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Verzweiflung und Enttäuschung: Markus Babbel kommt mit dem VfB nicht aus der Krise © imago

Nach dem 1:1 gegen Bochum berät Stuttgarts Vorstand über die Zukunft des Teamchefs. Das Sonntagstraining wird abgesagt.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - Das Pulverfass VfB Stuttgart steht unmittelbar vor der Explosion.

Nach dem enttäuschenden 1:1 (0:0) im Kellerduell gegen den VfL Bochum soll Manager Horst Heldt Konsequenzen in Erwägung ziehen und wolle so wie bisher nicht weitermachen.

Das berichtet zumindest die ARD.

Auch ein freiwilliger Rückzug von Teamchef Markus Babbel wäre keine große Überraschung mehr. Mit bleichem Gesicht stand Babbel nach dem Last-Minute-Ausgleich der Bochumer vor der Presse, sagte aber auch:

"Man muss sich Zeit nehmen, das sacken zu lassen. Otto Rehhagel hat schon gesagt, man solle keine Entscheidungen aus der Emotion heraus treffen."

Training abgesagt

Am Sonntagmorgen wurde das übliche Vormittagstraining kurzfristig abgesagt. Der Vorstand tagt an. Die Spieler sollen sich bereithalten, können jederzeit zum Vereinsgelände bestellt werden.

Dass Konsequenzen aus dem zehnten sieglosen Heimspiel in Folge folgen können, liegt aber nicht nur an dem, was die Mannschaft auf dem Rasen der Mercedes-Benz-Arena bot. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Krawalle vor und nach dem Spiel

Auch die teils hässlichen Begleiterscheinungen außerhalb des Platzes dürften die Stuttgarter Verantwortlichen zum Nachdenken bewegen. Schon vor dem Spiel blockierten gut 100 Fans die Zufahrt des VfB-Mannschaftsbusses zum Stadion, zündeten ein bengalisches Feuer an. Die Polizei musste eingreifen.

In der Arena wendeten die treuesten Fans in der Cannstatter Kurve den Spielern den Rücken zu, zeigten ein Plakat mit der Aufschrift: "Euer Kredit ist verspielt". Keine Anfeuerungen waren zu hören, stattdessen schon früh Pfiffe und "Wir haben die Schnauze voll"-Gesänge.

Die setzten sich nach dem Spiel vor dem Stadion fort, wo sich hunderte frustrierte Anhänge einfanden. Es kam zu Krawallen, wieder musste die Polizei eingreifen, Ordner sollen verletzt worden sein. 181285(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

"Angst, dass es eskaliert"

"Man muss Angst haben, dass das weiter eskaliert", sagte Heldt. Für den gewaltfreien Teil der Unmutsäußerungen des Anhangs hatte er aber auch Verständnis: "Das ist bitter, weil die Mannschaft Unterstützung braucht, aber wir müssen das akzeptieren."

In die gleiche Kerbe schlug auch Coach Babbel. "Es ist nicht angenehm, wenn man merkt, dass die Zuschauer nicht hinter einem stehen, sondern gegen einen sind. Das ist aber auch legitim, weil die Leistungen und die Resultate nicht gut waren", sagte er.

Grausame erste Halbzeit

Die Vorstellung des VfB in der ersten Hälfte diente als erschreckender Beweis dafür, dass die fehlende Unterstützung von den Rängen die Schwaben erst recht Richtung Abstieg treiben könnte. Fehlpässe, Standfußball und defensive Anfälligkeiten kennzeichneten eine grausame Stuttgarter Vorstellung in den ersten 45 Minuten.

Zwar steigerten sich die Gastgeber in der zweiten Hälfte gegen abwartende Bochumer. "Nach der Ansprache in der Halbzeit war es besser, da haben wir das gezeigt, was wir von Anpfiff an zeigen wollten und sind auch verdient in Führung gegangen", stellte Babbel zurecht fest.

Allerdings brachten die Stuttgarter den so dringend benötigten Sieg in Überzahl - der eingewechselte Diego Klimowicz sah für ein gelbwürdiges Foul an Serdar Tasci von Schiri Lutz Wagner Rot - nicht über die Zeit. Christian Fuchs glich mit einem sehenswerten Freistoß kurz vor Schluss aus.

"Ein Spiegelbild vom negativen Lauf"

Die Reaktion auf Seiten des Tabellen-16. aus Stuttgart - das blanke Entsetzen. "Dieses Spiel war ein Spiegelbild des negativen Laufs, den wir momentan haben", sagte Ludovic Magnin.

Neu-Kapitän Matthieu Delpierre stellte deprimiert fest: "Wir können nachvollziehen, dass die Fans enttäuscht sind. Aber wir sind auch enttäuscht."

Welche Konsequenzen das achte Ligaspiel ohne Sieg in Folge letztlich hat, war am Samstagabend nicht absehbar.

Privatfehde zwischen Wagner und Klimowicz

Die Stuttgarter Probleme waren den Bochumern natürlich herzlich egal. Trainer Heiko Herrlich freute sich über eine Serie von drei Spielen ohne Niederlage und einen "absolut verdienten" Punktgewinn.

Nur der Platzverweis für den erst in der 81. Minute eingewechselten Klimowicz sorgte für Verstimmung. Der Argentinier flog in der Bundesliga zum vierten Mal in seiner Karriere vom Platz. Zum vierten Mal hieß der Schiedsrichter, der ihn des Feldes verwies, Lutz Wagner.

"Man könnte denken", scherzte Klimowicz' Mitspieler Marcel Maltritz, "dass Diego ihm mal die Frau ausgespannt hat und er deshalb auf der Liste bei ihm steht."

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