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Oliver Kahn (l.) spielte von 1994 bis 2008 für den von Uli Hoeneß gemanagten FC Bayern © imago

Sportdirektor Christian Nerlinger übernimmt den sportbezogenen Amtsbereich. Für den wirtschaftlichen kommt Oliver Kahn in Frage.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Ein junger blonder Mann hüpft hoch, feiert ein Tor.

Dann sitzt dieser Mann als Bayern-Manager in rot-blauer Trainingsjacke und "Commodore"-Aufschrift auf der Bank. Und schließlich wird er 2001 enthusiastisch als Champions-League-Sieger gefeiert.

Es war der Moment während der Jahreshauptversammlung, als Uli Hoeneß merkte, dass tatsächlich eine Zäsur bevorsteht. Ein Film zeigte die aufwühlenden Höhepunkte seiner Karriere.

"Ich hab? das erst da verinnerlicht", erzählt Hoeneß, der am Freitagabend Franz Beckenbauer als Bayern-Präsident ablöste.

178760(Diashow: Das ist die Bayern-Führung)

Bis kurz nach 16 Uhr saß der bisherige Manager an dem Tag noch im Büro an der Säbener Straße, erledigte Post, telefonierte und kümmerte sich um Termine. Genauso so wie in den vergangenen 30 Jahren auch. Dann ging es Richtung Münchner Messe zur Jahreshauptversammlung.

Die Mehrheit, die er dort für sein neues Amt bekam, war riesig. 4458 Ja-Stimmen, nur 20 Gegenstimmen und zwölf Enthaltungen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Hoeneß fühlt sich bestätigt

"Ich wäre stocksauer gewesen, wenn nur 60, 70 Prozent zugestimmt hätten", berichtet Hoeneß später.

Es ist schon kurz nach Mitternacht, als er und Franz Beckenbauer noch einmal mit den Reportern über den für die beiden so emotionalen Abend sprechen.

Der Mitglieder-Aufstand gegen den Bayern-Vorstand und hämische Kritik nach dem mäßigen Saisonstart waren ausgeblieben.

Zwar gab es vereinzelte Pfiffe gegen Karl-Heinz Rummenigge, Chef der FC Bayern AG. Doch auch die 20 - zum Teil durchaus kritischen - Wortbeiträge der Mitglieder waren für Rummenigge und Hoeneß erträglich. Ein Ausraster wie im Vorjahr ("Für die Scheiß-Stimmung seid doch ihr verantwortlich") blieb Hoeneß erspart.

Wirtschaftsfachmann gesucht

Entspannt konnte er sich daher dem nun dringlichsten Thema widmen, der Übergabe seiner Arbeit in neue Hände. Die Aufgaben im sportlichen Bereich hat bereits Christian Nerlinger inne, doch für die wirtschaftliche Weichenstellung suchen sie in München noch einen Fachmann.

"Ich werde versuchen Christian zu helfen, wo es geht, ihn aber nicht mit meinen Rat zu erdrücken", versprach Hoeneß. Nach seinen Worten ist ihm dieser Balanceakt auch bei der Übergabe der Wurstfirma "HoWe" an seinen Sohn Florian gelungen. Hoeneß-Junior war damals 22.

"Für den wirtschaftlichen Bereich habe ich ein, zwei Leute im Auge", erklärte der neue Bayern-Präsident und nannte als Zeitrahmen den Sommer 2010. Bis dahin müsse die Sache geregelt sein.

Bauchgefühl legt Klub-Insider nahe

Allerdings gab der 57-Jährige auch preis, was ihm sein Bauchgefühl mitteilte. Denn einer der Kandidaten sei zwar ein ausgezeichneter Experte, doch ohne große Beziehung zum FC Bayern.

"Aber die Sehnsucht der Fans nach so einem ist groß", meinte Hoeneß und nannte als Gegenbeispiel Jürgen Klinsmann, der von Anfang an mit vielen Vorurteilen zu kämpfen gehabt habe.

Entschieden ist die Suche nach einem Manager für die Bayern-AG, die 2008/2009 268 Millionen Euro umsetzte, noch nicht.

Kahn ein Kandidat

Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn gilt als Alternative, wie Hoeneß vor einer Weile durchblicken ließ. "Oliver macht gerade eine Ausbildung, schafft sich so Voraussetzungen, einen Profiverein zu leiten."

Laut "Bild" laufen zudem Gespräche mit Stephan Grühsem. Pikant ist aber, dass der 47-Jährige nicht nur Kommunikations-Chef von VW ist, sondern auch im Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg einen Posten hat. Angeblich gestalten sich die Gespräche schwierig.

Nach der Meinung von Franz Beckenbauer soll bei Bayern am besten gar keine große Umwälzung stattfinden.

"Uli muss dabei bleiben"

"Uli soll so bleiben wie er ist, er muss dabei bleiben", plädierte der "Kaiser". "Große Firmen wollen mit Uli reden, da wird sich nicht viel ändern - das hoffe ich zum Wohle des Vereins."81256(DIASHOW: Uli Hoeneß - seine besten Sprüche)

Allerdings: Am Wintertrainingslager in Dubai will Hoeneß nicht teilnehmen, um den Schritt ins neue Amt auch nach außen sichtbar zu machen.

Und am Samstagmorgen interessierte den Ex-Manager vor allem die gut gemeisterte Jahreshauptversammlung.

Lob für Rummenigge

"Die Leute sind kritisch, sie vergessen aber nicht, was vorher war", zollte Hoeneß nach seiner stürmischen Antrittsrede den Mitgliedern Respekt. Und er lobte Karl-Heinz Rummenigge, der mit seiner Rede "viel Gas weggenommen" habe. Es sei ja vorher klar gewesen: "Wenn es Druck geben würde, dann würde er das abbekommen."

Doch Rummenigge, der eine Klage gegen den Lokalrivalen 1860 München wegen ausbleibender Mietzahlungen für die Stadionnutzung bestätigte, hatte von sich aus das wohl heikelste Thema, die Transferpolitik, angesprochen. Und am Beispiel Lucio zeigte er die Zwänge, in denen der FCB steckt:

"Er wäre bei Vertragsende 32 gewesen, wollte einen neuen Vertrag über drei Jahre und sehr stolze Bezüge." Deshalb ließ man den Brasilianer zu Inter Mailand ziehen und nur deshalb habe das Talent Holger Badstuber eine Chance bekommen können.

Schon bald wird Rummenigge federführend die Personalauswahl vornehmen. Dass Hoeneß, als Präsident und zugleich Chef des Aufsichtsrats, weiterhin mitspricht, scheint aber klar zu sein.

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