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Louis van Gaal gewann 1995 mit Ajax Amsterdam die Champions League © imago

Bayerns Coach fordert volle Konzentration auf Gladbach, will nichts hören von Juve. Dabei hängt van Gaal selbst anderen Gedanken nach.

Vom FC Bayern berichtet Christian Paschwitz

München - Louis van Gaal zelebrierte mal wieder diese Mischung aus gelassener Professionalität und Pokerface:

Ob er schon fiebrige Anspannung vor dem "Endspiel" gegen Juventus Turin am Dienstag in der Champions League verspürt, wurde der Trainer des FC Bayern gefragt.

Fehlanzeige, beschied der 58-Jährige kühl. Und im Übrigen sei es für ihn auch mitnichten das wichtigste Spiel des Jahres.

"Es ist das Kennzeichen eines Spitzenfußballers, dass er sich nur auf das nächste Spiel fokussieren kann, das ist Gladbach. Juventus ist danach", sagte van Gaal stattdessen und versicherte für sich: "Ich habe mich nur mit Gladbach beschäftigt."(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Signal zur Aufholjagd

Zum Bundesliga-Match gegen die "Fohlen" (ab 20 Uhr LIVE) mahnt der Fußball-Lehrer also zur totalen Konzentration und Pflichterfüllung im Alltag.

Van Gaal gibt damit vor allem zu verstehen, dass sie bei Bayern nach einer bisher enttäuschenden Hinrunde und gegenwärtig nur Platz vier eines gewiss nicht abgeschrieben haben - die Meisterschaft.

"Wir könnten auch auf dem 18. Platz stehen. Aber vor allem sind wir nur sechs Punkte von der Tabellenführung weg", so der Coach auf Nachfrage von Sport1.de, ob es für ihn denn wirklich keinen Unterschied mache, nun statt von einem Mittelfeld-Rang zum nächsten doch vielmehr auf einen Champions-League-Platz springen zu können.

Robben befeuert die Hoffnung

Das tut es nicht - entscheidend ist der Abstand zur Spitze. Verkürzen wollen die Bayern den auch mit Arjen Robbens Hilfe:

Der zuletzt immer wieder ausgefallene Flügelflitzer kehrt gegen Gladbach nach seinen Knieproblemen zurück in den Kader und soll den Schwung entfachen, der den Bayern zuletzt abging.

"Vielleicht 30 Minuten" stellt sich van Gaal auf jeden Fall vor fürs Comeback des 25-Jährigen. Insgeheim wohl sogar mehr, so wie beim wiedererstarkten Ivica Olic.

"Der war sieben Wochen verletzt. Arjen war das nicht", so van Gaal. Und Olic hielt in seinem ersten Spiel von Beginn an gleich 80 Minuten durch. Am nächsten Tag hatte er große Muskelschmerzen, aber er hat das vollbracht. Das ist abhängig von der Persönlichkeit."

Noch "ein Prozess" statt "Flow"

Die Rückkehr zu den Mia-san-mia-Bayern heraufbeschworen hatten kürzlich auch schon Thomas Müller ("Aufbruchstimmung") und Mario Gomez ("Das Gefühl, dass Bayern nie abgeschrieben werden sollte, ist wieder da").

Van Gaal nennt das zwar tiefstaplerisch einen "Prozess, in dem wir sind";

Er sieht sich mit den Bayern genausowenig in "einem Flow" wie die seit fünf Spielen ungeschlagenen Gladbacher ("Sie sind schwer zu schlagen und gut organisiert").

Barca und Chelsea als Vorbilder

Zweifel daran, dass die Bayern ihren Mini-Lauf nach zuletzt zwei Siegen gegen Maccabi Haifa (1:0) und in Hannover (3:0) abreißen lassen, dürfte van Gaal ernsthaft aber wohl kaum hegen. 110436(Diashow: Die Wechselbörse)

"Ich habe ein gutes Gefühl", sagt er, und klingt dabei fast verräterisch-übermütig:

"Im Positionsspiel den Gegner auseinander spielen, das können zur Zeit nur Chelsea und Barcelona, vielleicht noch Real Madrid. Dahin will ich Bayern entwickeln. Vielleicht schaffen wir das noch in dieser Saison."

Gedanken an Juve sind offiziell tabu - doch van Gaal hat ohnehin Größeres im Sinn.

Rummenigge erhöht Druck

Auch die Bayern-Bosse machen keinen Hehl aus ihren höheren Ansprüchen:

"Es gilt jetzt nachzulegen, um weiter in die Spitzengruppe vorzudringen", fordert Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge unmissverständlich.

Uli Hoeneß haut beim DSF in die gleiche Kerbe: "Wir wollen den kleinen Lauf konservieren."

Und anders als van Gaal redet der Neu-Präsident schon von der Königsklasse, in der das Aus mit einem Sieg gegen Juve noch abgewendet werden kann: "Wir haben es selbst in der Hand, müssen nicht auf Bordeaux oder Haifa schauen."

Ribery gegen Juve dabei?

Dass dann womöglich gar auch Franck Ribery wieder mitmischt, würde nicht komplett verwundern. Van Gaal sagt dazu lapidar, auch Hamit Altintops Comeback soll "in ein oder zwei Wochen" folgen.

Eventuell schon im Duell mit Gladbach dabei ist der am Ellbogen verletzte Miroslav Klose - während Alexander Baumjohann auch gegen seinen Ex-Klub zuschauen wird.

Luca Toni spielt nach seinem Verwürfnis mit van Gaal sowieso keine Rolle mehr, dürfte den Klub im Winter verlassen.

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