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In der Vorsaison führte Markus Babbel den VfB noch in die Champions League © getty

Der VfB-Teamchef steht nach dem 0:4 in Leverkusen immer mehr unter Druck. Kommt ein Schweizer? Die Funktionäre vertagen sich.

Von Christian Paschwitz

München - Markus Babbel leitete am Montagvormittag bei strömendem Regen das Training mit den VfB-Profis - leichte Bewegung, körperliche Regeneration eben.

20 Stunden, nachdem die Schwaben bei Bayer Leverkusen mit 0:4 (0:2) einen weiteren Tiefschlag kassiert hatten und dadurch auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzt waren.

Kann sich Babbel ("Ich gehe davon aus, dass ich ganz normal meine Arbeit mache und die Mannschaft auf das Spiel gegen Bochum vorbereite") davon noch einmal erholen?

Schwer vorstellbar, aber für Babbel besteht zumindest noch Hoffnung.

Weitere Gespräche am Dienstag

Nachdem die "Stuttgarter Zeitung" bereits zu wissen glaubte, Babbel solle am Montag entlassen werden, hieß es, später, die Verantwortlichen diskutierten noch über die Konsequenzen für den Verein.

Wie es weitergeht, wird wohl erst am Dienstag entschieden.

Möglich, dass Babbel also am Wochenende gegen den VfL Bochum noch eine Bewährungschave erhält.

Heldt rückt immer mehr ab

Signale gegen Babbel hatte es bereits gegeben, als in der Pleiten-Partie in Leverkusen noch 45 Minuten zu spielen waren:

In einer Wutrede rechnete Horst Heldt ab - direkt mit der Mannschaft, indirekt aber auch mit Babbel als Hauptverantwortlichem für den Zustand des Teams.

Es sei unfassbar, was der VfB biete, sagte der Manager, sprach von einer "Vollkatastrophe" und davon, dass die Spieler nichts begriffen hätten.

"Alle elf soll er auswechseln", antwortete Heldt sauer auf die Frage eines Reporters, was Babbel nun tun solle.

Genug ist offenbar genug. Die Fans sind mit ihrer Geduld ohnehin am Ende, skandierten "Wir haben die Schnauze voll."

Babbel hofft auf weitere Chancen

Auch Babbel dürfte wissen, dass er kaum noch im Amt zu halten ist und wenig für ihn spricht: "Wenn wir noch mal eine Leistung zeigen wie heute, dann wird es eng (für mich, Anm. die Red.). Da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden."

Wenngleich er ergänzt: "Ich hoffe nach wie vor, dass wir weiter arbeiten dürfen und die Chance bekommen, uns aus dieser Situation zu befreien."

Immer wieder Durchhalteparolen

Fakt ist: Seit Wochen bemüht Babbel die gleichen Durchhalteparolen, auch aktuell ("Aber jetzt muss die Mannschaft eine Reaktion zeigen. Jeder muss wissen, dass wir im Abstiegskampf angekommen sind").

Doch die Krise hat sich nur noch verschlimmert.

In Glasgow im Glück

Weil der VfB voll auf den Abstieg zusteuert, soll ein großer Personenzirkel im Klub laut "Stuttgarter Zeitung" das Ziehen der Reißleine, also Babbels Entlassung, fordern.

Intern war das bereits Mitte der vergangenen Woche verabredet für den Fall, dass die Stuttgarter in der Champions League bei den Glasgow Rangers verloren hätten.

Doch es kam anders, das 2:0 ließ Babbel noch mal den Kopf aus der Schlinge ziehen.

Kaum noch Fürsprecher

Das Debakel in Leverkusen jedoch dürfte aber auch die letzten Fürsprecher vom Teamchef abrücken lassen, die in der Trainerfrage bisher nicht vor der Winterpause handeln wollten - sofern es bis dahin keine sportlichen Offenbarungseid gebe.

Genau den setzte es in Leverkusen.

Die Probleme sind ohnehin seit Monaten die gleichen:

Babbel rotiert und wechselt Taktik, ohne dass sich dabei Erfolg und spielerischer Fortschritt einstellte. Trotz des teuersten Kaders der Vereinsgeschichte und namhafter Zugänge wie zum Beispiel Aliaksandr Hleb und Pavel Pogrebnyak.

Immer wieder die gleichen Probleme

Dass Babbel, der am Montag wiederholt der Trainerschein-Ausbildung in Köln fernblieb, Kapitän Thomas Hitzlsperger vorübergehend auf die Tribüne verbannte, forcierte die Verunsicherung eher noch.

Und nicht zuletzt musste man sich beim VfB eingestehen, dass der Trainer-Lehrgang in Köln Babbel letztlich eben doch Zeit und Energie raubte, um die Kernaufgaben im Ländle vernünftig zu leisten.

Heldt soll deshalb bereits seit Wochen den Trainermarkt sondieren.

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt bereits, die Nachfolger-Entscheidung falle zwischen zwei Kandidaten, einer davon sei der ehemalige Nationalspieler Franco Foda von Sturm Graz. Favorisiert ist der "Stuttgarter Zeitung" zufolge aber Christian Gross.

Gross soll ein Kandidat sein

Der Schweizer hatte zuletzt zehn Jahre lang den FC Basel gecoacht und gilt als autoritärer Trainer. Es wäre der Gegenentwurf zu Babbel, dem intern auch vorgehalten wird, seinem Team zu viele Disziplinlosigkeiten durchgehen zu lassen.

"Wird der hier gehandelt? Das ist ein guter Trainer", entgegnete Babbel den Spekulationen mit ironischem Unterton.

Spitze gegen Staudt

Einen Gefallen tat sich Babbel auch nicht damit, nach der Leverkusen-Pleite eine Spitze Richtung Präsident Erwin Staudt abzufeuern:

"Man kann sich nicht immer schützend vor die Mannschaft stellen", sagte der 37-Jährige bei "Liga total". "Da meine ich nicht nur mich, sondern auch Horst Heldt oder den Präsidenten, der sich immer schützend vor die Spieler stellt."

Dass sich der VfB nun schützend vor Babbel stellt - anders als 57 Prozent einer SWR-Umfrage -, scheint kaum noch vorstellbar.

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