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Cottbus bejubelte den ersten Sieg in der Bundesliga seit Mai © getty

Cottbus beschwört nach dem Sieg in Berlin den Teamgeist, hält aber den Ball flach. Hertha-Kapitän Friedrich ist stocksauer.

Berlin - Hertha-Kapitän Arne Friedrich verzog sich stocksauer mit Schimpftiraden in die Kabine, die Cottbuser feierten unterdessen ihren ersten Saisonsieg als Wiederauferstehung.

"Man hat gesehen, zu was wir fähig sind, wenn alle an einem Strang ziehen. So muss man sich um Cottbus keine Sorgen machen", sagte Kapitän Timo Rost nach dem 1:0 (1:0) von Energie Cottbus in einem äußerst schwachen Berlin-Brandenburg-Derby bei Hertha BSC Berlin.

Vier Tage nach dem Achtelfinale-Einzug im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) gelang den Cottbusern auch in der Liga der erhoffte Befreiungsschlag.

Sieg nicht überbewerten

Mit nun fünf Punkten auf dem Konto brennt die Rote Laterne des Tabellenletzten nicht mehr in der Lausitz.

Doch Trainer Bojan Prasnikar hält den Ball flach: "Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Aber wir werden bis zum Ende im Abstiegskampf stecken."

Auch die Spieler wollten den Sieg bei ihrem Lieblingsgegner Hertha, der vier der letzten fünf Duelle verlor, nicht überbewerten.

"Ekel-Fußball"

Offensichtlich wurde jedoch ein Schlussstrich unter die Querelen der vergangenen Wochen gezogen, in der Grüppchenbildung und öffentliche Kritik die Stimmung im Team geschadet hatten.

Gegen Hertha zeigte das Team wieder die mannschaftlich geschlossene Defensiv-Leistung, mit der der Klub in den vergangenen zwei Spielzeiten den Klassenerhalt erkämpft und die Ex-Spieler Steffen Baumgart einmal als "Ekel-Fußball" bezeichnet hatte.

Beleg für den wiedergewonnenen Kampfgeist war der starke Auftritt von Stanislav Angelov, der grippegeschwächt eine Stunde ackerte und sogar den Siegtreffer des serbischen Stürmers Branco Jelic (13.) mustergültig vorbereitete.

Hertha neben der Spur

So wie beim Gegentor Linksverteidiger Marc Stein stand die komplette Hertha-Mannschaft über die gesamte Spielzeit vollkommen neben der Spur.

Nach dem frühen Rückstand war kein Aufbäumen zu erkennen, die an Harmlosigkeit kaum zu überbietenden Offensivbemühungen quittierten die Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert und dem Spottgesang: "Ihr seid so lächerlich".

Entsprechend angefressen war Kapitän Friedrich. "Eine einzige Katastrophe. Die erste Halbzeit war eine Frechheit. Wir haben keinen Zweikampf gewonnen. Das war unterirdisch. So etwas wie heute verstehe ich nicht", sagte der Nationalverteidiger.

Warnschüsse von Favre

Trainer Lucien Favre teilte die Meinung seines Spielführers. "Es gab zu wenig Bewegung und zu viele technische Defizite", erklärte der Schweizer und betonte dabei jedes seiner Worte, als ob sie als Warnschüsse für seine Spieler vorgesehen waren.

Am Dienstag im Rückspiel der ersten UEFA-Cup-Runde beim irischen Vizemeister St. Patrick's Athletic muss sich Hertha gewaltig steigern, um den angesichts des 2:0-Hinspielsieges fest eingeplanten Gruppen-Einzug nicht noch zu verspielen.

"Wir müssen den Rückschlag so schnell wie möglich verdauen. Es wird nicht einfach", meinte Favre.

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