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Nationalspieler Per Mertesacker hat bei Werder Bremen noch einen Vertrag bis 2012 © imago

Eine Reise in die Vergangenheit: Der Bremer Abwehrhüne begegnet gegen 1899 Hoffenheim seinem "Ziehvater" und Förderer.

Von Christian Paschwitz

München - Es war an einem Samstag Nachmittag im November 2003 in Köln. Gegen 16.15 Uhr war der Arbeitstag da schon wieder beendet für Per Mertesacker.

Weil es Ralf Rangnick so wollte. Der war damals bei Hannover 96 Trainer des späteren Nationalspielers und wechselte ihn nach einer schwachen Leistung und 45 Minuten aus.

Es war Mertesackers Bundesliga-Premiere. Eine unrühmliche.

Rangnick als Debütant

An diesem Samstag (ab 15 Uhr LIVE) kreuzt Rangnick erstmals in seiner Funktion als Chefcoach bei 1899 Hoffenheim die Wege mit Mertesacker, der mittlerweile 133 Bundesliga-Spiele (zehn Tore) auf dem Buckel hat und zur unumstrittenen Größe in Werder Bremens Defensive gereift ist.

Eine interessante Begegnung, sportlich sowieso: Schließlich kommt der Aufsteiger als Tabellenzweiter ins Weser-Stadion.

Und Mertesacker sieht das eigene Team um Bayern-Schreck Mesut Özil nach der 5:2-Gala in Bayern in der Pflicht, den Aufwärtstrend nach dem "zu holprigen Saisonstart" zu bestätigen: "Wir müssen zeigen, dass wir verdient in München gewonnen haben."

Ausrutscher im Pokal

Die Hoffenheimer um Top-Torjäger Vedad Ibisevic (schon sechs Treffer) wollen den Beweis antreten wollen, dass das 1:3 im DFB-Pokal beim SC Freiburg ein Ausrutscher war - die furiosen Liga-Auftritte wie zuletzt gegen Dortmund (4:1) aber keineswegs.

Menschlich lebt das Duell jedoch vor allem von den Protagonisten Rangnick und Mertesacker, der wegen einer Grippe lange um seinen Einsatz gegen Hoffenheim bangen musste: Denn Rangnick ist für den 23-Jährigen, dem er nach dem misslungenen Auftritt gegen Köln sogleich eine zweite Chance gab, mehr väterlicher Freund als bloßer Wegbereiter für die Bundesliga-Laufbahn.

"Eine ganz wichtige Person"

Mertesacker hängt das nicht an die große Glocke. Er belässt es am liebsten bei dem Satz: "Ralf Rangnick ist für mich eine ganz wichtige Person."

Doch das greift zu kurz, um das besonderes Verhältnis zwischen Trainer und Innenverteidiger zu skizzieren: Mertesacker war 19, als er auf dem Gymnasium in Hemmingen sein Abitur baute (Note 2,8) - gewissermaßen mit Rangnick.

Dem studierten Sport- und Englischlehrer war es wichtig, dem strebsamen Mertesacker zu helfen beim Spagat zwischen Profi-Fußball und Schulabschluss.

Dialog mit den Lehrern

"Quasi als eine Art Schülerlotse", schreibt dazu der "Weserkurier". Und Mertesacker erinnert: "Er hat mich in die Schule begleitet und darauf geachtet, dass das auch alles läuft." Bemerkenswert: Rangnick suchte damals sogar den Dialog mit den Lehrern seines Schützlings in der Carl-Friedrich-Gauß-Schule.

Verständlich daher, dass Mertesacker seinen Mentor ungemein wertschätzt - und als Warner auftritt im Werder-Lager, das zum ersten Mal seit über einem Jahr alle Mann an Bord hat. Auch Torsten Frings. "Wenn eine Mannschaft seine Philosophie beherrscht, kann das gut laufen wie bei uns damals in Hannover", sagt Mertesacker.

Rangnick, der den zuletzt geschonten Luiz Gustavo und den kritisierten Keeper Ramazan Özcan aufbieten dürfte, gibt die warmen Worte seit jeher gern zurück: "Per ist einfach ein toller Junge."

"Merte wird seinen Weg machen"

Während der gemeinsamen Zeit bei 96 zeigte er sich auch darüber beeindruckt, wie sein Zögling den Zivildienst in einer geschlossenen Anstalt für geistig Behinderte leistete.

"Merte wird seinen Weg auch im Fußball machen", hatte Rangnick damals trotz der von ihm verhängten Halbzeit-Höchststrafe in Köln gesagt.

An diesem Samstag wäre es ihm wohl aber am liebsten, könnte er Mertesacker noch mal nach 45 Minuten runternehmen.

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