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Jupp Heynckes führte Bayern München 1989 und 1990 zur Meisterschaft © getty

Jupp Heynckes blickt im DSF-Doppelpass auf die Konkurrenz und erklärt, warum sein Team keinen Leistungseinbruch erleben wird.

München - Jupp Heynckes hat in Leverkusen bisher ganze Arbeit geleistet.

Auch wenn Bayer in den letzten beiden Partien gegen Hannover 96 und Hertha BSC nur zu Unentschieden kam, bleiben die Rheinländer in dieser Saison noch unbesiegt und thronen an der Tabellenspitze.

Im DSF-Doppelpass sprach Heynckes über die Saisonziele seines Teams, seine Entwicklung als Trainer sowie die Konkurrenz aus München und Schalke.

Jupp Heynckes über...

die Herbstmeisterschaft:

"Die Mannschaft hat in der bisherigen Saison großartige Leistungen gebracht. Wir werden versuchen, oben dran zu bleiben bzw. die Spitzenposition zu verteidigen. Der Titel 'Herbstmeister' ist bedeutungslos. Am Ende der Saison musst du vorne stehen."

das 2:2 bei Hertha BSC Berlin:

"Das Ergebnis war korrekt. Hertha BSC hat in der ersten Halbzeit gut gespielt, war zweikampfstark und hat richtig Gas gegeben. Wir haben erst in der zweiten Halbzeit zugelegt.

Wenn man in der 90. Minute 2:1 führt, muss man das Ergebnis auch nach Hause schaukeln. Das haben wir nicht geschafft, deswegen war es sicherlich auch eine Enttäuschung."

einen Leistungseinbruch wie in der vergangenen Saison:

"Die Befürchtung haben wir nicht. Wir haben fast über die gesamte Halbserie vier Leistungsträger der letzten Saison nicht zur Verfügung gehabt. Patrick Helmes hat letztes Jahr 21 Tore erzielt. Simon Rolfes ist eine Spielerpersönlichkeit auf und außerhalb des Platzes, die auch in der Nationalelf gesetzt ist.

Zuletzt hat zum Beispiel auch Manuel Friedrich gefehlt, der in der bisherigen Saison eine Top-Leistung bringt. Wir haben in den letzten zwei Partien nicht so gut gespielt, das ist richtig. Aber man sollte nicht den Fehler machen, uns vorzeitig abzuschreiben."

seine Gelassenheit als Erfolgsgeheimnis:

"Ich hatte auch in früheren Jahren immer ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Spielern und habe auch intern stets sehr gelassen und unaufgeregt agiert. Mit der Zeit bekommt man das Gefühl, wie man eine Mannschaft in bestimmten Situationen optimal führen kann.

Wenn man seine Spieler respektiert, dann bekommt man auch den Respekt zurück. Man muss seine Spieler auch schützen und das habe ich immer gemacht. Nur bei solchen Spielern nicht, die gegen den Strom geschwommen sind. Da war ich sehr konsequent.

Wenn einer nicht das Leistungsprinzip mitgegangen ist, dann war das nicht mehr mein Spieler. Ich habe in diesem Geschäft alles erlebt. Mich kann nichts mehr aufregen. Deswegen übertrage ich sicherlich meine Ruhe und Gelassenheit auch auf meine Mannschaft."

seine persönliche Entwicklung:

"Die Zeit im Ruhestand war für mich sehr wichtig. Ich habe krankheitsbedingt einiges durchstehen müssen. Beim FC Bayern habe ich dann wieder Gefallen am Trainer-Job gefunden. Es war keine einfache Situation, das habe ich an meinem Umfeld gemerkt.

Jeder war nervös und hat um die Champions League-Qualifikation gefürchtet. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das ganz locker und entspannt angegangen bin. Und alle Spieler haben damals optimal mitgezogen.

Es war ein wunderbares Miteinander und die Initialzündung dafür, dass ich noch mal Gefallen an dem Job gefunden habe. Als dann Rudi Völler anrief, musste ich nicht lange überlegen und habe nach einer Nacht zugesagt."

den Konkurrenten Schalke 04 und die Arbeit von Felix Magath:

"Felix Magath macht seit Saisonbeginn fast alles richtig. Er hat viele junge Spieler eingebaut und immer wieder gewechselt. Er hat genau die richtigen Zeitpunkte abgepasst, in denen sich die Spieler angeboten haben.

Er hat ein ganz klar definiertes Spielsystem. Sie ziehen sich zurück, machen die Räume eng und stehen sehr kompakt. Aber sind auch sehr aggressiv und laufstark. Der FC Schalke 04 sucht immer wieder die Kontermöglichkeit und das Spiel nach vorne. Da sieht man deutlich die Handschrift von Felix Magath."

den wiedererstarkten FC Bayern München:

"Louis van Gaal ist ein Trainer, der Kollektiv-Fußball spielen möchte und auch Kollektiv-Fußball lehrt. Er hat genaue Vorstellungen, wie eine Mannschaft zusammengesetzt sein muss, wie sie funktionieren muss. Er macht das sehr konsequent. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der FC Bayern wieder zurück in die Erfolgsspur finden würde.

Sie haben ein riesiges Spielerpotenzial. Juventus Turin war sicherlich der Auslöser, aber auch, dass die Mannschaft in den vergangenen Wochen immer in der gleichen Formation gespielt hat.

Es haben sich Automatismen ergeben, die Mannschaft ist in sich zusammengerückt. Bis vor drei Wochen ist der FC Bayern zerrissen worden. Bochum war für den FC Bayern ein Selbstläufer, und ich bewerte das überhaupt nicht über. Die Nagelproben für den FC Bayern kommen noch, wenn es gegen Schalke, Bremen oder Leverkusen geht."

die Stürmer-Situation beim FC Bayern:

"Mario Gomez war in den letzten zwei Spielen ein ganz anderer, als in den vorhergehenden Partien. Er hat zwar vorher auch getroffen, aber wie er beispielsweise in Turin und Bochum läuferisch agiert hat - das war ein Unterschied.

Das wollte Louis van Gaal aus ihm herauskitzeln. Ich als Trainer vertrete auch die These, dass man einen Spieler ab und zu provozieren muss. Wenn man zudem Klose, Olic, Toni, Ribery und Robben hat, dann muss man sich irgendwann für zwei Spieler entscheiden-das ist nicht einfach.

Im Moment bekommt Gomez das Gefühl, dass er spielt, auch wenn er mal schlechter war. Das ist für das Selbstvertrauen und die Sicherheit eines Stürmers sehr wichtig. Der FC Bayern braucht mehrere Stürmer. Miroslav Klose ist für mich ein absoluter Top-Mann. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann er wieder zurückkommt."

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