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Stefan Kießling hat in dieser Saison bislang neun Bundesligatore erzielt © getty

Angebtrieben von Stefan Kießling ist Bayer Leverkusen das Maß der Dinge in der Liga. Der Aufschwung soll diesmal länger halten.

Von Matthias Becker

München - Es war ein Moment, in dem bestimmt der ein oder andere Fan des FC Bayern München zu träumen anfing:

Mittelfeldspieler Toni Kroos nimmt in der Allianz Arena den Ball in vollem Lauf mit, dreht sich um 180 Grad und passt ihn mit der Hacke auf den durchgestarteten Stürmer.

Der zieht direkt ab, und der Ball saust ins Tornetz.

Diese Traumkombination wurde zwar zu unrecht von Schiedsrichter Knut Kircher zurückgepfiffen, sie entsprach aber ohnehin nicht den Wunschvorstellungen des Bayern-Anhangs.

Denn: Toni Kroos spielt momentan nicht für die Münchner, sondern kombiniert für den alten und neuen Tabellenführer Bayer Leverkusen. (DATENCENTER: Bundesliga)

Gomez: "Die spielen einfach"

Und die junge Leverkusener Mannschaft bewies bei Angstgegner Bayern zumindest eine Halbzeit lang, dass sie zurecht an der Spitze des Tableaus steht. Bayer ist momentan zusammen mit Werder Bremen spielerisch das Maß der Dinge.

"Bei denen hat man gesehen, dass der Ball läuft und das Selbstvertrauen da ist. Die denken nicht nach, die spielen einfach", lobte Bayern-Torschütze Mario Gomez im Gespräch mit Sport1.de den Gegner.

Kießling überragt alles

Bei dem ragte einer heraus, den Gomez wenige Tage zuvor beim Länderspiel gegen die Elfenbeinküste in der 70. Minute ersetzt hatte: Stefan Kießling.

Der Stürmer war wie schon im DFB-Dress und in den Wochen zuvor in der Liga ein steter Unruheherd. Nicht nur wegen seines Tores und der beinahe erfolgreichen Traumkombination mit Kroos war Kießling am Sonntag der herausragende Feldspieler.

Spritzig, kampfstark und torgefährlich - diese Stärken brachte Kießling auf den Rasen. Er machte deutlich, wieso er mit neun Treffern an der Spitze der Bundesliga-Torschützenliste steht.

Lerneffekt erkennbar

Kießling steht exemplarisch für die Entwicklung, die sich an der gesamten Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes sehen lässt. Schon im letzten Jahr stürmte die Bayer-Truppe oft unbekümmert drauf los, die Cleverness fehlte zuweilen aber.

"Die Jungs haben schnell gelernt", freute sich Abwehrchef Sami Hyypiä über die Reaktion seiner Kollegen nach dem frühen Tor der Bayern. Der routinierte Finne sprach den jungen Vorderleuten nach dem Rückstand gut zu, nicht den Kopf zu verlieren - mit Erfolg.

Seine Erfahrung ist das nötige Korrektiv im Sturm und Drang der Offensivkünstler der Werkself.

Heynckes spricht Schwächen an

Aber auch die Klasse von Coach Heynckes spielt beim Aufschwung der Rheinländer eine entscheidende Rolle. Der hatte schon bei seinem Kurzzeitaufenthalt bei den Bayern Ende der vergangenen Saison bewiesen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Dank seiner Erfahrung weiß Heynckes um die Gefahren, die lauern, wenn sich ein Team vor allem an der eigenen Spielkunst berauscht.

"Wir hätten den Sack zumachen müssen", analysierte Heynckes die erste Hälfte, nach der Bayer gut und gerne mit 2:1 oder 3:1 hätte führen können.

Kießling: "Das darf nicht passieren"

Diese abgeklärte Sichtweise überträgt sich auch auf das Team. Keinesewegs wurde der Punkt in München gefeiert, vielmehr wurde der verpassten Chance nachgetrauert, erstmals nach 20 Jahren wieder bei den Bayern zu gewinnen.

Stürmer Kießling monierte, in der zweiten Hälfte habe man sich "ein bisschen versteckt. Warum, weiß ich auch nicht, aber das darf nicht passieren."

Sie wollen aus ihren Fehlern lernen, um nicht - wie in den letzten Jahren - in der Rückrunde abzuschmieren.

Klasseleute fehlen noch

Ist dieser Reifeprozess erfolgreich, dann muss den Ligakonkurrenten Angst und Bange werden. Gerade angesichts dessen, dass mit Renato Augusto, Michael Kadlec und dem langzeitverletzten Patrick Helmes sogar noch absolute Klasseleute fehlen.

Beim Restprogramm bestehend aus Heimspielen gegen Stuttgart und Gladbach und Auswärtspartien in Hannover und bei der Hertha ist zumindest die Herbstmeisterschaft in greifbarer Nähe.

Die Leverkusener Fans fangen vermutlich schon an zu träumen - und das sogar mit Recht.

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