse noch mehr tun, verlangt er.

Von Mathias Frohnapfel

München - War da was? Womöglich eine Krise? Ladehemmung und Torflaute? Miroslav Klose wollte an solch unschöne Dinge nicht erinnert werden.

Ganz gemütlich saß der Bayern-Stürmer zurückgelehnt vor den Reportern im Mediencenter an der Säbener Straße.

Die Zeit, als seine Minuten ohne Treffer gezählt wurden, schien so lange zurück zu liegen wie der letzte Pokalerfolg des 1. FC Nürnberg über die Münchner (August 1970).

Denn der 30-Jährige hat nicht nur beim 3:3 im Länderspiel gegen Finnland einen beeindruckenden Dreierpack fabriziert, sondern jetzt auch ein mindestens ebenso imposantes Tor im Pokalderby gegen die Franken erzielt.

Elegant ließ Klose in der siebten Minute die Hereingabe von Massimo Oddo von der Brust tropfen und zirkelte dann das Spielgerät in den Winkel. "Ein grandioses Tor", wie nicht nur Mannschaftskollege Oddo jubilierte.

Oddo "spielt gute Bälle"

Klose hat seinerseits Gefallen am Wirken des quirligen Italieners gefunden. "Er spielt gute Bälle und es ist ja wichtig, dass wir Stürmer gefüttert werden." Alles klingt nun so selbstverständlich.

Dabei erging es Kloses Mitspielern eine Weile so, dass sie dem WM-Torschützenkönig die schönsten Leckerbissen anboten und er verschmähte sie doch. Sein erster Torerfolg der Saison war ja das "Elfmetergeschenk" gegen Berlin.

1:0 ist Klose zu wenig

Spritzig, mit enormen Antritt und Engagement, drehte er indes beim 2:0-Sieg über den Zweitligisten aus Nürnberg auf.

Er spiele doch schon seit einigen Wochen gut, wehrte Bayern-Manager Uli Hoeneß allzu viel Lob ab.

Klose will schnellstmöglich im gleichen Tempo weiterstürmen und hat vor der Bundesliga-Partie in Hannover (Samstag, 15 Uhr LIVE) eine klare Botschaft für sein Team.

Die lautet: "Wir müssen weiter auf dem Gaspedal bleiben".

Soll heißen: eine 1:0-Führung sei - egal gegen wen - zu dünn. Sonst werde es gefährlich.

Sind alle Knochen heil?

Klar ist: Die 2:5-Blamage gegen Bremen hat das FCB-Team noch nicht komplett verarbeitet.

Den Bayern ergeht es im Moment, wie einem Reiter, der gerade vom Pferde gefallen ist und noch nicht sicher sein kann, dass alle Knochen heil geblieben sind.

Aus den Worten des Mittelstürmers wird deutlich, wie genau er den ungefährdeten, aber nicht überzeugenden Pokalsieg analysiert hat. "Wir haben begriffen, dass Fußball ein Laufsport ist. Wir können nicht immer mit minimalem Aufwand das Maximum erreichen."

Ein Pladoyer für "Boro"

Zugleich nutzte Klose die Position wiedergefundener Stärke für ein Plädoyer.

Der Adressat: Bundestrainer Jogi Löw. Von Sport1.de auf Tim Borowskis Formhoch angesprochen, sagte Klose: "Boro ist ein hervorragender Fußballer, der absolut auf dem richtigen Weg ist."

Wenn der frühere Bremer Vereinskamerad so weiterspiele, ist Klose überzeugt, "kommt Jogi nicht mehr an ihm vorbei".

Allerdings hatte sich der Bundestrainer zuletzt nicht mehr bei Borowski gemeldet und ihn auch nicht in den Kader für die ersten beiden EM-Qualifikationsspiele eingeladen.

Borowski bestätigte am Donnerstag die derzeitige Funkstille zwischen Löw und ihm.

Zu seiner eigenen Rolle bei Bayern sagte der torgefährliche Mittelfeldspieler: "Es ist für mich wichtig, durch Leistung zu überzeugen. Die Trainer interessiert nicht, was in der Zeitung steht."

Klose hingegen glaubt sicher, dass Tim Borowski "schon beim nächsten Lehrgang" der Nationalelf wieder dabei sein werde.

Torhunger auch gegen Hannover

Der Bayern-Star als Fürsprecher für Mitspieler. Gibt es ein besseres Zeichen für wiedergefundenes Selbstvertrauen?

Dazu passt der Hunger nach Toren und Erfolgen. Oder wie es Klose vor der Aufgabe in Hannover ausdrückt: "Wir dürfen uns nicht mit einem ordentlichen Spiel zufrieden geben. Es wird Zeit, eine Serie zu starten."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel