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Friedhelm Funkel (r.) war von 2004 bis Juni 2009 Trainer von Eintracht Frankfurt © getty

In Berlin ist die Stimmung nach der Pleite gegen Frankfurt auf dem Tiefpunkt. Doch Präsident Gegenbauer steht zu Trainer Funkel.

Berlin - Die Mannschaft taumelt im freien Fall dem fünften Abstieg entgegen, die sportliche Führung wirkt völlig hilflos, und dem Präsidium blüht im schlimmsten Falle die sofortige Abwahl:

Hertha BSC Berlin droht nach der 1:3 (0:1)-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt im Chaos zu versinken.

Die elfte Saisonniederlage zerstörte bei den Anhängern des Hauptstadtklubs quasi schon sämtliche Hoffnungen auf den Klassenerhalt.

Doch die Verantwortlichen des Schlusslichtes, das schon sieben Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz hat, suchten ihr Heil in Durchhalteparolen.(DATENCENTER: Der 14. Spieltag)

"Es wird jetzt noch schwerer"

"Ein gefühlter Abstieg ist das mit Sicherheit nicht, aber es wird jetzt noch schwerer", sagte Hertha-Trainer Friedhelm Funkel.

"Wer einmal am Boden liegt, kann nur versuchen, wieder aufzustehen. Das werden wir jetzt tun."

Die Leistung der Berliner vor 48.253 Zuschauern war im Olympiastadion bei weitem nicht bundesligareif.

Daran änderte auch der Ehrentreffer von Adrian Ramos (81.) nach den Gegentoren von Patrick Ochs (11.), Maik Franz (70.) und Alex Meier (76.) nichts. 178794(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

"Ich bin natürlich enttäuscht, aber es muss weitergehen", meinte der ehemalige Eintracht-Trainer Funkel.

Schlechteste Hinrunde der Geschichte droht

Angesichts der nächsten Gegner Schalke 04, Bayer Leverkusen und Bayern München droht der Hertha, die seit 13 Ligapartien auf einen Sieg wartet, die schlechteste Hinrunde ihrer Vereinsgeschichte.

In der Saison 1990/1991 holte der Klub in den ersten 17 Spielen umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel elf Punkte - und stieg am Ende ab.

"Ich bin sehr sehr enttäuscht. Die Verunsicherung der Mannschaft war bis auf die Tribüne zu greifen. Das ist Abstiegskampf pur", sagte Herthas Manager Michael Preetz.

"Nicht bundesligatauglich"

Und Torwart Jaroslav Drobny meinte: "Jeder hat gesehen, wie schlecht wir sind."

So sah es auch Kapitän Arne Friedrich: "Das war nicht bundesligatauglich. Wir werden trotzdem nicht aufgeben und müssen jetzt irgendwo gewinnen. Am besten schon auf Schalke", sagte der Nationalspieler, der in Gelsenkirchen aber wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen wird, am Sonntag nach dem Auslaufen.

Gegenbauer vertraut Funkel und Preetz

Trotz der misslichen Lage sprach das Präsidium der sportlichen Leitung zwei Tage vor der Mitgliederversammlung aber das Vertrauen aus.

"Die Situation ist sehr ernst. Aber ich bin überzeugt, dass Preetz und Funkel die Richtigen sind", meinte Hertha-Präsident Werner Gegenbauer.

"Wir werden im Winter ihre Wünsche umsetzen und versuchen den Bock umzustoßen."

Dem Berliner Klub-Chef droht allerdings seinerseits Ungemach.

"Es wird kritisch und unruhig"

Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend könnten Abwahlanträge gegen sein Präsidium zur Abstimmung kommen.

Um diese durchzubringen, müssten 75 Prozent der Mitglieder dafür stimmen. Mehrere Oppositionelle kritisierten zuletzt den Führungsstil und lasteten der Klub-Spitze Fehler im personellen Bereich an.

Dass Hertha in der vergangenen Saison trotz Platz vier ein Minus von 1,9 Millionen Euro erwirtschaftet hat, dürfte die Stimmung bei den Mitgliedern nicht verbessert haben.

"Es wird kritisch und sehr unruhig werden. Aber was wir jetzt brauchen, ist Ruhe im Umfeld", erklärte Gegenbauer.

Er kündigte an, sich der Kritik offensiv zu stellen: "Wir werden klare Antworten geben und wollen die Mitglieder mitnehmen."

Eitel Sonnenschein in Frankfurt

Auf Seiten der Frankfurter herrschte dagegen nach dem fünften Saison-Erfolg eitel Sonnenschein. Schließlich etablierten sich die Hessen mit nun 19 Punkten im Liga-Mittelfeld.

"Ich freue mich, dass wir uns von der Abstiegszone wieder ein Stück haben absetzen können. Jetzt legen wir hoffentlich nächste Woche im Derby gegen Mainz 05 nach", sagte Frankfurts Trainer Michael Skibbe.

Und Patrick Ochs, Torschütze zum 1:0, ergänzte: "Herthas Verunsicherung hat uns in die Karten gespielt. Wir haben heute als Mannschaft Charakter bewiesen und gezeigt, dass wir richtigen guten Fußball spielen können."

Randale vor dem Spiel

Unschöne Szenen hatte es am Rande des Spiels gegeben: Vor dem Anpfiff hatten 50 Frankfurter Randalierer außerhalb des Olympiastadions mehrere Berliner Zuschauer mit Schlägen, Tritten und Flaschen angegriffen.

Zudem schlugen zehn Eintracht-Anhänger am Eingang zum Gästeblock auf Ordner ein. Die Berliner Polizei nahm insgesamt 66 Personen vorübergehend fest und leitete 18 Strafermittlungsverfahren, unter anderem wegen Landfriedenbruchs und Körperverletzung, ein.

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