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Pierre Wome (l.) bereitete den Kölner Siegtreffer vor © getty

Der angeschlagene Aufsteiger bringt Tabellenführer Schalke die erste Saisonpleite bei und inspiriert seinen Trainer zu blumiger Sprache.

Köln - Ungläubig schauten sich die Stars von Schalke 04 im rheinischen Trubel nach dem Schlusspfiff an.

Erste Saisonniederlage und der Verlust der Tabellenführung - und das durch ein verdientes 0:1 (0:1) beim angeschlagenen Aufsteiger 1. FC Köln.

"Köln hat uns absolut überrascht, obwohl wir gewarnt haben", sagte der verblüffte Manager Andreas Müller nach der enttäuschenden Vorstellung seiner Königsblauen und der ersten Punktspielpleite nach 11 Spielen.

Ob die millionenschweren Neuzugänge Jefferson Farfan oder Orlando Engelaar, der zuletzt bärenstarke Nationalspieler Heiko Westermann oder der ohnehin in einer Krise steckende Kollege Kevin Kuranyi - das Schalker Star-Ensemble erlebte ein böses Erwachen.

"Die erste Niederlage auf Schalke tut immer weh. Man konnte sehen, dass wir noch nicht so groß sind, ein solches Spiel zu gewinnen", sagte Fred Rutten nach der ersten Bundesliga-Pleite als Schalke-Trainer.

Köln ging mit dem psychologischen Druck von zwei Bundesligapleiten in Folge und dem peinlichen Pokal-Aus in Mainz ins Spiel - und kaufte den Gästen trotzdem den Schneid ab, rannte, presste, provozierte Ballverluste und erarbeitete sich den hochverdienten Sieg durch das Kopfball-Tor von Innenverteidiger Youssef Mohamad (43.).

Den Spruch des Abends dazu lieferte der ebenfalls schwache Neuzugang Engelaar: "Hier kannst du nicht erwarten, lecker Fußball zu spielen."

Nikosia als Wiederaufbaugegner

Am Donnerstag kann sich Schalke mit dem UEFA-Cup-Rückspiel gegen APOEL Nikosia (18.15 Uhr) und dem mehr als wahrscheinlichen Einzug in die Gruppenphase das Selbstvertrauen für das folgende Punktspiel gegen den VfL Wolfsburg holen.

"Ich sage immer: Man darf nur 24 Stunden traurig sein oder kurz feiern. Wir sind Profis, das nächste Spiel ist am Donnerstag", sagte Rutten.

In Köln herrschte derweil eine Stimmung wie nach den erfolgreichen Aufstiegsspielen gegen Hoffenheim und Mainz, wie Nemanja Vucicevic feststellte. Auf der Ehrentribüne klaschte sich die Vereinsführung ab, Präsident Wolfgang Overath stand die Genugtuung ins Gesicht geschrieben.

Daums Gleichnis vom Samenkorn

"Diesen Sieg hat sich die Mannschaft mit Teamleistung verdient", sagte der Weltmeister von 1974, für den der erste Heimsieg der Saison ein vorzeitiges Geschenk zum 65. Geburtstag am Montag war.

"Es ist Leben in der Mannschaft", sagte Kapitän Milivoje Novakovic, der nach dem 0:2 in Bielefeld vor Wochenfrist noch öffentlich die Mutlosigkeit seiner Kollegen beklagt hatte.

In Hochform war einmal mehr FC-Coach Christoph Daum. "Es ist wie bei einem Samenkorn: Jeden Tag guckst du raus, wann kommt es? Gießen, gießen - und dann sieht man etwas. Oder wie der Engländer sagt: The picture tells the story", meinte der extrovertierte Fußball-Lehrer.

"Potenzial in der Mannschaft"

Daum hatte immer betont, dass sein Team sich erst in die Liga reinspielen müsse, das könne schon bis Oktober dauern. Zumindest das Schalke-Ergebnis gibt ihm Recht.

Daum: "Ich sehe Potenzial in der Mannschaft, es ist ein Geduldsspiel. Wir sind auf einem guten Weg, heute hat man es mit etwas Zählbarem gesehen. Hoffentlich zieht die Mannschaft daraus etwas Selbstvertrauen für die nächsten Spiele."

Mit sieben Punkten reist der FC nun zum rheinischen Duell beim Erzrivalen Borussia Mönchengladbach.

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