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Jan Schlaudraff wechselte 2008 vom FC Bayern zu Hannover 96 © imago

Hannovers Jan Schlaudraff spricht im Sport1.de-Interview über sein gelungenes Comeback, Glücksgefühle und Selbstzweifel.

Von Matthias Fiedler

München - Seine Leidenszeit soll endlich überwunden sein: Jan Schlaudraff ist zurück.

Nach drei überstandenen Operationen an der rechten und linken Leiste, fast einem Jahr Verletzungspause und viel Ungewissheit feierte der Stürmer gegen Leverkusen am vergangen Samstag seine Rückkehr im Trikot von Hannover 96.

Jetzt will er wieder angreifen, am liebsten schon gegen Ex-Klub Mönchengladbach (Sa., 15 Uhr LIVE), und sich die Klasse vergangener Tage erarbeiten - auch wenn das, wie er sagt, "nicht von heute auf morgen geht".

Im Sport1.de-Interview erklärt der 26-Jährige zudem, was in den vergangenen Monaten besonders an seinen Nerven zehrte und wieso es besonders schwer war, sich zu motivieren.

Sport1.de: Herr Schlaudraff, wie fühlte sich das Comeback gegen Leverkusen an?

Jan Schlaudraff: Richtig gut. Ich habe mich gefreut, dass ich endlich wieder dabei war und sogar ein paar Minuten spielen durfte. Anfangs war ich natürlich etwas nervöser als sonst. Aber ich denke, nach so einer langen Pause ist das normal.

Sport1.de: Woran merken Sie, dass Sie noch nicht wieder hundertprozentig fit sind?

Schlaudraff: Der Körper ist noch instabil und muss sich an die Belastung gewöhnen. Da es für mich jetzt bereits die dritte OP an der Leiste war, ist es natürlich klar, dass ich noch nicht wieder ganz der Alte bin. In der Winterpause will ich deshalb noch ein Aufbautraining absolvieren, um im Januar wieder hundertprozentig fit zu sein.

Sport1.de: Ist das Kapitel Leistenverletzung damit dann endlich abgeschlossen?

Schlaudraff: Davon gehe ich aus. Drei Operationen müssen ja irgendwie geholfen haben.

Sport1.de: Hatten Sie je das Gefühl, abgeschrieben zu sein, vor allem weil in der Zwischenzeit auch der neue Trainer Andreas Bergmann für Ihren ehemaligen Mentor Dieter Hecking übernommen hatte?

Schlaudraff: Nein, das Gefühl hatte ich nie. Natürlich war die Zeit nicht leicht und alles eine schwierige Situation für mich. Aber ich habe einen Vierjahresvertrag und hoffe, dass ich die kommenden zweieinhalb Jahre von Verletzungen verschont bleibe und wieder voll angreifen kann.

Sport1.de: Welche Perspektiven hat Ihnen Andreas Bergmann in Aussicht gestellt?

Schlaudraff: Für den Trainer und das Management war es zunächst am wichtigsten, dass ich so gut es geht wieder auf die Beine komme. Ob ich dafür nach meiner langen Leidenszeit noch drei Wochen mehr oder weniger brauche, war nicht so wichtig.

Sport1.de: Ist es während so einer langen Verletzungspause nicht schwierig, sich überhaupt zu motivieren und Ziele zu setzen?

Schlaudraff: Ja, vor allem wenn dir niemand genau sagen kann, woher der Schmerz kommt und wie lange man ausfallen wird. Auch nach den Operationen wurde es nicht besser. Ich habe keinen Rhythmus reinbekommen, konnte höchstens immer nur zwei, drei Wochen spielen.

Sport1.de: Sind Sie da nicht in Selbstzweifel verfallen?

Schlaudraff: Sicherlich habe ich mich zwischenzeitlich immer wieder gefragt, warum es nicht vorbeigeht und was mit mir los ist. Doch richtig an mir gezweifelt habe ich nie.

Sport1.de: Wie sehr schmerzt es, dass das Thema Nationalmannschaft vorerst abgehakt ist?

Schlaudraff: Die Nationalmannschaft hatte sich schon nach meiner Bandscheiben-OP erledigt, als ich noch bei Bayern München war. Vielmehr hat das Jahr 2009 an der Psyche genagt. Denn im Januar operiert zu werden und dann erst im Dezember wieder zum Einsatz zu kommen, zehrt an den Nerven.

Sport1.de: Hat es sich für Sie komisch angefühlt, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen, während alle um Sie herum um Robert Enke getrauert haben?

Schlaudraff: Klar war es für mich schwierig, mich in dieser Phase richtig zu freuen, dass es wieder bergauf geht. Aber meine Probleme sind sicherlich nicht mit der Tragödie um Robert Enke zu vergleichen und zwei völlig verschiedene paar Schuhe.

Sport1.de: Ihr Sturmpartner Mike Hanke ist nach seiner Kniesehnen-Verletzung nun auch wieder zurück, Mikael Forssell ebenfalls auf dem Weg der Besserung. Was ist für die Roten in dieser Saison noch drin?

Schlaudraff: Das wird sich zeigen. Wir müssen erst einmal schauen, wie gut sich die Verletzten wieder integrieren. Wenn alle wieder topfit sind, dann sind wir als Mannschaft sicherlich in der Lage, den Klassenerhalt frühzeitig zu sichern.

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