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Louis van Gaal (M.) jubelt, Luca Toni sieht aus der "zweiten Reihe" zu © imago

Durch die Siege gegen Haifa und Hannover ist bei den Bayern das alte Selbstbewusstsein zurückgekehrt. Toni steht vor dem Abschied.

Von Thorsten Mesch

München - 1:0 gegen Haifa, 3:0 in Hannover: Nüchtern betrachtet nur zwei Erfolge nach zuvor vier sieglosen Pflichtspielen.

Doch für Verantwortliche und Spieler des FC Bayern waren es mehr als nur zwei gewonnene Spiele.

"Wir haben diese Woche auch alles umgedreht. Nun kehrt die Ruhe zurück, und diese Siege bringen uns in die Position, in der Bayern München sein muss", sagte Trainer Louis van Gaal nach dem Sieg in Niedersachsen.

Aufwärtstrend erkennbar

Ganz dort, wo sie nach ihrem Selbstverständnis hingehören, stehen die Münchner zwar noch nicht, aber ein Aufwärtstrend ist erkennbar.

In der Champions League haben die Münchner durch das 1:0 gegen Haifa das kaum noch für möglich gehaltene "Endspiel" um den Achtelfinal-Einzug in Turin erreicht.

In der Bundesliga sind die Bayern "wieder näher dran", wie Franz Beckenbauer am Sonntagabend bei "Sky" feststellte.

"Es besteht durchaus noch die Chance, bis zum Ende der Vorrunde in Tuchfühlung mit den Konkurrenten zu kommen", sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern.

"Nur Leverkusen momentan zu weit weg"

Nach den Punktverlusten der Konkurrenten kletterten die Bayern am Sonntag auf Platz vier. Auf Schalke fehlt nur noch ein Punkt, bis zu Bremen auf Rang zwei sind es nur noch zwei Zähler. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

"Nur Leverkusen ist momentan zu weit weg", räumte Beckenbauer ein. Doch auch das könnte sich angesichts des vermeintlich leichten Restprogramms (Mönchengladbach, Bochum, Berlin) bis zur Winterpause ändern.

Nerlinger und van Bommel kämpferisch

"Ich hoffe, wir rollen das Feld von hinten auf", gab sich Sportdirektor Christian Nerlinger kämpferisch.

Kapitän Mark van Bommel nahm nach dem Sieg bei 96 Bezug auf Nerlingers Vorgänger: "Wir haben heute gezeigt, was Uli Hoeneß propagiert hat: 'Mia san Mia'", tönte der Niederländer. 178794(Die Bilder)

Hitzfeld setzt auf Siegesserie

Das Selbstbewusstsein ist zumindest schon einmal zurück. Nun gilt es, Konstanz zu zeigen, wie auch der ehemalige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld betont.

"Die Bayern brauchen jetzt eine Siegesserie, dann ist alles wieder drin", ist Hitzfeld überzeugt. Für den Schweizer Nationaltrainer sind gegen Gladbach, den VfL und Hertha "neun Punkte programmiert".

Sonderlob für Olic

Dass es bei den Bayern plötzlich wieder besser läuft, liegt nicht zuletzt an Ivica Olic. Gegen Haifa kehrte der Kroate ins Team zurück und erzielte prompt den Siegtreffer, in Hannover glänzte er als Vorbereiter und Vollstrecker.

"Ivica war lange verletzt. Aber er macht Tore und legt auch noch Treffer für die Kollegen auf. Außerdem hat er eine positive Ausstrahlung. Das gefällt mir", sagte van Gaal.

Zufrieden konnte van Gaal auch mit Thomas Müller und Mario Gomez sein, die beide ebenfalls trafen.

Toni im Kader - aber auf der Bank

Der zuletzt nach seiner Trainer-Kritik suspendierte Luca Toni (van Gaal: "Er war im Kader, weil ich sieben, acht verletzte Spieler habe") schmorte auf der Bank.

Ex-Bayern-Coach Hitzfeld war "überrascht, dass er so schnell zurückkehrt", sieht das "Vertrauen aber definitiv beschädigt."

Weltmeister will so schnell wie möglich weg

Toni, der sich nicht bei van Gaal entschuldigte, sieht keine Chance auf eine fruchtbare Zusammenarbeit und will so schnell wie möglich weg.

"Der Trainer steht auf einen anderen Spielertypus", sagte Toni vor dem Spiel in einem Telefon-Interview mit einem italienischen Fernsehsender. "Gott sei Dank ist bald das Transferfenster offen. Ich werde mit dem Verein reden, denn die aktuelle Lage passt mir nicht.

Der SSC Neapel soll am Weltmeister interessiert sein. "Neapel ist eine tolle Sache, aber in Italien gibt es zwei, drei Teams, die mir gefallen", erklärte Toni, der auch schon mit AS Rom in Verbindung gebracht worden war.

"Konflikte waren programmiert"

Für Hitzfeld wäre Tonis Abschied nur eine logische Schlussfolgerung.

"Bayern hätte vor der Saison einen Top-Stürmer abgeben müssen, sie haben zu viele Offensivkräfte", sagte er am Sonntag bei "Sky". "Bei so vielen Hochkarätern waren Konflikte programmiert."

Comebacks von Robben und Ribery rücken näher

Zwei verletzte Offensivkräfte stehen den Bayern voraussichtlich schon bald wieder zur Verfügung.

Arjen Robben, der seit längerem an Knieproblemen laboriert, stieg am Montag wieder ins Mannschaftstraining ein.

Schon am Freitag gegen Mönchengladbach könnte der Niederländer zumindest als Einwechselspieler wieder im Kader stehen.

Ribery, der weiter ein Aufbautraining absolviert, soll am 8. Dezember in der entscheidenden Gruppenbegegnung der Champions League in Turin zumindest als Joker zur Verfügung stehen.

Sollte das Thema Toni in der Winterpause abgeschlossen sein und die Bayern das Jahr mit drei Siegen in der Bundesliga und einem Erfolg bei Juventus abschließen, hätte van Gaal zumindest über Weihnachten und Silvester wirklich Ruhe.

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