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Jos Luhukay löste Ende Januar 2007 Jupp Heynckes als Borussia-Coach ab © imago

Bei der schwachen Partie zwischen Hamburg und Gladbach sehen die Trainer nur die positiven Aspekte. Dennoch steht Jos Luhukay in der Kritik.

Von Rainer Nachtwey

Jos Luhukay saß regungslos auf der Bank. Seinen Arm hatte er auf seinem Knie abgestützt und er strich sich mit der Hand durch den Schnurrbart.

Rund zwei Meter entfernt tobte Sportdirektor Christian Ziege und forderte vehement einen Elfmeter.

So unterschiedlich die Reaktionen der sportlichen Führung bei der 0:1-Niederlage von Borussia Mönchengladbach beim Hamburger SV waren, so einheitlich zeigten sich die beiden bei den Interviews nach der Partie - noch.

"Keine Lust zu diskutieren"

Denn nach der fünften Niederlage im sechsten Saisonspiel und dem schlechtesten Bundesliga-Start in Borussias Geschichte steht Luhukay im Kreuzfeuer der Kritik. Und das weiß er auch: "Im Moment stimmen die Ergebnisse nicht, da ist es logisch, dass der Trainer die Kritik auf sich nehmen muss."

Dennoch steht Ziege weiter hinter seinem Trainer, auch wenn er sich kein klares Bekenntnis zum Coach entlocken ließ: "Ich habe keine Lust über Dinge zu diskutieren, die von außen herein getragen werden."

"Sehr, sehr gut gespielt"

Der Sportdirektor konnte der Niederlage in Hamburg sogar noch etwas Gutes abgewinnen: "Ich denke, dass die Mannschaft sehr, sehr gut gespielt hat. Sie hat sehr, sehr gut die Ordnung gehalten. Wir haben leider das Tor nicht gemacht."

Sehr, sehr gut gespielt? Die erste Halbzeit wirft Fragen auf. Null Torschüsse standen bei der Borussia zu Buche und auch der Abwehrverbund, im sechsten Spiel zum sechsten Mal eine unterschiedliche Formation, wirkte nicht immer sicher.

Probleme bei Standards

Vor allem bei Standardsituationen. So fiel schließlich auch das einzige Tor der Begegnung in der elften Minute. Nach einer Freistoßflanke von Thiago Neves verlängerte Gladbachs Patrick Paauwe den Ball an den langen Pfosten, wo Mladen Petric völlig ungehindert gegen die Laufrichtung einnetzen konnte.

Zwar kam der HSV aus dem Spiel heraus selten zu Torchancen, bestimmte aber größtenteils die Begegnung. "Wir haben versucht aus einer geordneten Defensive heraus durch Konter zum Erfolg zu kommen", begründete Paauwe die Passivität im ersten Durchgang. "Aber in der zweiten Halbzeit, vor allem in der letzten Viertelstunde, haben wir sehr viel Druck gemacht."

Mehr Druck durch Marin

Die letzten 20 Minuten waren das einzig Positive der Gladbacher Angriffsbemühungen. Diese verbesserten sich allerdings erst, als Luhukay Marko Marin brachte. Der Nationalspieler war Luhukays Rotation nach der Pokal-Pleite in Cottbus - sechs Spieler raus, sechs rein - zum Opfer gefallen.

Marins Lupfer auf die Latte war die erste gelungene Offensivaktion der Gäste.

Auch an der zweiten war der Nationalspieler beteiligt. Nach seiner Flanke schrammte Rob Friends Kopfball aus fünf Metern nur Zentimeter am linken Torpfosten vorbei.

"Passe sehr gut zur Mannschaft"

Dennoch krankte das Offensivspiel an allen Ecken und Enden. In der Vorwärtsbewegung verloren die Gäste zu schnell den Ball, einzig der Wille war erkennbar.

"Wir haben uns als Mannschaft präsentiert. Die Spieler haben heute eine gute Einstellung gezeigt. Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft und meine Person sehr, sehr gut zusammenarbeiten", sagte Luhukay.

Hamburg zurück auf Platz eins

Ganz anders sieht es beim HSV aus. Nach den schwachen Begegnungen gegen Unirea Urzicani, Wolfsburg und Bochum enttäuschten die Hamburger erneut, aber das Ergebnis stimmte.

Der HSV spielt zwar derzeit nicht wie eine Spitzenmannschaft, gewinnt aber in der Manier auch die oft zitierten "Schweinespiele" und steht deshalb auch an der Tabellenspitze.

"Für uns war es wichtig, dass wir oben dran bleiben", sagte Torschütze Mladen Petric. "Wichtig ist, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Dann ist alles möglich", ließ der Stürmer Raum für Spekulationen. Ob er denn vom Titelträume, wurde Petric gefragt. "Träumen darf man immer", antwortete er.

Noch ideenlos

Der Coach zeigte sich von der Leistung seines Torjägers ("Er hat Pfeffer im Hintern") angetan, von der seiner Mannschaft weniger. "Uns fehlen gegen solche Gegner noch die Ideen", sagte der Niederländer, freute sich aber über den Sieg und über die Rückkehr auf Platz eins.

An den Titel wolle er aber noch nicht denken. "Wenn man am Ende der Saison immer noch spitze ist, dann wird man Meister."

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