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Patrick Ebert (r.) hat in bislang 80 Bundesligaspielen sieben Tore erzielt © getty

Das Unentschieden zwischen Berlin und Leverkusen hilft keinem der beiden Teams wirklich. Die Trainer sind angeblich zufrieden.

Von Sebastian Binder

München - Am Ende wusste keiner der beiden Trainer so recht, was er von diesem Ergebnis halten soll: Nach dem turbulenten 2:2 zwischen Schlusslicht Hertha BSC Berlin und Spitzenreiter Bayer Leverkusen hatten beide sichtlich Mühe, das Ergebnis einzuordnen.

"Mit dem Ausgleich in der 92. Minute hat sich Hertha das Ergebnis redlich verdient", meinte Bayer-Coach Jupp Heynckes, der aufgrund der verpassten möglichen Herbstmeisterschaft angeblich nicht sauer war: "Die Herbstmeisterschaft bedeutet mir nichts. Mir geht es nur darum, eine Mannschaft zu entwickeln." 183903(Die Bilder)

Sein Pendant auf Berliner Seite gab sich ebenfalls Mühe, zufrieden zu wirken: "Dieser Punkt wird uns noch helfen", sagte Hertha-Coach Friedhelm Funkel, der nach dem Schlusspfiff wie ein Sieger jubelte.

Merkwürdiges Spiel

Es war ein merkwürdiges Spiel zwischen den so ungleich positionierten Kontrahenten. Die Berliner lieferten eine starke erste Halbzeit ab und lagen durch den Treffer von Adrian Ramos (8.) verdient in Führung.

Man hätte fast meinen können, dass die Hertha dieses Ergebnis nach Hause schaukeln kann. "Der Spielverlauf hat Hertha mit dem frühen Tor in die Karten gespielt", erkannte auch Heynckes.

Doch dann brach die Schlussviertelstunde in Berlin an, und die Ereignisse überschlugen sich: Zunächst besorgte Toni Kroos in der 76. Minute den Ausgleich für die Werkself, dann schickte Schiedsrichter Babak Rafati Gojko Kacar vorzeitig zum Duschen (77.).

Der Serbe hatte sich nach einem Zweikampf nicht zu Unrecht über einen Freistoßpfiff Rafatis aufgeregt, sein wütendes Ballwegwerfen war dem Schiedsrichter eine zweite Gelbe Karte wert.

"Haben in der zweiten Halbzeit mehr Druck gemacht"

Die Berliner schien wieder einmal der oft zitierte "Fluch des Tabellenletzten" zu ereilen. Leverkusen drängte mit dem Selbstvertrauen des Spitzenreiters auf den Siegtreffer, Hertha mauerte mit den Selbstzweifeln eines potenziellen Absteigers.

"In der zweiten Halbzeit hat meine Mannschaft besser gespielt und mehr Druck gemacht", analysierte Heynckes treffend.

Der Führungstreffer für seine Mannschaft durch den abgefälschten Schuss des Debütanten Burak Kaplan fiel in der 90. Minute zwar glücklich, aber keineswegs unerwartet. Die Werkself hatte die Partie im Stile eines Topteams gedreht und das Spiel damit abgehakt.

Doch dann kam Ramos und besorgte mit dem Schlusspfiff den verdienten Ausgleich für die Berliner.

Berliner sauer auf Rafati

Die Berliner lasteten den nach ihrer Ansicht nach verpassten Sieg hauptsächlich Schiedsrichter Rafati an.

Der verletzte Kapitän Arne Friedrich, der das Spiel bei den Fans in der Ostkurve verfolgte, war nach der Partie kaum zu bremsen: "Pfeif doch einmal anständig. Das ist immer das Gleiche mit dir", brüllte er dem Unparteiischen im Kabinengang hinterher.

In der Tat gab es einige strittige Entscheidungen, etwa das Abseitstor von Raffael und den Platzverweis für Kacar. Der Referee aus Hannover ist in der Hauptstadt ein rotes Tuch.

"Unterm Strich muss man zufrieden sein"

"Unterm Strich muss man mit dem 2:2 zufrieden sein. Aber ich finde, wenn man den heutigen Tag nimmt, hat die Mannschaft eine wirklich tolle Leistung abgeliefert", gab Herthas Präsident Werner Gegenbauer leicht verschnupft zu Protokoll.

Leverkusens Topstürmer Stefan Kießling nahm das Remis dagegen weniger sportlich: "Es ist zum Kotzen. Es kann nicht sein, dass man in der letzten Minute noch den Ausgleich bekommt", schimpfte er.

Kaplan schaut nach vorne

Bayer kann das Unentschieden aber wohl eher verschmerzen als die Berliner. Mit einem Sieg im letzten Hinrundenspiel zuhause gegen Borussia Mönchengladbach kann die Heynckes-Elf die Herbstmeisterschaft einfahren.

"Wr gewinnen das letzte Spiel und sind trotzdem Herbstmeister", gab Debütant Kaplan dann auch die Devise für die Partie aus.

Hertha muss nach München

Berlin, mit sechs Punkten weiterhin abgeschlagener Letzter, hat die ungleich schwerere Aufgabe vor der Brust und muss bei Bayern München antreten. Zu allem Überfluss fehlen dann auch noch die gesperrten Kacar und Patrick Ebert (5. Gelbe Karte).

Vielleicht baut Trainer Funkel auch deshalb schon auf die Rückrunde: " Mit dem Spiel gegen Leverkusen haben wir das Glück zurück gewonnen. Das brauchen wir auch, wenn wir dann im Januar die Aufholjagd starten wollen."

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