Van Gaal hat bei Bayern keine Rückendeckung mehr. Hoeneß hat schon eine perfekte Argumentationsgrundlage für eine Trennung geschaffen.

Rückendeckung sieht anders aus. Und jeder, der das Geschäft kennt, weiß das auch.

Man wolle mit Louis van Gaal die Kurve kriegen, sagte Karl-Heinz Rummenigge zwar nach dem 1:1 gegen Leverkusen.

Aber letztlich, so der Bayern-Boss weiter, zählten nur die Ergebnisse.

Bleiben die weiterhin aus, kann man sich den Rest denken.

Gewinnen die Münchner auch am Mittwoch gegen Haifa nicht, dürfte sogar die schnellste Entlassung eines Trainers in der Geschichte des Rekordmeisters perfekt sein.

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Öffentlich sagt das natürlich keiner, aber hinter den Kulissen haben viele den Daumen bereits gesenkt und sogar die Verantwortlichen sind mittlerweile recht deutlich von van Gaal abgerückt.

"Wenn wir das Gefühl haben, das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer funktioniert nicht oder das blockiert die Entwicklung der Einzelnen, dann müssen wir nachdenken", hat etwa Uli Hoeneß zuletzt erklärt.

Damit hat der scheidende Manager schon jetzt eine perfekte Argumentationsgrundlage für eine Trennung geschaffen.

Denn das Team, so sagte es Ivica Olic am Sonntag offen, "ist total verunsichert". Und der neue Chefkritiker Philipp Lahm fügte an, dass das Bayern-Spiel "hinkt und krankt".

Dafür ist letztlich van Gaal verantwortlich, der es in knapp fünf Monaten nicht geschafft, aus einer Truppe internationaler Stars eine funktionierende Mannschaft zu formen.

Stattdessen hat er Akteure wie Gomez, Tymoshchuk und Toni gegen sich aufgebracht und so verunsichert, dass sie meilenweit von ihrer früheren Topform entfernt sind.

Sicherlich könnte eine Erfolgsserie in der Liga und die kaum mögliche Qualifikation fürs Champions-League-Achtelfinale van Gaal doch noch den Job retten.

Doch ohne Rückendeckung der Verantwortlichen und ohne Kredit bei den Anhängern hat das nur selten ein Trainer geschafft, schon gar nicht in der aufgeheizten Atmosphäre des FC Bayern.

Das nächste Experiment nach Jürgen Klinsmann droht also auch zu scheitern. Doch was kommt dann?

Diese Frage wird die Bayern-Führung wohl schon bei der Jahreshauptversammlung am Freitag, bei der eigentlich Uli Hoeneß gefeiert werden sollte, beantworten müssen.

Warum holt man einen Trainer, der als schwierig gilt, in den vergangenen zehn Jahren nur einen Titel in den Niederlanden gewann und zuvor als Nationalcoach sowie danach beim FC Barcelona und Ajax Amsterdam gescheitert war?

Hat man den Trainer allein wegen seines international immer noch guten Namens geholt oder weil man tatsächlich von ihm überzeugt war?

Erklärung eins wäre ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen. Sollte man aber tatsächlich von van Gaals Arbeitsweise überzeugt (gewesen) sein, hätte man ihm auch beim FC Bayern viel mehr Zeit geben müssen.

Jetzt aber ist es dazu wohl schon zu spät.

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