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Sport1.de Redakteur Daniel Rathjen (r.) mit Mario Gomez © SPORT1

Im Sport1.de-Interview blickt Mario Gomez auf das turbulente Jahr 2009 zurück und erklärt, warum er überhaupt beim FC Bayern ist.

Von Daniel Rathjen

München - Mittlerweile schwärmt er in den höchsten Tönen von seinem neuen Arbeitgeber.

Und mit ihm spielt auch der FC Bayern erfolgreich. Mario Gomez ist wieder ganz der alte Torjäger. 178794(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

Doch der Stürmer hatte auch große Schwierigkeiten. Nach gutem Start mit drei Liga-Toren in den ersten fünf Spielen nahm ihn Trainer Louis van Gaal aus der Mannschaft.

Es war der erste Rückschlag für den 24-Jährigen, dessen Karriere bis dahin bilderbuchmäßig verlief und der aus jeder Lage das Tor zu treffen schien.

Für 35 Millionen Euro war Gomez im Sommer vom VfB Stuttgart an die Isar gewechselt.

Im ausführlichen Sport1.de-Interview blickt Gomez auf das turbulente Jahr 2009 zurück.

Der Ex-Stuttgarter spricht über schwere Millionen-Koffer, erklärt van Gaals Eigenarten - und warum er überhaupt zum FC Bayern gewechselt ist.

Sport1.de: Herr Gomez, wie oft wurden Sie in den letzten zwei Wochen nach der Last von 35 Millionen gefragt?

Mario Gomez: Nicht so oft. Nach guten Spielen hat mich niemand gefragt, ob der Millionen-Koffer zu schwer ist...

Sport1.de: Ist er es nie gewesen?

Gomez: Nein. Die Ablöse ist weder eine Belastung noch eine Motivation für mich und deswegen gar kein Thema. Sie ist ein Fakt und die Voraussetzung dafür, dass ich in München spielen kann.

Sport1.de: Auch dank Ihrer Treffer ist der FC Bayern wieder in der Spur. Wird schon wieder von der Meisterschaft gesprochen?

Gomez: Momentan stehen wir in allen drei Wettbewerben einigermaßen gut da. In der Champions League haben wir es gegen Juve selbst in der Hand. In der Liga haben wir viele Punkte verschenkt, aber es geht schnell nach oben, wenn man mal drei Spiele in Folge gewinnt. Die Meisterschaft ist ein großes Thema.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Sport1.de: Trotzdem lief es lange nicht rund. Warum nicht?

Gomez: Wir als Mannschaft haben es nicht geschafft, das zu zeigen, was wir können. Bis auf wenige Ausnahmen haben 25 Top-Spieler nicht ihre Bestleistung gebracht. Dann blieben die Siege aus, und die Verunsicherung wuchs. Jetzt müssen wir über das Kollektiv wieder dahin kommen, die Fans zu begeistern.

Sport1.de: Schmerzen Ihnen Pfiffe in der Seele?

Gomez: Pfiffe gehören mittlerweile zum Alltag im Fußball. Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, in der einem nichts geschenkt wird und wo sehr viel Neid und Missgunst herrscht. Wir werden gut bezahlt, um damit umgehen zu müssen.

Sport1.de: Wünschen Sie sich trotzdem mehr Unterstützung?

Gomez: Die Leute wissen gar nicht, wie hilfreich es manchmal wäre, anzufeuern statt zu pfeifen. Wenn sie sähen, was das für Kräfte freisetzen kann, dann würden sie vielleicht mal auf Pfiffe verzichten.

Sport1.de: Uli Hoeneß hat Louis van Gaal vor kurzem vorgeworfen, die Wucht des FC Bayern unterschätzt zu haben. Wie definiert sich für Sie diese Wucht?

Gomez: Es ist ein großes Paket: Der FC Bayern muss immer die Nummer eins sein, immer gewinnen, immer schön spielen. Wenn das nicht so ist, gibt es Schläge. Damit muss man sich auseinandersetzen.

Sport1.de: Woran denken Sie dabei?

Gomez: Beim Spiel gegen Haifa beispielsweise: Da haben die Fans erwartet, dass wir die mit 4:0 aus dem Stadion hauen. Wir waren aber froh, dass wir gewonnen haben. Ich kann mich erinnern, als ich noch ein Teenager war, da hat Bayern die Spiele auch oft nur mit 1:0 gewonnen und wurde Meister. Das war so typisch. Da müssen wir wieder hinkommen.

Sport1.de: Wie gehen Sie mit Druck um?

Gomez: Druck habe ich immer. Gerade auch von mir selbst. Ich gehe immer ins Spiel, um ein Tor zu machen und zu gewinnen. Mehr Druck kann von außen gar nicht kommen.

Sport1.de: Ihr Start beim FC Bayern verlief reibungslos, dann hat Sie van Gaal auf die Bank verbannt, weil Sie nicht so spielten, wie er es wollte...

Gomez: Die Phase war unheimlich schwer. Ich hatte nur noch wenig Spaß und fühlte mich aussortiert. Das war so - definitiv.

Sport1.de: Haben Sie in diesem Moment den Wechsel nach München bereut?

Gomez: Ich war sehr enttäuscht, habe den Wechsel aber zu keiner Zeit bereut. Ich wurde geholt, um Tore zu machen und durfte nicht. Aber irgendwann habe ich dann gesagt: Scheiß' drauf. Gib' jetzt im Training Vollgas - und wenn es nur für dich selbst ist. Harte Arbeit wird belohnt. Das habe ich gelernt.

Sport1.de: Wer gibt Ihnen abseits des Feldes Rückhalt?

Gomez: Ich kann sportlich und privat voneinander trennen. Nichtsdestotrotz hilft es in so einer schwierigen Situation, wenn gute Freunde da sind, die Familie da ist und die super Freundin. Ich war sehr unzufrieden, so etwas überträgt sich ja auch. Wir haben viel gesprochen.

Sport1.de: Wie fühlen Sie sich jetzt?

Gomez: Ich habe jeden Tag im Training geschuftet und war meiner Meinung nach auch der stärkste aller Stürmer. Das hat der Trainer honoriert. Jetzt habe ich wieder das schöne Gefühl, gebraucht zu werden - auch über die volle Distanz. Das gibt natürlich Selbstvertrauen. Wenn ich weiter Leistung bringe, hat der Coach auch keinen Grund, mich raus zu nehmen.

JETZT WEITERLESEN - hier geht es zum zweiten Teil - Mario Gomez über Louis van Gaal, sein Denkmal in Stuttgart und einen möglichen Wechsel zum FC Barcelona...

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