DSF-Experte Udo Lattek schreibt in seiner Kolumne über die Befreiung, entlassen zu werden - und sieht die Fan-Kultur kritisch.

Hallo Fußball-Freunde,

Nun hat sich der VfB Stuttgart doch entschlossen, Teamchef Markus Babbel zu entlassen.

Für Babbel könnte das sogar eine Befreiung sein, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. 1975 wurde ich beim FC Bayern entlassen, nachdem ich mit der Mannschaft zuvor Europapokalsieger und deutscher Meister geworden war. Aber die Spieler kamen von der Weltmeisterschaft zurück, wir haben nur Freundschaftsspiele gemacht.

Irgendwann wurde der Druck dann so groß, dass ich richtig befreit war, als ich entlassen wurde. Ich habe praktisch darauf gewartet, weil ich keinen Ausweg mehr sah.

Dass die Fans am Samstag in Stuttgart protestiert haben, ist verständlich. Grundsätzlich hat der Fan eigentlich immer Recht.

Aber sich vor dem Spiel vor den Bus zu stellen, egal ob es 500 oder 1000 Menschen waren, ist nicht im Sinne der Mannschaft. Wenn sie es nach dem Spiel machen, wenn sie entsetzt sind über die Leistung der Mannschaft, kann ich das nachvollziehen. Dazu haben sie absolut das Recht.

Aber indem sie sich vorher so positionieren, schaden sie der Mannschaft und dem Verein, deswegen kann ich das nicht verstehen.

Man sagt immer, die Profis sind knallhart, aber das sind sie nicht: Sie sind vor einem Spiel sehr sensibel. Sie beschäftigen sich dann mehr mit den Fanaufständen, als mit dem Spiel an sich. Dadurch gehen sie verunsichert in die Partie, das ist als Basis natürlich nicht gut für den Erfolg.

Grundsätzlich denke ich, dass die Ultras eine sehr große Gefahr sind. Sie sind diejenigen, die den Fußball kaputt machen und ihn nicht lieben.

Die kommen nicht, um ein gutes Fußballspiel zu sehen oder die Mannschaft anzufeuern, sondern nur um Randale zu machen - da muss man höllisch aufpassen.

Aber auch teaminterne Abläufe könnten für den Absturz des VfB verantwortlich sein. Die Mannschaft weiß, dass einige Spieler sehr viel Geld verdienen. Wenn sie nicht funktionieren, kommt automatisch ein Riss in die Gruppe.

Da heißt es dann: "Manche Spieler verdienen so und so viel Geld, die sollen das selbst auf die Reihe bekommen." Missgunst und Neid sind mit das Schlimmste, was einer Mannschaft passieren kann.

Da hat man als Trainer kaum noch Einfluss.

Euer Udo Lattek

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