DSF-Experte Udo Lattek über die Hertha-Krise, Uli Hoeneß' Wechsel auf den Präsidentenstuhl, Schiedsrichter und Schalkes Abwehr.

Hallo Fußball-Freunde,

Nach der Niederlage gegen Frankfurt hat Hertha sieben Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Aus meiner Erfahrung sehe ich da wirklich keine Möglichkeit mehr, so sehr ich es ihnen auch gönnen würde. Ich kann mir das nicht vorstellen. Der Deckel ist drauf und das Thema ist erledigt.

Und welcher Spieler, der was auf sich hält, geht denn in dieser Situation nach Berlin? Das macht kein Mensch.

Die Hertha weiß jetzt erst, was Dieter Hoeneß für sie bedeutet hat. Er hat nicht immer alles richtig gemacht, aber er war eine Persönlichkeit, an der man sich reiben konnte. Er hatte ein festes Konzept und die Mannschaft war ja letztes Jahr noch ganz oben mit dabei - und jetzt dieser tiefe Absturz.

So ein Durcheinander wie gegen Frankfurt habe ich noch nie gesehen. Hoeneß und Hertha-Präsident Werner Gegenbauer waren die dicksten Freunde, ein Herz und eine Seele, bis dann die persönlichen Eitelkeiten in den Vordergrund gerückt sind. Keiner hat dem anderen das Schwarze unterm Nagel gegönnt.

Von Dieter zu Uli Hoeneß und seinem Wechsel vom Management auf den Präsidentenstuhl des FC Bayern: Uli kann niemand nachahmen und niemand ersetzen.

Ich glaube auch nicht, dass Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandschef, Anm. d. R.) und Christian Nerlinger (Sportdirektor) da allein bleiben werden - es wird mit Sicherheit noch ein Dritter dazu kommen.

Hoeneß hat mir vor Wochen schon gesagt, dass er sich nicht so zurückziehen wird, wie es Franz Beckenbauer gemacht hat, sondern immer dranbleiben wird.

Ich glaube auch nicht, dass Nerlinger so harmlos ist, wie er vielfach dargestellt wird. Hoeneß ist auch so stark, dass er keinen schwachen Nachfolger haben will. Ich denke also, dass der FC Bayern weiter so arbeiten wird. Dass es sportlich nicht so läuft, ist eine Momentaufnahme.

Nach den Spielen in Bremen und Hoffenheim gab es Diskussionen um die Leistungen der Schiedsrichter.

Wenn da nicht Schiedsrichter-Beobachter sitzen würden und immer genau der Regel nach Pünktchen machen, sondern die Schiedsrichter nach ihrem eigenen Ermessen pfeifen könnten, dann würden sie vielleicht manches anders beurteilen.

Aber sie tun es nicht, weil sie genau wissen, dass sie beobachtet werden. Wenn sie mal einen Ball nicht regelkonform gepfiffen haben, werden sie für das nächste Spiel aus dem Verkehr gezogen.

Ich weiß nicht, ob das alles so ganz richtig ist. Es gibt Spiele, wenn man die nicht verliert, sind die für die Meisterschaft entscheidend. So etwas gleicht sich nicht über die Saison einfach aus.

Felix Magath hat mit Schalke hat in Mönchengladbach einen Rückschlag erlitten.

Was mich bei Schalke stört? Die Viererkette um Heiko Westermann geht bei dem Gegentor unmotiviert raus, und was noch viel schlimmer ist: Rafinha läuft spazieren und versucht gar nicht, Gegenspieler an Aktionen zu hindern.

Das Abwehrverhalten ist weit davon entfernt, dass sie damit zufrieden sein können. Und Probleme bekommen sie dann, wenn sie ein Spiel selbst gestalten müssen.

Dennoch wird Schalke weiter oben mitspielen. Aber nicht, weil sie so stark sind, sondern weil die anderen auch alle schwächeln.

Euer Udo Lattek

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel