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Uli Hoeneß (M.) ist seit gut einer Woche Präsident des FC Bayern © imago

Der Bayern-Präsident hat eine Zukunft des Stürmers in München nicht abgehakt. In Turin fordert er eine "breite Brust".

Von Christian Stüwe

München - Die Hinrunde des FC Bayern München war mehr als durchwachsen, der neue Trainer Louis van Gaal wackelte zwischenzeitlich bedenklich. Doch der Trend der Münchner zeigt nach oben.

Nach dem Sieg gegen Gladbach ist in der Bundesliga der Kontakt zur Tabellenspitze wieder her gestellt. Und auch in der Champions League, wo die Münchner schon mit dem Rücken zur Wand standen, kann der Rekordmeister mit einem Sieg bei Juventus Turin (Di., ab 20.15 Uhr LIVE) aus eigener Kraft den Einzug in die nächste Runde schaffen.

Kein Wunder also, dass sich Uli Hoeneß, nun als frisch gewählter Präsident, wieder einmal zu Wort meldet und die Besinnung auf alte Stärken fordert.

"Der Sieg gegen Gladbach war sehr wichtig. Man muss mit breiter Brust nach Turin fahren und das kann man, wenn man das Spiel vorher gewinnt", sagte Hoeneß bei "LIGA total".

"Chancen stehen fifty-fifty"

Vor dem Spiel in Italien sieht Hoeneß seine Bayern schon wieder auf Augenhöhe mit einem der großen Klubs Europas: "Juve kann nicht auf Unentschieden spielen. Die Turiner müssen in der 88. Minute noch damit rechnen, einen Treffer zu erhalten. Insofern sage ich, die Chancen stehen fifty-fifty."

Weihnachten naht, mit einem Sieg in Turin könnte der FC Bayern in allen drei Wettbewerben aussichtsreich überwintern. Kein Wunder also, dass Hoeneß zufrieden zu sein scheint. Denn auch die Brandherde der Hinrunde scheinen zu erlöschen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Annäherung zwischen van Gaal und Toni?

Allen voran wäre hier Luca Toni zu nennen. Der italienische Weltmeister spielte unter van Gaal keine Rolle und verkündete zuletzt lautstark seine Wechselabsichten.

Doch ein Verkauf scheint kein Thema. "Dazu müsste er ja zu uns kommen und uns darum bitten. Das hat er bisher nicht getan", erklärte Hoeneß.

Eine Zukunft des Stürmers in München scheint nicht ausgeschlossen: "Im Moment hat sich das ziemlich beruhigt, und es gibt auch eine gewisse Annäherung zwischen Trainer und Spieler. " 110436(Diashow: Die Wechselbörse)

Erneute Kritik an Lahms Berater

Ein zweiter großer Aufreger der Hinserie war Philipp Lahms Interview, in dem er unter anderem die Transferpolitik der Münchner kritisierte. Hoeneß' Zorn auf Lahm scheint größtenteils verflogen, auch wenn er die Kritik an dessen Berater Roman Grill erneuert.

"Grundsätzlich haben wir bei Jahreshauptversammlung alle gesagt, dass wir sicherlich Fehler in den letzten Jahren gemacht haben und auch bereit sind, diese einzugestehen und zu diskutieren", sagte der 57-Jährige.

Kritik ja, aber nicht in der Öffentlichkeit

"Philipp hat aber den Fehler gemacht, das er nicht einmal bei uns war, bis das Interview in der "SZ" erschienen ist", so Hoeneß weiter: "Sein Berater hatte ja lanciert, dass das Interview quasi ein Hilferuf sei. Obwohl er ganz genau weiß, dass das nicht so war."

Kritik ja, aber nicht in der Öffentlichkeit lautet Hoeneß' Credo: "Wenn ein Lahm oder ein anderer eine Idee hat, soll er zum Vorstand kommen. Dann wird diskutiert und wenn er dann das Gefühl hat, es wird nichts verändert, kann er immer noch an die Öffentlichkeit gehen."

Festlegung auf starres System ist Schwachsinn

Besonders der Vorwurf der unklaren Philosophie scheint Hoeneß getroffen zu haben. In diesem Punkt widerspricht er Lahm nach wie vor energisch.

"Wenn jemand eine klare Idee hat, finde ich das toll. Die Festlegung auf ein starres System ist allerdings totaler Schwachsinn - weil sie dann nie einen Trainer wie van Gaal bekommen würden", so Hoeneß: "Franz Beckenbauer hat es gesagt: Eine große Mannschaft muss heute in der Lage sein, verschiedene System zu spielen."

"Abteilung Attacke" ruht noch

Auch als Präsident bleibt Hoeneß also der "Lautsprecher" des FC Bayern.

Während er die Mannschaft vor dem Spiel in Turin aber in die Pflicht nimmt, lässt er zumindest in der Bundesliga die "Abteilung Attacke" noch ruhen und schiebt Bayer Leverkusen die Favoritenrolle zu.

"Die Mannschaft spielt im Moment einen hervorragenden Fußball und ist für mich sicher der Favorit oben", erklärte Hoeneß: "Wir müssen auf die sehr aufpassen, denn es scheint so, dass ihnen Jupp Heynckes die Flausen ausgetrieben hat."

An den fast schon obligatorischen Einbruch der Werkself glaubt Hoeneß nicht: "Bisher war es immer so, dass sie bis Weihnachten oben sind und dann brechen sie ein. Das glaube ich dieses Jahr nicht."

Vielleicht will der Bayern-Präsident die Konkurrenz aber auch nur in Sicherheit wiegen. Der langjährige Weggefährte Heynckes wird die Worte zu deuten wissen.

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