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Markus Babbel (l., hier mit Thomas Hitzlsperger) führte den VfB in die Champions League © imago

Der Teamchef bleibt zumindest bis zur Winterpause am Ruder und bestimmt Delpierre zum neuen Kapitän. Spieler sollen gehen.

Stuttgart - Als die Mannschaft des VfB Stuttgart am Dienstagvormittag auf den Trainingsplatz ging, fehlte der Teamchef.

Markus Babbel erschien mit einer Dreiviertelstunde Verspätung - und mit der Gewissheit, dass er zumindest bis zur Winterpause nicht um seinen Arbeitsplatz füchten muss.

Am Abend zuvor hatten Aufsichtsrat und Vorstand getagt und entschieden: Babbel bleibt trotz der Krise, und schuld an der Misere ist die Mannschaft.

Konsequenzen für die Mannschaft

"Wir werden nicht ein Trainerteam opfern, das sich voll reinhängt", erklärte VfB-Präsident Erwin Staudt, als er am Dienstag von der Sitzung der verantwortlichen Funktionäre sowie dem Gespräch mit Babbel am Morgen berichtete.

Zugleich kündigte Staudt an, dass es Konsequenzen im Verein geben werde. Diese beträfen jedoch nicht das Trainerteam, sondern die Mannschaft.

Nach dem Ende der Hinrunde werde es einen "Kassensturz" geben. In der Winterpause möchte sich der Verein von einigen Spielern trennen.

"Der Trainer hat vom Vorstand und vom Aufsichtsrat die Lizenz zum Gasgeben", sagte Staudt. Das bedeutet: Babbel soll hart durchgreifen.

Hitzlsperger kein Sündenbock

In einer ersten Maßnahme enthob der Teamchef den bisherigen Mannschaftskapitän Thomas Hitzlsperger seines Amtes.

"Er ist nicht der Sündenbock. Aber ich wollte diesen Ballast von ihm wegnehmen, damit er sich wieder voll auf sich selbst konzentrieren kann. Wir brauchen ihn in Bestform", sagte Babbel.

Hitzlspergers Nachfolger ist Matthieu Delpierre.

Babbel kündigt härtere Gangart an

Babbel kündigte zudem eine härtere Gangart an und erklärte, er werde die Trainingspläne nur noch von Tag zu Tag bekanntgeben:

"Die Annehmlichkeiten sind zu Ende. Das 0:4 wird Konsequenzen haben."

Dass es für Babbel keine Folgen gab, ist der bemerkenswerten Erkenntnis von Aufsichtsrat und Vorstand geschuldet.

"Die Konsequenz kann nicht sein, einen Trainer und sein Team in Frage zu stellen, die hier einen aufopferungsvollen Job machen", sagte Staudt.

Probleme werde "nur derjenige haben, der nicht an der Zielerfüllung des Vereins arbeitet, der nicht für den Erfolg arbeitet, den wir uns erhoffen."

Erfreut über Rückendeckung

Babbel zeigte sich erfreut über die erneute Rückendeckung, sagte aber auch: "Ich bin ja nicht blauäugig. Wir müssen Resultate bringen."

Jetzt, und zumal nach der Blamage bei in Leverkusen, sei allerdings die "Mannschaft in der Verpflichtung".

Er werde genau hinsehen, wer bereit sei, alles für den Verein zu tun: "Es geht nicht darum, die eigene Haut zu retten, sondern den VfB." Bei der "kleinsten Kleinigkeit" werde er deshalb durchgreifen, drohte der 37-Jährige.

Thema Entlassung "von außen aufgedrängt"

Nach der 0:4 (0:2) Niederlage in Leverkusen war zuletzt über eine vorzeitige Trennung von Babbel spekuliert worden.

Staudt erklärte jedoch, dass eine Entlassung intern kein Thema gewesen sei. "Das wurde uns von außen aufgedrängt", sagte er.

Kellerduell gegen Bochum

Die Wende soll nun das Heimspiel am Samstag gegen den Tabellennachbarn VfL Bochum bringen.

"Wir müssen uns am Samstag so präsentieren, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückkommen", sagte Staudt und betonte:

"Nach Bochum haben wir noch zwei weitere Spiele, in denen es um die Wurst geht. Der vorletzte Tabellenplatz ist für den VfB unwürdig, deshalb ist das eine Frage der Ehre, das werden wir den Spielern noch mal in aller Deutlichkeit sagen."

"Endspiel" gegen Urziceni

In der Champions League hatte der VfB vergangenen Woche 2:0 bei den Glasgow Rangers gewonnen.

Mit einem Sieg am 9. Dezember gegen den rumänischen Meister Unirea Urziceni könne die Schwaben ins Achtelfinale einziehen.

"Haben ein Teamproblem"

Staudt kündigte an, dass die Verantwortlichen im Anschluss an die Bundesliga-Hinrunde eine weitere Bestandsaufnahme vornehmen wollen.

Dann sei zu klären: "Was haben wir falsch gemacht?"

Gemeinsam, betonte der Klub-Chef, sollten die Erkenntnise anschließend in der Rückrunden-Vorbereitung umgesetzt werden.

Es gelte auch, verschiedene Strömungen innerhalb der Mannschaft zusammenzuführen.

Staudt stellte fest: "Wir haben kein Trainer- sondern ein Teamproblem."

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