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Franck Ribery wechselte 2007 von Olympique Marseille zum FC Bayern © imago

Mit "König Franck" wird alles gut - glaubt der "Kaiser". Bis zu seinem Comeback muss der FC Bayern sich jedoch selbst retten.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Franck Ribery steht für Spektakel.

Für Dribblings, Esprit, Leichtfüßigkeit und Torgefahr.

Alles das fehlt dem FC Bayern momentan.

Das Dilemma: Der Franzose fällt mit Patellasehnenbeschwerden noch länger aus. Es ist unklar, ob er in der Hinrunde überhaupt noch einmal eingreifen kann.

Ohne ihn steht das Team total neben sich. Und die gellenden Pfiffe der Fans tragen nicht zur Gemütsaufhellung bei.

"Man merkt den Spielern die Verunsicherung" an, betont Philipp Lahm. "Das Selbstvertrauen ist weg."

Das 1:1 (1:1) nach Führung von Mario Gomez und Ausgleich durch Stefan Kießling gegen Bayer Leverkusen war für alle beim Rekordmeister zu wenig.

Im Zentrum der Kritik steht Louis van Gaal.

Probleme auf allen Ebenen

Der knorrige Trainer, der ein autoritäres Regime führt, ist verantwortlich für Aufstellung und Einstellung. Jetzt hat er Probleme auf allen Ebenen - und eine Mannschaft, die ohne Ribery und auch Stareinkauf Arjen Robben allenfalls Durchschnitt ist.

Seine Bilanz: 13 Spiele, 21 Punkte - sechs Punkte Abstand zur Tabellenspitze.

Bayern stagniert auf Platz sieben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) Für den Klub, der das Selbstverständnis hat, immer auf Platz eins zu stehen, eine schier unerträgliche Situation.

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Die am Freitag stattfindende Jahreshauptversammlung, bei der eigentlich die Amtsübergabe von Präsident Franz Beckenbauer an Manager Uli Hoeneß im Mittelpunkt stehen sollte, birgt Zündstoff.

Der "Kaiser" ging schon jetzt hart mit den Bayern ins Gericht.

Beckenbauer übt Kritik

Er stellte "mangelhaftes" Offensivspiel fest: "Das ist nicht der FC Bayern. So, wie er sich präsentiert hat: Ängstlich, die Verantwortung von sich schiebend."

Auch seine Hoffnungen ruhen hauptsächlich auf der Rückkehr von "König Franck". "Die Mannschaft spielt dann ganz anders, wenn der Ribery auf dem Platz ist. Er ist meine Hoffnung", hob er bei der Talkshow "Sky90" hervor.

"Sie spielen nicht dominant", kritisierte Beckenbauer weiter. "Und zwar schon seit Monaten, das ist sehr auffällig. Es ist nicht das, was man sich vorstellt."

Die Luft ist dünn für van Gaal. Und bei einem vorzeitigen Aus in der Champions League am Mittwoch gegen Maccabi Haifa dürfte das Schicksal des Niederländers wohl besiegelt sein.

Was wird aus Ribery?

Pikant: Bei einem Sieg von Juventus Turin in Bordeaux ist Bayern bereits außen vor auf Europas großer Bühne. Auch die Argumente, einen Star wie Ribery zu halten, um den sich weiter Wechselgerüchte ranken 110436(Diashow: Die Wechselbörse), wären dann weniger schlagkräftig. Real Madrid weiterhin und auch der FC Chelsea haben Interesse am Dribbelkünstler.

Noch wird dem Coach eine Gnadenfrist eingeräumt. "Wir müssen die Dinge rational sehen, nicht emotional", sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (Nachbericht: Kein Treuebekenntnis).

Er formuliert aber auch ganz klar: "Am Ende des Tages zählen einfach die Ergebnisse."

Keiner der Verantwortlichen wollte am Sonntag ein klares Bekenntnis zum Trainer abgeben. Eine weitere Saison ohne Titel - das will sich bei Bayern niemand antun.

Lahm findet deutliche Worte

Und die Mannschaft? Steht sie noch hinter dem Trainer?

Einige Spieler gestanden bereits, um die Beziehung zwischen Trainer und Team stünde es nicht mehr allzu gut. "Chefkritiker" Lahm fand eindeutige Worte. "Es geht hier nicht um den Trainer, es geht um den Verein!"

Van Gaal wirkt resigniert

Aber was soll der Vorstand, der dem Trainer bereits öffentlich Ratschläge gab, tun? Gibt es einen passenden Zeitpunkt für eine Entlassung? Wäre sie überhaupt richtig?

Und das wichtigste: Wer wäre der Nachfolger?

Van Gaal wirkte nach dem Spiel gegen Leverkusen wenig kämpferisch. Man könnte vermuten, er resigniert bereits.

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