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Christian Gross wurde als Trainer sechs Mal Meister in der Schweiz © getty

Der Abstiegskampf soll für den neuen VfB-Coach nur eine Zwischenstation sein. Präsident Erwin Staudt kritisiert Markus Babbel.

Stuttgart - Als die Profis des VfB Stuttgart am Sonntagabend beim ersten Training unter Christian Gross von den Anforderungen ihres neuen Trainers hörten, wäre ein Englisch-Wörterbuch für viele Spieler sicher hilfreich gewesen.

"Ich verlange volles Commitment", betonte der Schweizer gleich mehrfach bei seiner Vorstellung und stellte damit etwas in den Mittelpunkt seiner Arbeit, was die Schwaben unter Ex-Teamchef Markus Babbel zuletzt vermissen ließen: Hingabe.

Gross ließ keinen Zweifel daran, was er unter Hingabe versteht.

"Ich verlange von den Spielern immer volle Leidenschaft, das habe ich in den 20 Jahren, in denen ich nun Trainer bin, immer getan. Man kann ein Spiel verlieren, wenn der Gegner besser ist, aber wenn der Gegner schlechter ist, dann explodiere ich", sagte der 55-Jährige.

Gross hatte sich im Sommer nach zehn Jahren als Trainer des FC Basel mit dem Bruce-Springsteen-Hit "Tougher than the Rest" (Härter als der Rest) verabschiedet.

Champions League und Abstiegskampf

Ob der frühere Profi des VfL Bochum tatsächlich härter als der Rest ist, wird sich bereits am Mittwoch zeigen.

Dann kann der VfB trotz die bisher verkorkste Saison beschönigen und mit einem Sieg gegen den rumänischen Vertreter Unirea Urziceni (ab 20.15 Uhr LIVE) ins Achtelfinale der Champions League einziehen.

"Darauf liegt der Fokus", erklärte Gross, der auf nationaler Ebene den Kampf um den Klassenerhalt ausgerufen hat: "Wir sind voll im Abstiegskampf. Ich will, dass wir in jedem Spiel um jeden Zentimeter kämpfen."

"Ich möchte um Titel spielen"

Wenn es nach Gross geht, dann ist der Kampf gegen den Abstieg aber nur eine vorübergehende Episode. Langfristig will der gebürtige Züricher, dem der frühere VfB-Profi Jens Keller als Assistent zur Seite steht, hoch hinaus. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Mittelmaß ist mir zu langweilig. Diese Grauzonen hasse ich. Ich will dort sein, wo sich etwas bewegen lässt. Ich möchte möglichst um Titel spielen", erläuterte Gross. Bei seinem einzigen Engagement außerhalb der Schweiz beim englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur saß er allerdings nur ein knappes Jahr auf der Bank.

Staudt kritisiert Babbel

Während sein Gastspiel im Ausland nicht sonderlich erfolgreich verlief, war Gross bei den Eidgenossen in den vergangenen Jahren der Star der Trainergilde. Sechs Meisterschaften und fünf Pokalsiege feierte er.

Diese Erfolge haben auch die VfB-Chefetage, die den neuen Coach am Samstag kontaktierte und mit einem Vertrag bis Juni 2011 ausstattete, beeindruckt.

"Wir haben einen Mann verpflichtet, der für Erfolg und Erfahrung steht. Der dafür steht, mit jungen Talenten arbeiten zu können, und der sich in der Bundesliga beweisen will", sagte Klubchef Erwin Staudt, der die Vorschusslorbeeren für Gross mit einem Seitenhieb gegen Babbel vermischte:

"Er wird mit der Mannschaft eine klare Sprache sprechen und eine Einheit formen, die wir zuletzt vermisst haben. Markus Babbel hatte in seinem Repertoire nicht die Töne gefunden, um eine Einheit auf den Platz zu schicken." 181285(DIASHOW: Die Bilder des 15. Spieltags)

Heldt-Rücktritt kein Thema

Im Gegensatz zum Ex-Coach wurde Sportvorstand Horst Heldt von Kritik des Präsidenten verschont. Ein Rücktritt des Sportchefs soll nie ein Thema gewesen sein.

"Ich habe nicht den Eindruck, dass er einer ist, der aufgibt", sagte Staudt in Bezug auf Heldt, der bei der Verabschiedung Babbels dennoch einen äußerst niedergeschlagenen Eindruck machte.

"Die Enttäuschung ist schon sehr groß, dass wir so einen Schritt gehen mussten", gestand Heldt.

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