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Joris Mathijsen (r., mit Aogo) unterlief der Fehler vor dem Gegentor gegen Bochum © imago

Der HSV kämpft auch nach der Pleite gegen Bochum mit Personalproblemen. Böse Erinnerungen an vergangene Saison machen sich breit.

Von Christian Stüwe

München - Beim Hamburger SV keimen böse Erinnerungen an das letzte Frühjahr auf.

Nach dem 0:1 (0:0) gegen den VfL Bochum, dem fünften Spiel in Folge ohne Sieg, steckt der HSV in der Krise.

In der Tabelle rutschte der HSV von der Spitze auf Rang fünf ab, das ruft die Schlussphase der vergangenen Saison in Erinnerung, als die Hanseaten von drei Titeln träumten und letztlich mit Ach und Krach Fünfter wurden.

Labbadia will nicht jammern

Der Grund für die aktuellen Schwierigkeiten liegt auf der Hand: Der HSV hat mit großem Verletzungspech zu kämpfen.

Trainer Bruno Labbadia will aber nicht "jammern". Es bringe ihm nichts, sich "mit Sachen zu beschäftigen, die ich nicht verändern kann."

Dabei würde die aktuelle Situation durchaus Grund zu Selbstmitleid liefern. Der Punkt an dem die Misere ihren Anfang nahm, lässt sich relativ genau bestimmen.

Durchschlagskraft im Sturm fehlt

Vor sieben Wochen in Berlin erwischte es Mladen Petric. Ein Bänderriss im Sprunggelenk legte den Angreifer für den Rest der Hinrunde lahm.

Da auch Paolo Guerrero mit einem Kreuzbandriss ausfällt, fehlte den Hamburgern in den folgenden fünf Spielen die Durchschlagskraft im Sturm.

Bei der Heimniederlage gegen Bochum musste auch noch der erkrankte Marcus Berg passen. Eljero Elia ging angeschlagen ins Spiel und ließ zahlreiche Chancen aus.

Pfiffe gegen kranken Elia

"Jeder im Verein hat gewusst, dass ich krank bin. Leider hat es nicht gereicht", erklärte Elia, der nach der Partie nicht sonderlich glücklich über seinen Einsatz zu sein schien.

Allerdings blieb Labbadia keine andere Wahl, als Elija einsetzen. Auch der letzte verbliebene Stürmer Tunay Torun war nicht fit. "Ich hatte die Wahl zwischen zwei Grippekranken und habe den gewählt, der weniger gefehlt hatte", erläuterte Labbadia seine Entscheidung für den Niederländer.

Einen Gefallen tat er Elia damit aber nicht. Vereinzelt wurde der sogar ausgepfiffen.

Dominant ohne elf Spieler

Insgesamt musste der HSV elf Spieler ersetzen, darunter auch Leistungsträger wie Ze Roberto oder Jerome Boateng. Dennoch dominierte der HSV die Partie.

"Wir hatten trotzdem eine Mannschaft auf dem Platz, die stark genug war, um Bochum zu schlagen", sagte Dennis Aogo.

Doch das Problem lag eben in der Sturmspitze. "Wir haben den Gegner beherrscht. Aber uns fehlte die Durchschlagskraft", ärgerte sich Labbadia.

Mathijsen-Tor nicht gegeben

Und zu dem Verletzungspech gesellte sich auch noch eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung.

Schiedsrichter Günter Perl verweigerte einem regulären Treffer durch Joris Mathijsen wegen einer angeblichen Behinderung von VfL-Torwart Philipp Heerwagen durch Stürmer Elia die Anerkennung.

Das ausgerechnet Mathijsen dann beim Gegentreffer durch Dennis Grote stolperte, passt zur aktuellen Situation der Hamburger.

Schlimmer Einbruch in der vergangenen Saison

"Es war ein furchtbares Spiel", schimpfte Kapitän David Jarolim, "die Bochumer können selbst nicht fassen, dass sie gewonnen haben."

Bei allen Verweisen auf das große Verletzungspech: Die Angst vor dem erneuten Absturz geht um in Hamburg.

Im Sommer rettete sich der HSV letzten Spieltag in Frankfurt durch einen Last-Minute-Treffer von Piotr Trochowski gerade noch so die Qualifikation zur Europa League. Dieses Zitterspiel soll sich nicht wiederholen, weshalb die Verantwortlichen versuchen, jetzt schon gegenzusteuern.

"Wir müssen versuchen, bis zur Winterpause dran zu bleiben", sagt Labbadia. Der Trainer hofft, im Januar mit den Rückkehrern wieder neu angreifen zu können.

Schweres Restprogramm

Allerdings wird es schwer genug, in den letzten Spielen bis Weihnachten nicht noch mehr Boden einzubüßen. Mit dem Gastspiel in Mainz und den Heimspielen gegen Hoffenheim und Werder stehen den Hamburgern noch schwierige Aufgaben bevor.

Immerhin wird Marcus Berg in Mainz wieder komplett einsatzbereit sein und für Entlastung im Sturmzentrum sorgen. Doch wirklich besser wird die Situation auch dadurch nicht. Nach dem Bochum-Spiel meldeten sich auch Trochowski und Demel mit Prellungen ab.

Die Angst vor dem Absturz macht sich weiter breit in Hamburg.

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