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2007 duellierten sie sich noch in der Champions League: Christian Lell (l.) und Massimo Oddo © getty

Präzise Flanken und gutes Laufpensum: Massimo Oddo drängt sich für die FCB-Defensive auf. Verliert Christian Lell seinen Platz?

Von Mathias Frohnapfel und Daniel Rathjen

München - Viele deutsche Wörter dürfte Bayern-Abwehrspezialist Massimo Oddo seit seiner Ankunft in München vor vier Wochen noch nicht gelernt haben.

"Viererkette" womöglich schon.

Denn der Italiener profitiert im Moment davon, dass Coach Jürgen Klinsmann im Pokalderby gegen Nürnberg zum altbewährten System zurückgekehrt ist.

Empfehlungsschreiben für die Liga

Der 32-Jährige stand zum ersten Mal in der Anfangsformation und gab ein fast makelloses Empfehlungsschreiben für die Bundesliga-Partie am Samstag in Hannover (ab 15 Uhr LIVE) ab.

Im Gespräch mit Sport1.de sagte er nach dem Pokalspiel zurückhaltend: "Natürlich hat es mir gefallen, von Anfang zu spielen. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, bin ich zufrieden." Aber: "Ich bin einer von mehreren Verteidigern." Entscheiden werde der Trainer.

Das Zwischenzeugnis nach Mittwoch: ein Assist zum Tor von Miroslav Klose, gute Übersicht, aber auch kleine Schwächen im Rückwärtsgang.

Flankenläufe sprechen für Oddo

Die Teamkollegen haben gewiss Gefallen an Oddos Flankenläufen gefunden. Tim Borowski erklärte, dass die Mailänder Leihgabe "wichtige Aspekte in unser Spiel" bringe. Seine Präzision sei bestens aus Italien bekannt.

Engagiert marschierte Oddo die rechte Seite hoch und runter. Mit jedem exakten Zuspiel, jeder Flanke verglichen die Fans der Roten den Spielertyp Oddo mit dem Mann, der bislang das Grundrecht auf der rechten Abwehrseite hatte: Christian Lell.

Oddo wurde "nicht umsonst verpflichtet"

Lell kommentierte sein Weichen auf die Bank nur knapp. "Die Rotation wurde angekündigt", sagte er Sport1.de. Massimo Oddo sei ja "nicht umsonst verpflichtet" worden.

Der Verteidiger, der zuletzt im 3-5-2-System im Mittelfeld einen Platz sicher hatte, wollte das Pokalspiel nicht als Rückschlag sehen. "Ich traue mir nach wie vor alles zu. Aber: Ich will jetzt auch unbedingt wieder spielen."

Zum neuen Teamkollegen äußert er sich so: "Massimo hat sich gut eingefügt. Das freut mich auch für ihn. Mehr sage ich nicht, schließlich ist er mein Konkurrent."

Der Fleißarbeiter Lell

In der vergangenen Saison erarbeitete sich der gebürtige Münchner Lell nach der Verletzung von Willy Sagnol die Position auf der rechten Außenbahn.

Er erledigte die Aufgaben, die ihm Trainer Ottmar Hitzfeld stellte. Die hieß stets: Verteidigung zuerst. Der 24-Jährige wirkte dabei wie die Idealbesetzung in der Rolle des durch und durch konsequenten Abwehrarbeiters.

Selbst wenn Lells Ertrag nach vorne überschaubar blieb (vier Vorlagen, ein Tor in 29 Bundesliga-Partien), stach doch sein Fleiß absolut heraus.

Jansen ging, Lell blieb

Auch Jürgen Klinsmann imponierte der Powerfußballer. Dass Marcell Jansen die Bayern verlassen wollte - und auch tat -, nahm der Neucoach zu Saisonbeginn hin. Mit Verweis auf das Duo Philipp Lahm (links) und Christian Lell (rechts).

Eine mögliche Umstellung zur einst gerühmten Nationalelf-Flügelzange Jansen (links) und Lahm (rechts) wollte Klinsmann ausdrücklich nicht. Wegen Lells Qualitäten.

Doch jetzt glänzt plötzlich Massimo Oddo, kurz vor Transferschluss vom AC Mailand ausgeliehen, in der FCB-Defensive. Der Italiener ist nach Stationen bei zig Vereinen auf das System der "rotazione" geeicht.

Das letzte Wort in Bayerns Abwehr dürfte ohnehin noch nicht gesprochen sein. Gegen Teams mit einer Spitze könnte Klinsmann weiter eine Dreierkette mit Lucio, Martin Demichelis und Daniel van Buyten verteidigen lassen. Dann würden Oddo und Lell Im Fünfermittelfeld um einen Platz kämpfen.

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