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Franck Ribery fehlte Bayern drei Monate wegen einer Knöchelverletzung © getty

Klinsmann legt als Trainer den schlechtesten Saisonstart seit 31 Jahren hin. Hoeneß verteidigt den Bayern-Coach, Effenberg nicht.

Von Michael Schulz

München - Auf vier Positionen hatte Jürgen Klinsmann seine Bayern in Hannover gegenüber dem Pokalerfolg gegen Nürnberg verändert, doch die Ausbeute war dieselbe wie im letzten Bundesliga-Spiel gegen Bremen.

Anders als gegen Werder gab es kein 2:5-Debakel, doch auch nach dem 0:1 bei 96 fehlen den Münchnern weitere drei Punkte für das Unternehmen Titelverteidigung.

"Es sind eine Menge Mannschaften vor uns. Die Anblick der Tabelle nervt mich", schimpfte FCB-Manager Uli Hoeneß: "So kann es für uns nicht weitergehen. Sonst wird der Abstand nach oben zu groß."

Und Kapitän Mark van Bommel nahm bereits das K-Wort in den Mund: "Bei Bayern ist eine kleine Krise schon eine große Krise."

Hoeneß verteidigt Rotation

Fünf Zähler hat der derzeitige Neunte Abstand auf Tabellenführer Hamburger SV. Doch am ständigen Wechseln der Startformationen von Klinsmann übte Hoeneß keine Kritik.

"Ich glaube nicht, dass die Niederlage etwas mit der Rotation zu tun hat. Wir sind einfach zu nachlässig ins Spiel gegangen", erklärte er und fügte hinzu: "Außerdem kann man ja wohl nicht sagen, dass die Mannschaft, die auf dem Platz stand, schlechter besetzt ist als die von Hannover 96."

Millionen-Kicker auf der Bank

Schlechter sicherlich nicht, aber für Innenverteidiger Breno und Mittelfeldmann Jose Ernesto Sosa war es die erste Bundesliga-Partie von Beginn an. Beide zeigten ein wenig überzeugende Leistung und passten sich dem Niveau ihrer Teamkollegen an.

Klinsmann leistete sich den Luxus, Lucio und Ze Roberto in München zu lassen und weitere Stars wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder Franck Ribery erst einmal auf der Bank sitzen zu lassen.

Lahm übt Kritik

Einzige Konstante im Klinsmannschen System war neben Michael Rensing, dem beim Freistoßtor von Szabolcs Huszti (23.) keine Schuld traf, Philipp Lahm.

"Wir waren zu unkonzentriert und haben im Spielaufbau zu viele Fehler gemacht", kritisierte der Außenverteidiger.

Lahm sah zwar Fortschritte ("Defensiv waren wir besser als gegen Bremen"), doch auch Defizite: "Nach vorne ging wenig, weil Hannover sich gut verschoben hat."

Der Nationalspieler verteidigte die Rotation seines Trainers, weil dadurch die Spieler wegen der vielen englischen Wochen pausieren könnten.

Schlechtester Saisonstart seit 31 Jahren

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Klinsmann ist für den schlechtesten Saisonstart der Bayern seit 31 Jahren verantwortlich.

Zwei Niederlagen in Folge kassierte München zuletzt im April 2007 in Stuttgart (0:2) und gegen den HSV (1:2).

Der frühere Bayern-Kapitän Stefan Effenberg fällte daher ein vernichtendes Urteil: "Die Bayern stehen dort, wo sie momentan hingehören: ins Mittelfeld. Jetzt müssen sie bis zur Winterpause durchmarschieren."

Klinsmann rotiert weiter

Eine Serie möchte neben Hoeneß auch Klinsmann aufbauen. Doch der Bayern-Coach wird an der Rotation festhalten, "weil auch die andere Spieler ihre Chance verdient haben".

An der seiner Meinung nach "total unnötigen Niederlage, die sehr schmerzt", war eine Situation spielentscheidend:

"Nach dem Freistoßtor kamen wir nicht mehr in unseren Rhythmus", erklärte Klinsmann: "Um das Spiel umzudrehen, hat uns vieles gefehlt: Kreativität, Spielwitz und das Spiel ohne Ball."

Fehlende Aggressivität

Daran konnte auch der in der Pause eingewechselte Frank Ribery nichts ändern. Der Franzose war bemüht, doch oft auf sich allein gestellt.

"Wenn man nicht die nötige Aggressivität zeigt, kann man auch nicht gewinnen", sagte der Mittelfeldspieler.

Historischer Sieg

Ganz anders präsentierte sich Hannover acht Tage nach dem 0:4 in Leverkusen. Die Niedersachsen feierten den ersten Heimsieg gegen die Münchner seit April 1988.

"Wir wussten, dass die Bayern viel rotiert haben und nicht eingespielt sein können", sagte 96-Kapitän Robert Enke: "Das wollten wir ausnutzen. Und es ist uns gut gelungen."

Man habe, so der Nationalkeeper weiter, hinten nicht viel zugelassen. Und in seinem Falle angesichts von bisher zehn Gegentreffern ganz wichtig, "die Schießbude heute abgeschlossen".

"Bayern wird oben dabei sein"

Ein geteiltes Lob gab es auch von Christian Hochstätter. "Es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, aber spielerisch können wir sicherlich mehr", sagte Hannovers Sportdirektor.

Hochstätter zeigte Verständnis für die Münchner: "Man spürt, dass die Spieler massiv unter Druck stehen. Sie sind nicht unbekümmert." Dennoch warnte er die Ligakonkurrenz. "Bayern hat aber eine Riesenqualität und wird am Saisonende oben dabei sein."

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