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Louis van Gaal wurde auch bei seiner letzten Station AZ Alkmaar im ersten Jahr nur 12. © getty

Für Louis van Gaal wird die Lage vorm Spiel gegen Haifa immer ungemütlicher. Selbst die Jobgarantie von Uli Hoeneß stützt ihn kaum.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Mit einem kurzen Blick streifte Louis van Gaal die Journalisten im Mediencenter des FC Bayern, dann sagte er ruhig: "Ich kann es nicht beeinflussen."

Der FCB-Coach meinte das Champions-League-Spiel von Bordeaux gegen Turin.

Nur wenn die Franzosen gegen Juve nicht verlieren, hat der deutsche Rekordmeister noch die Chance aufs Weiterkommen - ein eigener Sieg über Haifa (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) vorausgesetzt.

Doch für van Gaal geht es in der Partie vor allem auch um den eigenen Job als Trainer der Münchner.

Dabei ist die Mannschaft "verunsichert", wie Stürmer Ivica Olic nach dem 1:1 gegen Leverkusen am Sonntag zugab.

Van Gaal angespannt und nervös

Die Mia-san-Mia-Mentalität erscheint den Bayern im Moment so fern wie München der Adria. Das Selbstvertrauen muss aus van Gaals Sicht aber in den Spielern selbst liegen.

"Ich kann helfen, das ist alles, was ich machen kann", erklärte der Niederländer. Auch der teaminterne Psychologe sei im Moment nur "ein Hilfsmittel".

In Krawatte und Anzug präsentierte sich van Gaal den Medien, wirkte trotz aller nach außen gezeigter Souveränität angespannt und bisweilen nervös. (DATENCENTER: Bundesliga)

Fans gegen Haifa gefragt

Auch im Deutschen verheddert sich der Niederländer öfter als bei anderen Gelegenheiten.

Die Mechanismen des Geschäfts kennt der knorrige Trainer, dem sie noch im Mai in Alkmaar als niederländischer Meister zujubelten, nur allzu gut.

"Wenn eine Spitzenmannschaft keine Leistung bringt, dann wird die Kritik persönlicher und stärker", schilderte der Coach realistisch seine Situation.

Im Spiel gegen Haifa hofft der 58-Jährige auch auf die Fans. "Ich weiß, dass sie enttäuscht sind. Aber es ist besser, wenn sie unterstützen als wenn sie uns auspfeifen"; sagte er zu Sport1.de.

Hoeneß spricht Jobgarantie aus

Dabei hat zumindest Uli Hoeneß eine Jobgarantie für den Niederländer formuliert.

"Wir haben das Thema einer Entlassung van Gaals intern nicht diskutiert. Wir haben mit dem Trainer gemeinsam die Situation analysiert", sagte der FCB-Manager im Bayerischen Fernsehen. Und fügte hinzu:

"Wir haben ihm unsere volle Unterstützung zugesichert und werden gemeinsam in aller Ruhe versuchen, die Probleme zu lösen."

Wohlwollend klingt das. Doch allein die Tatsache, dass Hoeneß dem Trainer zur Seite springen muss, spricht für sich.

Vor der Jahreshauptversammlung am Freitag erscheint der Rekordmeister wie eine Porzellanpyramide, auf die immer noch ein schwereres Stück hinaufgepackt wird.

Team doch zur Hauptversammlung

Am Montag hieß es noch, Spieler und Trainer kämen nicht zur Versammlung. Am Dienstag stellte dann FCB-Mediendirektor Markus Hörwick fest, dass die Mannschaft sich entschlossen habe, auf jeden Fall teilzunehmen.

Van Gaal liegt zudem im Dauer-Machtkampf mit Angreifer Luca Toni und Philipp Lahm kritisierte vor kurzem den FCB-Vorstand in einem Interview.

Und gegen Leverkusen gelang es den Spielern nicht einmal, sich über einen Freistoß-Trick zu verständigen.

Der scheidende Bayern-Präsident, den Uli Hoeneß an der Spitze ablösen soll, beschreibt ziemlich deutlich, wie gefährlich die Königsklassen-Partie gegen den Klub aus Israel für den FCB werden könnte.

"Haifa ist keine schlechte Mannschaft. Die haben alle Spiele knapp verloren. Auch unser 3:0 in Haifa war nicht so souverän", sagte Franz Beckenbauer.

"Dann bin ich in New York"

An die Blamage schlechthin, wollte er lieber nicht denken.

"Sagen wir mal, Juventus gewinnt nicht in Bordeaux, aber wir gewinnen auch nicht gegen Haifa: Das will ich nicht erleben. Dann bin ich am Freitag bei der Jahreshauptversammlung in New York und schicke Grüße über die Leinwand."

Die Bayern-Krise wird längst vor allem als eine Krise des Fußballlehrers van Gaal wahrgenommen.

Aktuell machen in den Medien bereits Namen von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer oder Russlands Nationaltrainer Guus Hiddink als mögliche Nachfolger die Runde. Das nächste Warnsignal.

Die Bayern-Spieler bemühen sich, so viel Kraft wie möglich auszustrahlen. "Ein Endspiel" nennt Lahm die Partie gegen Haifa unumwunden.

"Wir müssen gewinnen", verlangt der Nationalspieler mit fester Stimme. "Dann kommt das Selbstvertrauen zurück. Wir trainieren gut, können es aber noch nicht gut auf dem Platz umsetzen."

Van Buyten hofft auf Bordeaux

Teamkollege Daniel van Buyten hofft zudem am vorletzten Gruppenspieltag auf Hilfe aus Bordeaux. 174775(DIASHOW: FC Hollywood, die Zweite!)

"Wir sind am Mittwoch alle Fans von Bordeaux. Sie wollen Erster in der Gruppe werden, und Trainer Blanc ist ein Gewinnertyp, will immer siegen", versucht er seiner Mannschaft Mut zu machen.

Trainer Louis van Gaal warnt indes vor den Fußballer aus Haifa, die "technisch und spielerisch stark" seien: "Sie haben im Moment einen Flow."

Es wird sich am Mittwochabend zeigen, ob van Gaal in München selbst noch zu einem solchen Lauf ansetzen darf.

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