In seiner Sport1.de-Kolumne schreibt Huub Stevens über die Babbel-Entlassung und die schwierige Aufgabe für Christian Gross.

Hallo Fußball-Freunde,

es ist schon erstaunlich, wie schnell der VfB Stuttgart am Sonntag die Verpflichtung von Christian Gross perfekt gemacht hat. Ich glaube, das war schon vorbereitet, sonst hätte es nicht so schnell gehen können.

Es ist schade für Markus Babbel, dass es so gelaufen ist. Aber wenn Stuttgart sich schon auf einen neuen Trainer festgelegt hat, war wohl schon vorher bekannt, was bei einem Misserfolg passieren würde. Da wird dann nur noch auf ein Spiel gewartet, nach dem man die endgültige Entscheidung trifft.

Den Zeitpunkt des Trainerwechsels halte ich für sehr schwierig. Vor so einem wichtigen Spiel wie dem am Mittwoch in der Champions League gegen Urziceni den Coach zu wechseln ist gefährlich.

Auf der einen Seite hoffen die Verantwortlichen natürlich auf einen Effekt bei den Spielern, die jetzt Leistung bringen müssen. Auf der anderen Seite will man als Trainer aber eigentlich mehr Zeit haben, um sich zurechtzufinden.

Die Situation in Stuttgart jetzt erinnert mich ein bisschen an 2007, als ich in Hamburg den Trainerposten von Thomas Doll übernommen habe. Der Unterschied ist nur, dass Christian Gross etwas mehr Zeit hat als ich sie damals hatte.

Er muss jetzt von allen Beteiligten die volle Unterstützung bekommen. Von den Spielern wird er sie haben, das ist klar. Denn die müssen jetzt etwas zeigen, was natürlich ein Vorteil ist: Wenn ein Trainer entlassen wird, stehen die Spieler in der Pflicht.

Gross ist ein erfahrener und guter Trainer, das sieht man an seinen Erfolgen in Basel. Der passt gut in die Bundesliga. Aber: Für ihn ist es nicht einfach, die Mannschaft innerhalb von nur drei Tagen auf ein enorm wichtiges Champions-League-Spiel vorzubereiten.

Er hat die Erfahrung, um das zu schaffen, aber er muss sich ganz schnell bei denen umhören, die vorher schon da waren.

Große Maßnahmen kann er nicht ergreifen, das geht in drei Tagen nicht. Dafür braucht man 14 Tage oder drei Wochen. Er wird vor allem viel zuhören.

Wenn er tatsächlich schon länger mit dem VfB im Kontakt war, hat er sich vielleicht ja auch schon ein paar Spiele angeguckt.

Markus Babbel hat in den letzten Wochen unglaublich unter Druck gestanden. Jetzt im Moment ist die Entlassung sicherlich hart für ihn, aber es ist wahrscheinlich auch eine Befreiung.

Das habe ich damals bei Hertha BSC auch so empfunden, als wir die Entscheidung getroffen haben, uns zu trennen.

Die von Babbel kritisierte Reaktion der Fans in Stuttgart ist zwar verständlich, aber wenig hilfreich.

Als wir 2007 in Hamburg in der schwierigen Situation waren, haben die Fans hinter der Mannschaft gestanden. Das war so toll, dass etwas zusammen gewachsen ist, was uns im Nachhinein stärker gemacht hat.

Da haben die Fans ein sehr gutes Vorbild gegeben, wie man reagieren sollte.

Natürlich sind Anhänger enttäuscht, aber Spieler vor dem Spiel zu beschimpfen, das geht einfach nicht. Das erzeugt zu viel Druck und ist kontraproduktiv.

Bis nächste WocheEuer Huub Stevens

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