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Selbst Maskottchen Herthinho hat offenbar kaum noch Hoffnung auf die Rettung © getty

Am Montagabend könnte Herthas Absturz ins Bodenlose weitergehen: Auf der Mitgliederversammlung droht die Abwahl der Führung.

Von Martin Volkmar und Andreas Ziepa

München/Berlin - Hertha BSC kann einem derzeit eigentlich nur noch leid tun.

Denn immer, wenn man denkt, noch tiefer könne der Hauptstadt-Klub nicht sinken, folgt der nächste Schritt nach unten.

Im Rekordtempo von rund sechs Monaten sind die Berliner vom Titelkandidaten zum abgeschlagenen Tabellenletzten und gefühlten Absteiger abgerutscht. (DATENCENTER: Der 14. Spieltag)

Am Montagabend könnte der Absturz ins Bodenlose weitergehen.

Abwahl der Hertha-Führung droht

Auf der Mitgliederversammlung droht die Abwahl von Präsidium und Aufsichtsrat.

"Herthas Nacht der Abrechnung", titelt die Boulevardzeitung "BZ" vor dem Treffen im Internationalen Congress Centrum.

Sollten Vereinsboss Werner Gegenbauer und seine Mitstreiter von den erwarteten rund 1200 Mitgliedern tatsächlich gestürzt werden, stünde der Traditionsverein mangels kompetenter Alternativen kopflos in der Krise da.

"Ich fordere Rücktritte von Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Präsidiums. Diese Leute müssen Verantwortung übernehmen. Wir müssen Hertha helfen, aber nicht mit diesen Leuten", erklärte der so genannte Oppositionsführer Heinz Troschitz.

Schulden steigen auf 33 Millionen Euro

Zum sportlichen Abstieg kommt das unerwartet hohe Minus von 1,9 Millionen Euro und ein Anstieg der Verbindlichkeiten auf 33 Millionen Euro hinzu, weshalb auch ein Abwahlantrag gegen den für die Finanzen zuständigen Geschäftsführer Ingo Schiller vorliegt.

Trotzdem ist fraglich, ob einer der zahlreichen Abwahlanträge Erfolg haben wird. Denn den Gegnern fehlen Konzepte, Kompetenz und Köpfe.

"Wir werden Herrn Gegenbauer unterstützen. Alles andere würde dem Verein nur noch mehr schaden", erklärte daher Lutz Bartels vom 360 Mitglieder starken "Fanclub Berlin" der "BZ".

Sperrminorität von 75 Prozent

Zudem muss laut Satzung die Sperrminorität von 75 Prozent erreicht werden, damit ein Abwahlantrag angenommen wird.

Dennoch ist Gegenbauer klar, dass er und der neue Manager Michael Preetz nach der katastrophalen Saison massive Kritik werden einstecken müssen.

"Das sind doch alles Herthaner", versucht Gegenbauer daher zu beschwichtigen.

"Sie wollen wissen, welcher der richtige Weg ist. Wir brauchen aber jetzt Ruhe. Die werden wir haben, wenn wir klare Antworten geben."

Abstieg statistisch sicher

Zumindest die Frage nach dem Abstieg dürfte schon jetzt beantwortet sein. Denn alles andere käme statistisch gesehen einem Wunder gleich, das noch keinem Team in der Bundesliga-Geschichte gelungen ist.

"Entscheidend ist, dass wir uns nicht hängenlassen", erklärte aber Trainer Friedhelm Funkel. "Wunder geschehen immer wieder."

Doch selbst Arne Friedrich, sonst selten um Durchhalteparolen verlegen, hat nach dem 1:3 vom Samstag kaum noch Hoffnung: 178794(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

"Wenn wir nicht mal ein Heimspiel gegen Frankfurt gewinnen, gegen wen soll es denn überhaupt noch klappen? Holen wir in den nächsten drei Spielen in Schalke, gegen Leverkusen und bei Bayern keine Punkte, ist der Abstand zu groß."

Friedrich fehlt gegen Ventspils

Dem Kapitän, der wegen einer Leistenverletzung am Donnerstag in der Europa League gegen Ventspils ausfällt, und seinen Kollegen droht auf der Versammlung ein Spießrutenlauf.

Daher will Friedrich vermutlich auch keine Rede halten:

"Ich kann die Mitglieder, die uns auspfeifen, absolut verstehen. Was wir gegen Frankfurt gezeigt haben, war nicht bundesliga-tauglich. Aber was soll ich sagen? Ich bin doch selbst sprachlos."

Und so rutscht der selbst ernannte "schlafende Riese" sprachlos und vielleicht bald auch kopflos dem sportlichen Untergang entgegen.

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