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Uneins, was Personal und Taktik angeht: Louis van Gaal (r.) und Uli Hoeneß © imago

Der Coach verbittet sich eine taktische Einmischung, fordert neue Spieler. Toni würde van Gaal gleich abschieben.

Von Christian Paschwitz

München - Neuer Zündstoff beim FC Bayern vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (Fr., 20 Uhr LIVE): (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Trainer Louis van Gaal hat mit dem maulenden Luca Toni offenbar endgültig abgeschlossen - und sucht indirekt zudem die Konfrontation mit Uli Hoeneß in punkto Taktik und Personal.

Keine Woche nach dessen Benennung zum neuen Präsidenten erklärte die Niederländer in einem Interview mit der "tz":

"Ich denke, dass Uli Hoeneß nicht Recht hat, wenn er sich auf ein System festlegt. Das ist immer von meinen Spielern und ihrer Qualität abhängig. Das habe ich Uli schon im April, als er mich geholt hat, erklärt."

Neue Spieler - schon im Winter

Nicht zuletzt verlangt der 58-Jährige unverhohlen neue Spieler: "Nach dieser Saison werde ich im Kader selektieren, vielleicht auch schon im Winter."

Und weiter: Dann kommen andere Spieler und dann klappt es vielleicht schneller?, sagte der Fußball-Lehrer, der sein Team nach wie vor "in einem Prozess" sieht.

Van Gaal unterstrich damit einmal mehr, dass er sich von Bayerns Alphatieren wie Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummennige und dem designierten Manager Christian Nerlinger keineswegs reinreden lassen werde:

"Der Vorstand darf immer Hinweise geben - aber ich muss letztlich entscheiden." Schließlich sei er auch wegen seiner Philosophie geholt worden.

Hoeneß gibt 4-4-2 vor

Vor allem was das Spielsystem angeht, verbittet es sich van Gaal, der zuletzt mehrfach zwischen einem 4-3-3 und 4-4-2 schwankte, eine Einmischung.

Hoeneß indes hatte kürzlich via "Bild" gefordert: "Wir haben mit van Gaal vor dem Robben-Transfer klar besprochen, dass man mit diesen Spielern auch 4-4-2 spielen kann. Wir wollen 4-4-2 spielen."

Wie immer das System des Rekordmeister bis zur Winterpause aussieht: Luca Toni, den die türkische "Fanatik? nun auch mit Fenerbahçe Istanbul in Verbindung bringt, spielt dabei wohl keine Rolle mehr.

"Wenn ein Spieler sagt, dass er weg will, dass er mit mir nicht zurecht kommt - was denken Sie?", meinte van Gaal auf die Frage nach seinem Verhältnis zu Toni. 110436(Diashow: Die Wechselbörse)

Tonis Eigentore

Der hatte sich bei van Gaal ("Er hat gesagt, dass er sich einen anderen Verein suchen will") zuletzt selbst aufs Abstellgleis bugsiert.

Der Weltmeister war unter anderem im Spiel gegen Schalke nach seiner Auswechslung zur Pause aus dem Stadion geflüchtet, sprach hinterher abfällig von "Zermürbung von vier langen Monaten voller Entbehrungen und Unverständnis mit dem aktuellen Trainer".

Ob Toni - auch gegen seine Landsleute im entscheidenden Champions-League-Match gegen Juventus Turin - überhaupt noch mal zum Einsatz kommt, ist demnach höchst fraglich.

"Zuerst Spieler abgeben"

Wie auch bei anderen Spielern: Er habe er schon zu Beginn seiner Amtszeit im Sommer gesagt, "dass ich nicht 25, 26 Spieler haben will. Weil dann die Perspektive für Nummer für Nummer 18 bis 26 nicht befriedigend ist", so van Gaal: "Deswegen müssen wir zuerst Spieler abgeben."

Spannende Frage, wie Hoeneß und Rummenigge dies werten - und wie van Gaal sich bei deren Intervention verhält.

Zumal van Gaal ("Ich bin nicht ergebnisunabhängig") gegenüber der "Abendzeitung" durchblicken ließ, nur bedingt kompromissbereit zu sein.

Wenig Bereitschaft zur Veränderung

Er könne sich nur ändern, "wenn die Argumente gut sind". Dass sich van Gaal nach eigenem Empfinden in dieser Saison zwar "auch schon", aber noch "nicht allzu sehr geändert" habe, mag ein Fingerzeig für weitere Konflikte sein.

Van Gaal, der davon träumt, "noch einmal Nationaltrainer zu sein und an einem großen Turnier teilzunehmen", schließt ohnehin nicht aus, München nach seinem Vertragsende (2011, Anm. d. Red.) zu verlassen:

"Mal sehen. Vielleicht haben dann andere die besseren Argumente."

Königsklasse fast schon abgehakt

Dass er bis dahin die Königsklasse gewinnt, hat der Niederländer für diese Saison wohl schon abgehakt: "Die schon jetzt zu gewinnen, ist nicht die Vorgabe, die ich mit dem Vorstand bei meiner Einstellung vereinbart habe." Das habe "Uli Hoeneß deutlich erklärt".

Wesentlich wichtiger ist van Gaal gegenwärtig der Zuspruch der Fans: "Ich bekomme viel Post beim FC Bayern. Ich schätze, 95 Prozent der Zuschriften sind positiv. Viele Leute sind froh, dass ich Bayern-Trainer bin."

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