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Kevin Kuranyi erzielte gegen Werder Bremen sein achtes Saisontor © getty

Bremens Serie von 23 ungeschlagenen Spielen endet gegen Schalke. Werders Verantwortliche nehmen daraufhin die "Knappen" zum Vorbild.

Von Thorsten Mesch

Bremen - Klaus Allofs war schon lange vor dem Schlusspfiff bedient.

Werder Bremens Sportdirektor hatte missfallen, dass Mesut Özil schon in der Pause sein Trikot mit Schalkes Jefferson Farfan getauscht hatte.

"Es scheint ja sehr wichtige Dinge zu geben in so einem Spiel", meinte Allofs mit zynischem Unterton in der Halbzeit.

Was Allofs nach der Pause zu sehen bekam, gefiel ihm noch weitaus weniger.

Werder verschlief die Anfangsphase, und kurz nach dem Wiederanpfiff erzielte Kevin Kuranyi nach schöner Vorarbeit von Lewis Holtby das 0:1 für Schalke (47.).

Verdiente Niederlage

In der 72. Minute legte Kuranyi dem wenige Sekunden zuvor eingewechselten Jan Moravek auf, und Per Mertesacker fälschte den Ball für Tim Wiese unhaltbar ab.

Werder hatte den diszipliniert auftretenden Gelsenkirchenern nicht viel entgegenzusetzen, machte viele Fehler und kassierte schließlich verdientermaßen die erste Niederlage seit dem 8. August. Daran änderte auch das Comeback von Torjäger Claudio Pizarro nicht, der in der 63. Minute eingewechselt wurde.

23 Spiele ungeschlagen

23 Spiele waren die Bremer nicht bezwungen worden, nur noch vier Spiele hatten gefehlt bis zur Einstellung des Vereinsrekords aus der Saison 2003/04. Damals hatte Werder das Double gewonnen.

Den inoffiziellen Titel des Herbstmeisters müssen die Norddeutschen nun abhaken, was Allofs und Trainer Thomas Schaaf allerdings nicht sonderlich stören dürfte.

"Solche Zwischentitel sind in unserer Wertmessung nicht so wichtig", hatte Schaaf schon vor dem Verfolgerduell betont.

"Nicht dagegengehalten"

Seine Mannschaft spielte anschließend so, als hätte sie mit der Tabellenführung aber auch gar nichts am Hut.

"Wir haben nicht richtig dagegengehalten, wie man es gegen Schalke tun muss", erklärte Schaaf.

"Es war schon vor der Pause teilweise sehr mühsam", meinte Abwehrchef Mertesacker. "Mit dem Gegentor anfangs der zweiten Halbzeit war es schwierig. Wir hatten Möglichkeiten, aber wir haben nicht konsequent genug gespielt."

Konsequente Schalker

Die Schalker waren konsequent. Sie machten weniger Fehler und nutzten ihre Chancen eiskalt.

"Wir hatten das Glück, auf eine Mannschaft zu treffen, die nicht ganz so gut drauf war", sagte Felix Magath.

"So eine Serie, wie sie Bremen hatte, setzt sich auch in den Köpfen der Spieler fest", erklärte der Schalker Coach: "Dann wird man zufrieden und genügsam. Es fehlt irgendetwas, und das hat man heute bei Werder gesehen."

Schalke kann Herbstmeister werden

Schalke müsse nun "anfangen, selbst eine Serie zu starten", ergänzte Magath: "Jetzt haben wir zwei Siege nacheinander, so darf es bis Weihachten weitergehen."

Sollte Tabellenführer Leverkusen am letzten Hinrunden-Spieltag gegen Mönchengladbach nicht gewinnen, könnte Schalke mit einem Sieg gegen Mainz sogar Herbstmeister werden.

"Die Fans dürfen gerne träumen, die haben sich das verdient", sagte Magath. Von Titelambitionen sprechen aber weder Trainer noch Mannschaft.

"Auch gegen Mainz gewinnen"

"Gegen Mainz wollen wir natürlich auch gewinnen. Wir müssen das Woche für Woche umsetzen, und dann schauen wir, was dabei herauskommt", sagte Kapitän Heiko Westermann.

"Wir wissen, dass wir nicht so gut spielen können wie Werder Bremen, aber wir kämpfen dafür", meinte Kevin Kuranyi:

"Wenn wir hart an uns arbeiten, können wir eine Topmannschaft werden."

Mehr investiert

Für Klaus Allofs waren die Gelsenkirchener schon am Samstag ein Klasseteam. "Sie haben mehr investiert, wir wollten es spielerisch lösen, aber das ging heute nicht und das geht auch in Zukunft nicht", warnte der Werder-Geschäftsführer.

"Schalke hat uns heute aufgezeigt, wie das zu spielen ist, mit welcher Begeisterung und mit welcher Hingabe", ergänzte Allofs.

Werder müsse seine Fehler ganz klar ansprechen und aufarbeiten, und das am besten schon am Mittwoch in der Europa League in Bilbao und dann im Nordduell in Hamburg.

Konzentration aufs Nordderby

"Ich hoffe, dass wir die richtigen Lehren aus dem Spiel ziehen. Wenn wir in Hamburg so auftreten wie heute, dann kriegen wir dort eine Klatsche", meinte Allofs.

"In Bilbao ist die Aufgabe, die Gruppe so gut abzuschließen wie es nur geht", sagte Schaaf.

"Danach sind wir in Hamburg beim Nordderby. Und da sind wir dann wieder alle wach."

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