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Interview-Termin: Werder-Trainer Thomas Schaaf (l.) mit Redakteur Daniel Rathjen © SPORT1

Im Sport1.de-Interview verrät Thomas Schaaf, wie er Werder stärkt, spricht von Psychologie und sogar auch über den FC Bayern.

Von Daniel Rathjen

München - Selbst das Thema Meisterschaft ist nicht mehr tabu.

"Es wäre schön, nach dem 34. Spieltag auf dem ersten Platz zu stehen", sagt Werders Vorstandsboss Klaus Allofs doch glatt.

Und die Ambitionen der Hanseaten kommen nicht von ungefähr.

Der Pokalsieger ist seit 20 Pflichtspiele in Folge ungeschlagen und darf sich deshalb zu Recht in die Schlange der Titelanwärter einreihen.

Aaron Hunt, Mesut Özil und Marko Marin sind in aller Munde, von Diego redet keiner mehr. Thomas Schaaf nimmt es mit einem Lächeln zur Kenntnis.

Im ausführlichen Sport1.de-Interview verrät der 48-jährige Trainer, wie er sein Team stärkt, spricht von Psychologie und sogar auch über den FC Bayern.

Sport1.de: Herr Schaaf, Ihr Vertrag läuft aus. Warum haben Sie in Bremen noch nicht verlängert? Wäre das jetzt nicht ein guter Zeitpunkt?

Schaaf: Ich habe mich mit den Verantwortlichen schon unterhalten, und wir werden uns auch weiter unterhalten...

Sport1.de: Aber unterschrieben ist noch nichts?

Schaaf: Nein.

Sport1.de: Es gibt über Jahre Interesse von anderen Vereinen an Ihrer Person, wann werden Sie schwach?

Schaaf: Es hängt ja auch immer davon ab, was an Angeboten da ist und inwiefern ich mich mit der neuen Aufgabe identifizieren könnte. Der Vorteil in Bremen für mich ist, dass ich enorm viel Wissen mit einbringe.

Sport1.de: Haben Sie mal daran gezweifelt, dass Ihr Konzept bei Werder nicht funktioniert? Am Anfang der Saison hieß es, Ihre Methoden seien "abgenutzt"...

Schaaf: Wir wussten, dass wir Qualität im Kader haben. Aber wir haben uns auch gefragt: Geht das auf oder nicht? Jetzt sehen wir, dass die Spieler miteinander harmonieren.

Sport1.de: In der Tat. Werder verzaubert die Liga. Geht Ihnen gerade das Herz auf?

Schaaf: Mich erfreut einfach, wie die Mannschaft Dinge anpackt. Gerade auch, als es zu Beginn der Saison noch nicht richtig rund lief, war die Bereitschaft, Verbesserung herbeiführen zu wollen, immer da. Sehr intensiv. Das ist schon toll.

Sport1.de: Wer beeindruckt Sie am meisten: Hunt, Özil, Marin oder gar Jensen?

Schaaf: Alle gehen gemeinsam den gleichen Weg. Alle wollen immer besser werden. Und daraus schöpft dann jeder eine gewisse Art von Qualität und Freude, das auch zu zeigen.

Sport1.de: Dabei war der Weggang von Diego ein Einschnitt. Denken Sie, der wurde optimal verkraftet?

Schaaf: Wir würden auch gerne mit Diego spielen. Aber dem ist jetzt nicht so. Es gab da nur entweder oder. Wir haben allergrößten Respekt vor der Leistung, die er für Werder Bremen erbracht hat, und er weiß auch, was er an Werder hatte.

Sport1.de: Warum verkraftet Werder schwerwiegende personelle Verluste immer wieder schnell?

Schaaf: Wir haben eine Philosophie: Wir schauen nach vorne. Und wenn uns ein Spieler nicht mehr helfen kann, weil er nicht mehr da ist, müssen wir uns eben selbst helfen. Der jeweils aktuelle Kader, muss das schaffen. Und die Spieler sind in der Zeit nach Diego die Aufgaben sehr selbstbewusst angegangen und haben das bislang hervorragend umgesetzt.

Sport1.de: War die Mannschaft mit Diego vielleicht auch noch nicht reif genug, um harmonisch aufzuspielen?

Schaaf: In der letzten Saison hatten wir einiges zusätzlich auf dem Buckel. Die Erwartungshaltung und alles, was dazu gehört. Jeder Spieler hatte etwas mehr mit sich zu tun. Das ist jetzt anders, wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Sport1.de: Entscheidend ist sicherlich auch, dass die Defensive sich wieder gefestigt hat...

Schaaf: Ja. Zum einen spielt Tim Wiese schon seit Jahren überragend, zum anderen hat sich natürlich die Abwehrreihe stabilisiert. Aber das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft hat sich auch gesteigert. Es hat eine Qualität erreicht, mit der wir gut leben können.

Sport1.de: Ein 6:0 auswärts in Freiburg ist schön und gut. In der Hinrunde warten mit Wolfsburg, Schalke und dem HSV aber noch ein paar Großkaliber. Wird es jetzt erst ernst?

Schaaf: Das kann man so sagen, wobei wir allen Gegnern den gleichen Respekt entgegen bringen. Wir haben unser spielerisches Maß selbst gesetzt, nun müssen wir uns daran orientieren und uns auch gegen direkte Konkurrenten behaupten. Wenn ich aber weiß, dass Dinge funktionieren, ist das angenehm.

Sport1.de: Kühn formuliert haben Sie das, was der FC Bayern gerade nicht hat. Schauen Sie manchmal amüsiert vom "beschaulichen" Bremen nach München?

Schaaf: Moment! Bei uns heißt es immer beschaulich. Aber wenn bei Werder etwas passiert, ist das auch innerhalb von drei Minuten im Internet.

Sport1.de: Na gut. Amüsiert sie der FC Bayern denn nun?

Schaaf: Nein, das nicht. Aber ich verfolge das trotzdem sehr genau. Die Qualität, die da ist, wird dort nicht abgerufen.

Sport1.de: Wie erklären Sie sich das?

Schaaf: Aus der Ferne betrachtet ist es eine schwierige Situation. Louis van Gaal hat seine Gedanken und jeder einzelne Spieler seine Ansprüche. Das Ganze zusammen funktioniert noch nicht.

JETZT WEITERLESEN - hier geht es zu Teil II - Thomas Schaaf über die Auswirkungen nach dem Tod von Robert Enke und dubiose Wetten...

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