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Der FC Bayern München feierte in Hannover den sechsten Saisonsieg © imago

Bayern rundet eine perfekte Woche in Hannover ab. Das Verhältnis zwischen Toni und Van Gaal scheint nicht mehr zu retten.

Von Nikolai Kube

München - Als Louis van Gaal kurz nach Spielende zum Interview erschien, sahen die Fans einen "neuen" Bayern-Coach.

Der Niederländer strahlte über beide Ohren und stand eifrig Rede und Antwort.

Kein Wunder, denn: Seine Elf hatte gerade mit 3:0 in Hannover gewonnen und kletterte durch den "Dreier" von Platz acht auf Rang vier der Tabelle.

Den Münchner gelang, nach dem glanzlosen, aber extrem wichtigen 1:0-Erfolg in der Champions League gegen Haifa unter der Woche, nun auch ein "Big-Point" in der Bundesliga.

"Wir sind zurück"

"Wir hatten eine sehr gute Woche. Wir sind zurück in der Champions League und auch in der Bundesliga", stellte der gelöste van Gaal fest.

Eine solide Vorstellung reichte den Bayern, um Hannover locker in Schach zu halten 178794(Die Bilder). Kurios: Die Münchner sind somit seit 27 "Sonntags-Spielen" ungeschlagen.

Thomas Müller sorgte in der 19. Minute nach starker Vorarbeit von Ivica Olic für die frühe Führung. Nach dem Wechsel legte der Kroate selbst zum 2:0 nach. Mario Gomez sorgte in der Nachspielzeit für den nicht unwichtigen Schlusspunkt.

Toni darf nichtmal zum Aufwärmen

Denn: Erst durch den Treffer des Nationalspielers zog das van-Gaal-Team aufgrund der besseren Tordifferenz am Hamburger SV in der Tabelle vorbei.

Luca Toni schmorte die komplette Spielzeit auf der Bank und durfte sich nicht einmal aufwärmen.

Da mit den Hanseaten (1:1 in Mainz), Bremen (2:2 gegen Wolfsburg), Schalke (0:1 in Gladbach) und Hoffenheim (1:2 gegen Dortmund) zahlreiche Konkurrenten an diesem Wochenende schwächelten, sind die Bayern wieder zurück im Geschäft.

Leichtes Restprogramm

"Wir sind wieder näher an die Spitze herangerückt", merkte auch Torschütze Gomez an.

Einzig auf die siegreichen Leverkusener (4:0 gegen Stuttgart) müssen Hoeneß und Co. weiter mit dem Fernglas schauen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

Angesichts des Restprogramms bis zur Winterpause (Gladbach, Bochum, Hertha) könnte aber auch dieser Sechs-Punkte-Rückstand bald zusammenschmelzen.

Für Ex-Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld sind "neun Punkte vorprogrammiert." Die Münchner bräuchten jetzt eine Siegesserie, dann sei alles wieder drin, so der Schweizer Nationaltrainer.

Bergmann: "Verdiente Niederlage"

Bei Hannover hielt sich die Enttäuschung nach der Partie in Grenzen.

Man hatte das Gefühl, als würde den 96ern der Enke-Schock der letzten Wochen noch in den Knochen stecken.

Zwar mühten sich die Gastgeber, doch mehr als zwei nennenswerte Chancen durch Constant Djakpa und Mike Hanke sprangen nicht heraus.

"Die Bayern haben verdient gewonnen, auch wenn das 3:0 sicherlich etwas zu hoch aufgefallen ist."

"Meine Mannschaft hat versucht mitzuspielen, aber entscheidend war, dass wir nicht die nötige Durchschlagskraft und Effektivität hatten", musste Hannover-Coach Andreas Bergmann zugeben.

Schweinsteiger überzeugt

Angeführt von einem starken Olic, der erst das zweite Spiel nach seiner siebenwöchigen Verletzungspause machte, gerieten die Münchner in Hannover kaum in Bedrängnis:

Die Abwehr um Daniel van Buyten und Martin Demichelis ließ wenig anbrennen. Um den Rest kümmerte sich der sichere Keeper Hans-Jörg Butt.

Im Mittelfeld überzeugte Bastian Schweinsteiger als "Sechser". Der Nationalspieler gewann entscheidende Zweikämpfen in der Defensive und dirigierte gekonnt das Spiel des Rekordmeisters in der Offensive.

"Wir hatten eine gute Ordnung und ein starkes Mittelfeld", lobte van Gaal sein Team.

Gomez und Olic harmonieren

Und auch das Sturmduo Olic/Gomez kristallisiert als gute Mischung heraus. "Endlich treffen unsere Stürmer wieder", sagte ein erleichterter Trainer.

Manager Christian Nerlinger stellte ebenso fest, dass "die Stürmer ein überragendes Spiel" gemacht hätten.

Da fiel es kaum auf, dass mit Miroslav Klose und Toni das alternde, aber erfolgreiche Duo der letzten Jahre fehlte.

Ob der Italiener überhaupt noch einmal für die "Roten" auflaufen wird, steht in den Sternen.

Toni entschuldigt sich nicht

Das Verhältnis zu van Gaal scheint nach der Trainer-Kritik der letzten Wochen nicht mehr zu retten.

"Wir haben viele Verletzte und Toni hat einen Vertrag bei Bayern. Daher habe ich ihn nach Hannover mitgenommen", begründete der Niederländer die Nominierung.

Entschuldigt habe sich Toni aber nicht. "Und das wird er auch nicht mehr tun", ist sich van Gaal sicher.

Hoffnung aufs Transferfenster

Bestätigt wird er in dieser Ansicht durch den Umstand, dass sich der Angreifer nur wenige Stunden vor dem Hannover-Spiel in der italienischen Fernsehsendung "Quelli che il calcio..." per Telefon erneut ausgeweint hatte:

"Der Trainer steht auf einen anderen Spielertypus", sagte Toni dort. "Gott sei Dank ist bald das Transferfenster offen. Ich werde mit dem Verein reden, denn die aktuelle Lage passt mir nicht."

Nahezu perfektes Wochenende

Mit dem Sieg gegen Haifa und der "harmonischen Jahreshauptversammlung", wie der neue Ehrenpräsident Franz Beckenbauer feststellte, rundete der lockere Triumph in Hannover ein ansonsten nahezu perfektes Wochenende der Bayern ab.

Da lässt es sich auch verschmerzen, dass man weiter einen unzufriedenen Weltmeister im Kader hat.

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