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Seit August 2007 ist Dr. Reinhard Rauball Vorsitzender der DFL © getty

Die Partnerschaft zwischen der Sportrechteagentur und der DFL ist beendet. Nun werden die Bundesliga-Rechte neu ausgeschrieben.

München - Der Drei-Milliarden-Euro-Deal ist endgültig geplatzt:

Am Donnerstag wurde der Schlussstrich unter die Partnerschaft der DFL mit der Sportrechteagentur Sirius von Medienmogul Leo Kirch, der für die Vermarktung der Bundesliga-TV-Rechte von 2009 bis 2015 im Schnitt 500 Millionen Euro pro Saison vertraglich zugesichert hatte, gezogen.

Es wurden keine Entschädigungszahlungen geleistet.

"Das Kartellamt hat mit seinen Vorgaben der geplanten Zusammenarbeit die Grundlage entzogen. Nach Abwägung aller Handlungsmöglichkeiten hat der Vorstand daher beschlossen, die entsprechenden Vertragsbeziehungen aufzulösen", erklärte Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball in einer DFL-Pressemitteilung.

"Der Zeitplan war stets so gewählt, dass die Option der Eigenvermarktung wie 2005 zeitgerecht möglich ist und eine Finanzierung der Folgesaison rechtzeitig gesichert ist."

DFL in Eigenregie?

Sirius hätte die Garantiesumme nicht mehr refinanzieren können, nachdem das Bundeskartellamt die "Empfehlung" ausgesprochen hatte, die Zusammenfassung von den Samstagsspielen in der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen auch ab 2009 vor 20 Uhr auszustrahlen.

Es war ursprünglich angedacht, Bilder im Free-TV erst zu einem späteren Zeitpunkt am Samstagabend auszustrahlen. Ein Ende der Partnerschaft hatte sich bereits vor Wochen abgezeichnet. Den Wettbewerbshütern war offenbar die Zentralvermarktung durch Sirius ein Dorn im Auge.

Auschreibung voraussichtlich ab Oktober

Die DFL wird die Bundesliga-Rechte 2009 bis 2012 nun in Eigenregie - ohne einen Zwischenhändler - voraussichtlich ab Oktober ausschreiben. Nicht ausgeschlossen bleibt laut DFL aber weiter die Zusammenarbeit mit einem Vermarktungsdienstleister.

Ein Sirius-Sprecher erklärte, dass das Unternehmen volles Verständnis für die Entscheidung der DFL habe, den Vertrag zu kündigen, und ihr viel Glück bei der Vermarktung der Rechte wünsche.

"Rechtevergabe seit Wochen vorbereitet"

Auf Basis der bisherigen Entscheidungen des Ligavorstandes werden nun ein Spielplan und konkrete Pakete von der DFL definiert.

"Die DFL hat sich auf diese Rechtevergabe bereits seit Wochen vorbereitet und führt mit Zustimmung von Sirius seit längerer Zeit Sondierungsgespräche mit unterschiedlichen Marktteilnehmern", erklärte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung. Ein am Mittwoch eingereichte Angebot eines Vermarkters wurde indes in der vorgelegten Form vom Ligavorstand abgelehnt, hieß es in der DFL-Mitteilung.

Einiges deutet darauf hin, dass die "ARD-Sportschau" auch weiterhin als Erstverwerter im frei empfangbaren Fernsehen ab 2009 zum Zuge kommt. "Premiere" ist einziger ernstzunehmender Bewerber für die Rechte im "Bezahlfernsehen". Die DFL hatte verschiedene Modelle für den Pay- und Free-TV-Markt entwickelt.

Sinkende Einnahmen?

Bislang kassieren die 36 Profi-Klubs rund 420 Millionen Euro pro Saison aus der Inlands-TV-Vermarktung, Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge brachte die Summe von 409 Millionen Euro in Umlauf.

Selbst diese Summe dürfte angesichts der veränderten Ausgangslage für die Zukunft kaum mehr realisierbar sein - zumal die Zeit drängt und die Ausschreibung noch nicht vollzogen werden konnte.

"Status quo halten"

Seifert ist nun gefordert. Schließlich müssen die Klubs im Zuge des Lizenzierungsverfahrens für die Saison 2009/2010 wissen, mit welchen Geldern aus der TV-Vermarktung sie rechnen können.

"Es muss das Ziel sein, zumindest den Status quo von 409 Millionen Euro für die Inlandsrechte zu erhalten", hatte Rummenigge, gleichzeitig auch Ligavorstandsmitglied, der "Sport-Bild" gesagt.

Wiedereinführung des Ligapokals?

Der knapp 82-jährige Kirch wollte mit seiner Firma als Bundesliga-Vermarkter sein Comeback geben. Die Insolvenz von KirchMedia hatte den deutschen Profi-Fußball 2002 in schwere wirtschaftliche Turbulenzen gestürzt. Deshalb gab es bei einigen Klubs auch Bedenken, als die erneute Zusammenarbeit mit Kirch beschlossen wurde.

Vor knapp drei Jahren war die Bundesliga-TV-Rechte auch erst am 21. Dezember 2005 relativ kurzfristig vergeben worden. Damals gab es in "arena" ein Konkurrenz-Unternehmen zum Pay-TV-Platzhirsch Premiere.

Um geringere Einnahmen im Bundesliga-TV-Bereich auszugleichen, wird derzeit über die Wiedereinführung des Ligapokals in der DFL diskutiert. Von Seiten einiger Klubs war zudem das Thema Aufstockung der Profi-Ligen von 18 auf 20 Vereine angesprochen worden.

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