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Markus Babbel war als Spieler und Trainer insgesamt fünf Jahre in Stuttgart © getty

Der VfB Stuttgart hat sich von seinem Teamchef getrennt haben. Der Schweizer Christian Gross tritt seine Nachfolge an.

Stuttgart - Markus Babbel ist nicht mehr Teamchef des VfB Stuttgart.

Einen Tag nach dem 1:1 (0:0) im Kellerduell gegen den VfL Bochum haben sich die Schwaben von dem 37-Jährigen und seinen Assistenten Rainer Widmayer und Alexander Zorniger getrennt.

Der Schritt war abzusehen gewesen, nachdem sich die VfB-Offiziellen am Samstag in einer dreistündigen Krisensitzung beraten hatten und das Vormittagstraining am Sonntag abgesagt worden war.

Neuer Mann auf der Kommandobrücke ist der Schweizer Christian Gross, der von 1999 bis 2009 den FC Basel betreute.

"Retten, was noch zu retten ist"

"Ich bin hier um zu retten, was noch zu retten ist", sagte der 55-Jährige, der mit seiner Rettungsaktion sofort begann: Noch am Abend musste die Mannschaft zum Training anrücken.

"Ich will mit der Mannschaft zurück auf die Siegerstraße", erklärte Gross.

Acht Bundesligaspiele ohne Sieg

Sportdirektor Horst Heldt machte einen sehr angeschlagenen Eindruck. "Es enttäuscht schon sehr, dass wir diesen Schritt machen mussten. Letztendlich geht es aber nicht um einzelne Personen, sondern um den VfB Stuttgart", sagte Heldt und erläuterte den Ablauf der Entscheidung:

"Der Samstag war sicherlich ein entscheidender Tag, an dem wir uns gemeinsam dazu entschlossen haben, diesen Weg zu gehen."

Babbel wünscht Nachfolger viel Glück

Babbel nahm seine Entlassung äußerlich gelassen hin. "Es geht nur noch um den VfB und dafür muss alles getan werden", meinte er auf der Stuttgarter Pressekonferenz.

"Daher gibt es nur diese eine Maßnahme, uns freizustellen. Ich wünsche dem neuen Trainerteam alles Gute. Ich hoffe, dass sie den Knopf finden und drücken, damit die Mannschaft wieder funktioniert. Ich habe ihn nicht gefunden."

Rücktrittsangebot schon am Samstag

Pressemeldungen zufolge hatte Babbel Heldt noch am Samstagabend seinen sofortigen Rücktritt angeboten.

"Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Mein Trainerteam und ich haben alles dafür gegeben, dass es dem VfB gut geht", meinte Babbel. "Aber ich bin zu lange im Geschäft und weiß, dass am Ende ein Schlussstrich steht, wenn die Ergebnisse ausbleiben."

Stuttgart liegt nach acht Bundesligaspielen ohne Sieg und nur 12 Punkten aus 15 Spielen auf Platz 16, der am Saisonende in die Relegation führen würde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Kritik am Anhang

Babbel übte heftige Kritik am Verhalten des Stuttgarter Anhangs in den letzten Wochen: "Obwohl ich schon lange im Fußballgeschäft bin, habe ich solche Szenen wie am Samstag noch nicht erlebt. Selbst die sogenannten Fußball-Millionäre haben es nicht verdient, dass ihnen ein solcher Hass und sogar Mordgesten entgegengebracht werden."

Nach der Tragödie um Robert Enke hätten sich viele zu Wort gemeldet "und erklärt, was wir daraus alles lernen müssen. Was am Samstag passiert ist, zeigt mir, dass das nur Heuchelei war. Die ganze Fußball-Branche hat aus der Tragödie um Robert Enke gar nichts gelernt", sagte Babbel weiter.

"Wir hatten am Samstag zwei 19-Jährige auf dem Platz, die Angst hatten. Das war zum Großteil ein Verschulden der Fans."

Trainerschein nächstes Ziel

Er selbst werde jetzt versuchen, seinen Trainerlehrgang erfolgfreich zuende zu bringen: "Ich bin froh, wenn ich den Trainerschein habe."

Am Mittwoch hat der VfB die Möglichkeit, mit einem Sieg gegen den rumänischen Meister Unirea Urziceni ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen.

"Da müssen wir gewinnen, erst wenn man gewinnt, macht es wieder Spaß", sagte Gross.

Trennung nach einem Jahr als Chef

Babbel, Europameister von 1996, war 2007 noch als Spieler an der fünften deutschen Meisterschaft der Schwaben beteiligt.

Nach eineinhalb Jahren als Assistenztrainer von Armin Veh übernahm er nach dessen Entlassung am 23. November 2008 selbst die Verantwortung.

Bester Rückrunde folgt der Absturz

Unter Babbel spielte der VfB die beste Rückrunde seiner Klubgeschichte, belegte in der Bundesliga Rang drei und erreichte nach den zwei Qualifikationsspielen gegen den FC Timisoara aus Rumänien die Champions League.

In dieser Saison folgte der Absturz. 181285(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

Babbel ist der 319. Trainer in der Geschichte der Bundesliga, der vorzeitig seinen Posten räumen muss.

Erfolgsbilanz von Gross

Gross feierte Mitte der Neunziger Jahre miit dem Grasshopper-Club Zürich zwei Meisterschaften (1995, 1996) und qualifizierte sich jeweils für die Champions League. Zudem gelang seinem Team der Gewinn des Schweizer Cup (1994).

1997 wechselte er in die Premier League zu den Tottenham Hotspur, die er bis 1998 betreute. Im Juli 1999 heuerte der ehemalige Bochumer Bundesligaprofi (29 Einsätze) beim FC Basel an. Diesen führt er nach drei Jahren zum ersten Meistertitel seit 1980.

Es folgten noch drei weitere (2004,2005, 2008) und Erfolge im Schweizer Cup (2002, 2003, 2007, 2008). Gross wurde bereits neun Mal zum Schweizer Trainer des Jahres gewählt.

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