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Der Bayer-Trainer erklärt die Aufgabe gegen Bochum für schwieriger als den Coup gegen Juventus und warnt vor Übermut.

Vom FC Bayern berichtet Christian Paschwitz

München - Champions-League-Achtelfinale gepackt, drei Siege in Folge, die Liga-Spitze wieder in Sicht.

Nun kommen mit dem VfL Bochum (Sa., ab 15 Uhr LIVE) und Hertha BSC zwei Kontrahenten der Kategorie "gut machbar"

Dem Tabellenführer Bayer Leverkusen soll in der Rückrunde gehörig Dampf gemacht werden.

Kurzum: Die Münchner sind wieder dick im Geschäft. Strotzendes Selbstbewusstsein inklusive.

Selbst Keeper Hans-Jörg Butt sprach nach dem 4:1-Husarenstreich bei Juventus Turin von einem "Signal an die Liga".

Van Gaal dämpft Euphorie

Allein: Louis van Gaal spielt nach außen hin den Euphorie-Bremser, warnt Mannschaft und Öffentlichkeit davor zu glauben, die Aufgabe gegen den Revierklub werde ein Selbstgänger.

"90 Minuten konzentriert zu sein ist gegen eine Spitzenmannschaft einfacher", erklärt der Trainer. "So weit sind wir noch nicht, dass wir nicht mehr gegen Bochum verlieren können. Schauen Sie zurück nach Mainz oder Neckarelz."

Wirklich Gedanken daran verschwenden dürfte aber auch der 58-Jährige keineswegs, zumal er sagt: "Wir haben Profis hier. Und wir haben Selbstvertrauen. Wir können noch viele Schritte mit dieser Mannschaft machen."

Rummenigge hakt Herbst-Titel ab

Davon ist auch Karl-Heinz Rummenigge fest überzeugt. Obwohl der Vorstandschef, dessen Klub am Samstag zum 50. Mal hintereinander nicht an der Tabellenspitze stehen wird, die Herbstmeisterschaft ausschließt.

"Unser realistisches Ziel ist, noch Zweiter zu werden. Ich gehe davon aus, dass Leverkusen Herbstmeister wird. Das haben sie sich verdient", sagt Rummenigge. "Wir wollen uns für die Rückrunde eine gute Ausgangsposition schaffen."

International formuliert es van Gaal ähnlich: "Barcelona ist weiter, auch Chelsea und Manchester United."

Um dann aber zu ergänzen: "Wir können jede Mannschaft schlagen, auch Barcelona."

Rückfall in alte Verhaltensmuster

Überhaupt klingt van Gaal nach eher demütigen Wochen plötzlich wieder wie der bekannte 58-Jährige mit Hang zum Egotrip.

Erfolg macht offenbar aufs Neue selbstverliebt - ähnlich, wie der Niederländer einst zu Saisonbeginn aufgetreten war, als er bei Bayern von Jupp Heynckes übernommen hatte:

"Bayern war immer das dominierende Team", sagt van Gaal nun, "das können Sie auf Video nachschauen. Auch in Bordeaux."

Dass es gegen die Franzosen in der Königsklasse zwei ganz bittere Pleiten setzte? Offenbar vergessen.

Überrascht wegen Turin? Keineswegs

Selbst das 4:1 in Turin habe ihn "nicht überrascht", gibt van Gaal zu verstehen, um den Reportern dann auch noch Bescheid zu stoßen: "Wir sind lange Zeit ungeschlagen, vielleicht haben Sie das in Ihrem Kopf."

Wie sehr dürften die Bayern dann ins Rollen kommen, wenn die Superstars Arjen Robben und Franck Ribery demnächst erstmals zusammen von Beginn an ran können?

"Ein oder zwei Spiele haben wir mit ihnen gespielt, nie über 90 Minuten", sagt van Gaal dazu. "Sie können viel bedeuten für die Mannschaft. Aber: Ich muss sie integrieren."

Schwere Zeiten für Klose

Für die Wiedereingliederung von Miroslav Klose, der derzeit nicht am starken Sturm-Duo Mario Gomez und Ivica Olic vorbeikommt, findet van Gaal dagegen kaum ermutigende Worte ("Klose muss abwarten, hart arbeiten").

Wie van Gaal sowieso ungern über Einzelne spricht: "Alle reden über Olic und Gomez. Aber ich bin nicht euphorisch über meine Spieler, sondern über meine Mannschaft." Immerhin.

Verlieren nur gegen Teams gleichen Niveaus

Nach Juve wird so oder so die Bayern-Attacke in der Liga erwartet, sechs Spiele ohne Pleite haben die alten Machtverhältnisse allmählich wieder zurechtgerückt.

Nach außen mag van Gaal so tief stapeln, wie er will. Zu glauben ist's ihm schwer, wenn er sagt: "Wir müssen dahin kommen, dass wir nur noch gegen Mannschaften verlieren, die nur noch das gleiche Niveau haben wie wir."

Bochum kann er damit nicht ernsthaft meinen.

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