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Zvonimir Soldo (r.) nach einer vergebenen Großchance seiner Mannschaft © imago

Kölns Manager Meier stärkt nach dem Remis in Bochum dem Trainer den Rücken und lobt die Spieler. Einige Fans sorgen für Ärger.

Bochum - 90 Minuten Fußball zum Abgewöhnen, keine Tore und viele Pfiffe - und dennoch war Kölns Manager Michael Meier die unansehnliche Nullnummer ein Plädoyer für den umstrittenen FC-Trainer Zvonimir Soldo wert.

"Ich weiß nicht, ob Soldo an Profil gewinnen musste. Er hat Profil. Wir haben das Spiel nie zu einem Finale für den Trainer erklärt. Die Stärke, die sich der 1. FC Köln in den letzten Monaten erarbeitet hat, nämlich nicht nach dem üblichen Reflex zu handeln, sollten wir uns beibehalten", sprach Meier nach dem 0:0 im äußerst schwachen Westderby beim VfL Bochum dem Kroaten eine Jobgarantie aus.

Meier lobt Novakovic

Für Meier ist nach den Querelen der letzten Tage der Charaktertest bestanden.

"Die Mannschaft ist intakt. Das ist keine Ansammlung von Ich-AGs", sagte der 60-Jährige und hatte ein Extra-Lob für den entmachteten Kapitän Milivoje Novakovic parat:

"Nova ist ein Profi. Er ist ein Spieler, der sich nicht hängen lässt und Antworten gibt. Er hat seine Klasse bewiesen."

Petit bis zur Winterpause Kapitän

Soldo wollte indes das Dauerthema Novakovic nicht mehr kommentieren und sprach von einer "starken Mannschaftsleistung".

Erst am Donnerstag hatte der kroatische Coach dem slowenischen Torjäger die Kapitänsbinde weggenommen.

Novakovic hatte den Zwist mit dem Trainer mit der verspäteten Rückreise von der Nationalmannschaft, der "Arbeitsverweigerung" gegen 1899 Hoffenheim (0:4) und der internen Kritik am Trainer auf die Spitze getrieben hatte.

Die Ernennung des Portugiesen Petit zum neuen Kapitän gelte bis zur Winterpause: "Dann werden wir weitersehen."

FC das bessere von zwei schwachen Teams

Soldo durfte sich als Gewinner fühlen. Wer nach den jüngsten Turbulenzen die nächste Kölner Schlappe befürchtete, sah sich getäuscht.

Sicher bekamen die 29.102 Zuschauer Fußball geboten, der die Bezeichnung Bundesliga-tauglich nicht verdiente.

In einem Spiel zweier schwacher Mannschaften, war die Kölner Elf aber noch die bessere.

Mannschaft bekennt sich zu Soldo

Wille, Einsatz und Kampfbereitschaft war den FC-Spielern jedenfalls nicht abzusprechen.

"Wir haben die Qualität und wenn alle Spieler 100 Prozent geben, kommen wir da unten raus", formulierte Soldo das Erfolgsrezept für die nächsten Wochen.

Ein wenig Rückendeckung erhielt er unterdessen aus der Mannschaft. Man stehe zu 100 Prozent zum Trainer, sagte etwa Fabrice Ehret.

Adil Chihi ergänzte: "Der Trainer ist mit Herz und Seele dabei."

Lage weiterhin kritisch

Was die Zusprüche wert sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen, angefangen mit dem schweren Heimspiel gegen Werder Bremen.

Denn bei 13 Punkten aus 14 Spielen ist grenzenloser Optimismus fehl am Platz. Dessen ist sich auch Meier bewusst:

"Wir sollten jetzt nicht abheben. In Köln neigt man schnell dazu, die Zügel fallen zu lassen, nach dem Motto: 'Et hätt nochmal jot jejange'. Es ist aber noch gar nichts gut gegangen. Wir haben noch viel vor uns."

Bochum von Beginn an zu nervös

Dies trifft umso mehr auch auf den VfL zu, der noch einen Zähler weniger auf der Habenseite hat.

Eine Woche nach dem 1:0-Sieg in Hamburg war von Selbstbewusstsein keine Spur. Das Bochumer Spiel war von Angst geprägt.

"Von Anfang an waren wir ein bisschen zu nervös. Das war Abstiegskampf pur", gestand Christoph Dabrowski ein.

Trainer Heiko Herrlich gab sich nachsichtig: "Das sind alles nur Menschen. Man versucht viel, aber auf dem Platz kommt es häufig anders."

Ordner nach Ausschreitungen verletzt

Überschattet wurde die Partie von Ausschreitungen rund 600 Kölner Fans, die vor dem Spiel versucht hatten, den Gästeblock zu stürmen.

Dabei wurden neun Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer.

Nach Informationen des VfL Bochum erlitt ein Ordner innere Verletzungen unter anderem an der Milz, ein weiterer Knochenbrüche und eine Schultereckgelenkssprengung.

Nach Angaben der Polizei, die die Situation nur mithilfe einer Hundertschaft und Einsatz von Reizgas unter Kontrolle brachte, gab es insgesamt 19 Festnahmen und Strafanzeigen.

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