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Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann will von der Rotation nicht abrücken © imago

Nach der zweiten Bundesliga-Niederlage in Folge muss der Bayern-Coach heftige Kritik an seinen Wechselspielchen einstecken.

Von Andreas Kloo

München - Nur zwei Siege in den ersten sechs Spielen, bereits fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer HSV.

Nach dem schlechtesten Bayern-Saisonstart seit 31 Jahren muss sich Trainer Jürgen Klinsmann heftige Vorwürfe gefallen lassen. Hauptkritikpunkt ist die Radikal-Rotation, die der ehemalige Bundestrainer vor dem Spiel in Hannover durchführte.

Ex-Kapitän Steffan Effenberg ließ bei "Premiere" kein gutes Haar an der Taktik des Bayern-Coaches. "Die Saison ist viel zu jung, um zu rotieren. Van Bommel mal rein, mal raus. Ze Roberto raus und rein, Ottl rein und raus", spöttelte der frühere Mittelfeldstar.

Van Bommel verkneift sich Kritik

Auch aus der Mannschaft kommt nicht nur begeisternde Zustimmung für die Klinsmannschen Wechselspielchen.

"Wenn der Trainer entscheidet, dass er rotiert, dann rotiert er", verkniff sich der aktuelle Kapitän Kritik am Coach. Zwischen den Zeilen hört man aber doch die Unzufriedenheit des Niederländers heraus.

Nicht verwunderlich, da er in Köln und im Pokal gegen Nürnberg selbst ein Opfer der Rotation war und auf der Bank Platz nehmen musste. Zur Stärkung seiner schon vor der Saison heiß diskutierten Kapitänsrolle trugen diese Maßnahmen nicht unbedingt bei.

Hoeneß: "Breno war der Beste"

Jürgen Klinsmann will dennoch weiter an der von Vorgänger Ottmar Hitzfeld eingeführten Rotation festhalten und verteidigt im Nachhinein seine Aufstellungsentscheidung: "Das war nicht unser Problem und angesichts der Fülle der Spiele, die uns erwartet, eine ganz logische Entscheidung. Ich würde es wieder so machen."

Manager Uli Hoeneß versuchte derartiger Kritik bereits nach dem Spiel den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Man kann das Ergebnis nicht an der Rotation festmachen. Breno ist neu in die Mannschaft gekommen und war unser Bester. Das kann also nicht der Grund gewesen sein."

Effenberg: "Gerüst muss stehen"

Fakt ist, dass Klinsmann sowohl gegen Nürnberg als auch in Hannover sein Team auf vier Positionen änderte.

Was beim Nürnberg-Spiel nach der 2:5-Schlappe gegen Bremen noch einigermaßen nachvollziehbar war, löste vor dem Anpfiff in Hannover Erstaunen bei Fans und Experten aus.

Die einzigen, die in den letzten beiden Partien von der Rotation ausgenommen waren, sind Philipp Lahm, Martin Demichelis, Luca Toni und Michael Rensing.

Zur Stabilisierung der Mannschaft trägt das nicht bei, findet Stefan Effenberg: "Es muss sich erst einmal ein Gerüst finden, auf den Außenpositionen kann man rotieren, aber doch nicht auf diesen zentralen Positionen."

Hoeneß fordert Start einer Serie

Klinsmann versucht zwar die Lage zu relativieren: "Natürlich war der Start nicht optimal, aber die Spielzeit hat gerade erst begonnen." Dennoch, zwei Bundesliga-Partien in Folge verloren die Münchner zuletzt vor anderthalb Jahren.

Viele Niederlagen darf sich der Rekordmeister nun auch nicht mehr leisten. Fünf Punkte beträgt der Rückstand auf den aktuellen Tabellenführer, den HSV, bereits.

Uli Hoeneß fordert nachdrücklich den Start einer kleinen Serie: "Wir sollten sehr bemüht sein, den momentanen Zustand nicht allzu lange währen zu lassen."

Angesichts der in München wieder in Mode gekommenen Rotation stellt sich nur die Frage, welche Elf diesen Auftrag erfüllen soll.

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